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| 16:43 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Fehlende Zeugen lassen zwei Verhandlungen platzen

Bad Liebenwerda. Ein mutmaßliches Opfer ist krank, das andere unauffindbar.

Außer reichlich Spesen nicht viel gewesen vor dem Schöffengericht in Bad Liebenwerda. Und das bei zwei angesetzten Verhandlungen an einem Tag.

Im ersten Fall müssen zwei Schöffinnen, drei Zeugen und zwei angereiste Dolmetscher unverrichteter Dinge wieder abreisen. Wie sich herausstellt, hat das mutmaßliche Opfer als geladener Zeuge, ein Mann aus Kenia, der in der Gemeinschaftsunterkunft Hohenleipisch wohnt, anscheinend zu spät ein schriftliches Attest seiner Ärztin übermittelt. Demzufolge ist er wohl nach einer Operation nicht verhandlungsfähig. Die Rücksprache mit der Medizinerin ergibt, dass die Genesung und weitere Behandlungen Monate dauern können.

Dem anzuklagenden Bosnier soll vorgeworfen werden, an Handgreiflichkeiten mit Bewohnern des Heimes beteiligt gewesen zu sein. Die Tat soll sich bereits im Juli 2016 ereignet haben. Der Bosnier sei einschlägig wegen diverser Delikte vorbestraft. Es sei wohl mindestens ein weiteres Verfahren anhängig. Laut dem Gericht möchte die Ausländerbehörde den Straftäter abschieben. Über die Botschaft soll geklärt sein, dass das Heimatland des Angeklagten bereit sei, diesen aufzunehmen.

Doch kann ein Straftäter mit mindestens einem offenen Verfahren, bei dem nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgrund der Schwere des aktuellen Tatvorwurfs eine höhere Haftstrafe zu erwarten sei, abgeschoben werden, um ihn endlich loszuwerden? „Das ist eine Abwägungssache“, erläutert Schöffenrichter Egon Schaeuble. Nun wird entweder nach der Genesung des Zeugen ein neuer Gerichtstermin angesetzt oder der Angeklagte muss zwischenzeitlich ausreisen.

Bei der mutmaßlichen Auseinandersetzung in der Asylunterkunft soll der Bosnier einen Kenianer geschlagen und verletzt haben.

Im zweiten Fall des Tages fehlt ebenfalls der Hauptbelastungszeuge, der auch der Geschädigte ist. Dies ist bereits ein Fortsetzungstermin, weil der Mann aus dem Raum Finsterwalde nicht auffindbar ist. Auch dieses Mal erscheint er nicht. Die Polizei hat ihn vergeblich gesucht. Er wird wegen eines anderen Delikts ohnehin seit Monaten per Haftbefehl gesucht. Dabei hätte der Zeuge allen Grund dazu auszusagen. Er soll im Herbst 2016 in seiner Wohnung mit Baseballschläger und Brecheisen von drei Männern zusammengeschlagen worden sein. Am Tag darauf seien diese wiedergekommen und hätten Möbel zerlegt. Vermutet wird, dass es um unbeglichene Rechnungen im Drogenmilieu geht. Der einzig identifizierte Tatverdächtige sitzt bereits in Haft.

In der Verhandlung am 19. September konnte sich ein Zeuge, Nachbar des Geschädigten, an nichts mehr erinnern, obwohl er seinerzeit gegenüber der Polizei Angaben gemacht hatte. Es darf angenommen werden, dass auch der gesuchte Geschädigte jedem weiteren Ärger aus dem Weg gehen möchte und deshalb untergetaucht ist. Sollte er irgendwo in Deutschland einer Polizeistreife in die Hände laufen, wird er sofort festgenommen. Erst dann kann der zweite Fortsetzungstermin angesetzt werden.

(mf)