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| 17:24 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Baseballschläger im Gesicht, Zähne raus

Vor dem Amtsgericht Bad Liebenwerda wird eine schwere Körperverletzung verhandelt.
Vor dem Amtsgericht Bad Liebenwerda wird eine schwere Körperverletzung verhandelt. FOTO: LR / Manfred Feller
Bad Liebenwerda/Massen. Ein Drogenkonsument als Opfer einer Körperverletzung macht einen Bogen um das Schöffengericht. Von Manfred Feller

Dieser Fall aus Massen, der vor dem Schöffengericht in Bad Liebenwerda verhandelt wird, „riecht“ stark nach einer Auseinandersetzung im Drogenmilieu. Ein Konsument bezahlt seine Rechnung nicht, wird möglicherweise vom Lieferanten angezählt und bekommt bald darauf sehr unangenehmen Besuch. Die brutale Vorgehensweise deutet jedenfalls auf die besagte Drogenszene hin.

Doch Klarheit brachte der erste Verhandlungstag nicht. Denn zwei von drei geladenen Zeugen, darunter das Prügelopfer, lassen sich erst gar nicht blicken und der dritte, allesamt laut dem Gericht wohl mit Drogen im Bunde, leidet anscheinend an Gedächtnisschwund.

Nach den zwei unentschuldigt Fehlenden aus dem Raum Finsterwalde sucht nun die Polizei. Werden sie gefasst, verbringen sie sicherheitshalber die Nacht vor dem Fortsetzungstermin am Schöffengericht in Gewahrsam.

So muss auch der Angeklagte, geboren vor fast genau 35 Jahren in Finsterwalde, noch einmal erscheinen. Vielmehr wird der einschlägig Vorbestrafte begleitet gefahren. Denn sein Hauptwohnsitz ist seit einiger Zeit die Justizvollzugsanstalt in Cottbus. Wie üblich, werden Gefängnisinsassen in Handschellen vorgeführt. Zwei Justizmitarbeiter lassen sie während der Verhandlung nicht aus den Augen. Der kräftige 35-Jährige mit kurzem Haar, 3-Tage-Bart und Tätowierungen an den Oberarmen erscheint im Altrosa-T-Shirt und knielangen Hosen. „Sie sind heute friedlich?“, fragt der Vorsitzende Richter Egon Schaeuble. „Ja“, kommt die knappe Antwort.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, an einem Herbsttag im Jahr 2016 zwischen 0.30 und 1 Uhr in der Wohnung des nicht erschienenen Zeugen auf diesen mit wohl zwei anderen Personen mit Baseballschläger und Brecheisen eingeschlagen zu haben. Das Opfer habe eine Kopfplatzwunde davongetragen und Zähne eingebüßt. Später sei die Wohnung nochmals besucht worden, um mit Inventar um sich zu werfen und einiges zu zerlegen. Das hat laut dem Gericht das Opfer gegenüber der Polizei angegeben.

Über seinen Pflichtverteidiger lässt der Angeklagte ausrichten, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern wird. Dafür präsentiert sein Anwalt eine eigene Version. Da das mutmaßliche Opfer als Zeuge nicht erschienen ist, sei auch nichts passiert. Es liege kein ärztlich belegter gesundheitlicher Schaden vor.

Das wiederum verwundert den Staatsanwalt, der natürlich das Polizeiprotokoll aus der Tatnacht kennt. Die damals gerufenen Beamten können sicher sagen, ob der Mann verletzt war und nicht zuletzt der Geschädigte selbst - wenn er denn gefunden wird.

Vermutet werden darf, dass er nach wie vor genauso viel Angst vor seinen  Peinigern hat, wie der einzige erschienene Zeuge. Der 30-Jährige ohne Job kann sich an nichts mehr erinnern. Er wohne zwar im selben Haus, habe jedoch nichts gesehen und gehört, was vor zwei Jahren passiert sein soll. Der Staatsanwalt versucht ihm mit seiner damaligen protokollierten Aussage gegenüber der Polizei auf die Sprünge zu helfen. Demnach habe er Krach gehört, sei vor die Tür gegangen, habe drei Personen gesehen und den nunmehr Angeklagten erkannt. Doch der Zeuge bleibt bei seiner Version.

Der eine nicht erschienene Zeuge habe vor zwei Jahren der Polizei zu Protokoll gegeben, dass er in den Tagen nach der Tat die verwüstete Wohnung und die Verletzungen des Opfers gesehen habe – auch, dass Zähne gefehlt haben.

Der Pflichtverteidiger wirft noch ein, dass der Beitrag seines Mandanten an der Tat unklar sei. Der Staatsanwalt hält dagegen, dass dies aber der Geschädigte selbst wisse. Am Ende könne in der Tat ein Freispruch herauskommen oder auch ein Urteil. Allein die gefährliche Körperverletzung werde mit sechs Monaten aufwärts geahndet. Die Einstufung „gefährlich“ gilt laut dem Schöffenrichter dann, wenn mehrere Personen beteiligt sind und/oder Gegenstände eingesetzt werden.

Schließlich hat der Angeklagte selbst noch ein Problem. Er möchte seinen Pflichtverteidiger loswerden. Das Vertrauen sei nicht mehr so wie am Anfang gegeben. Er nennt einen Anwalt, mit dem er in der Vergangenheit besser zurechtgekommen sei. Den gewünschten Wechsel muss er schriftlich begründen, ehe entschieden wird.