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| 05:31 Uhr

Westernfans aufgepasst!
Das Westerntreffen ist tot – lang lebe das Westerntreffen

 Die Cowboys sind längst nicht mehr auf Rauchzeichen angewiesen. Mit Facebook, WhatsApp und Co. haben die Männer wieder zusammengefunden.
Die Cowboys sind längst nicht mehr auf Rauchzeichen angewiesen. Mit Facebook, WhatsApp und Co. haben die Männer wieder zusammengefunden. FOTO: VRS
Rothstein. Am Samstag findet ein Tag der offenen Tür im Wilden Westen bei Rothstein statt.

Jetzt kommen die Berliner schon in die Provinz, um Veranstaltungen zu organisieren. Weil es hier landwirtschaftlich so schön ist und weil vielleicht auch der Reglementierungswahn nicht überall seine Augen haben kann. Insgesamt 21 Indianer- und Westerntreffen hat der wohl leidenschaftlichste Westernfan des Elbe-Elster-Landes Carsten Uhlemann (58) seit 1995 organisiert.

Insgesamt zehn Treffen gab es erst in Dobra in der Westernbar, dann ab dem 11. Sommer in Rothstein am Rothsteiner Felsen. Von Jahr zu Jahr sind die Auflagen und damit die Kosten gestiegen. Das war auch schon in Dobra ein Problem und einer der Gründe für den Umzug. In Dobra und Rothstein gab es in den Jahren alles, was der Wilde Westen zu bieten hat: wilde Schießereien, Bank- und Bandenüberfälle, Gemetzel mit Indianerstämmen, Western-Konzerte und Harley-Bikertreffen. Sogar ein Bordell mit echten Professionellen wurde schon organisiert.

Irgendwie klar, dass hier Westernfans aus ganz Europa anzutreffen waren, inklusive Händlern mit Naturprodukten, alten Handwerksberufen und mit Wanderpredigern. Viele verbrachten hier zwei Wochen ihres Jahresurlaubs. Selbst ein Post-Basislager des European-Pony-Express mit vielen Pferden war hier während des Treffens eingerichtet.

Erstmals durfte beim 21. Treffen im vorigen Jahr am Rothsteiner Felsen nur noch zwischen 10 und 13 Uhr sowie zwischen 15 und maximal 19 Uhr mit Platzpatronen geknallt oder geböllert werden. Außerhalb dieser Zeiträume werden 50 Euro Strafe veranschlagt, pro Schuss! Dann das Thema offene Feuerstellen, Sonnenuntergangsromantik am Lagerfeuer – Feinstaub!? Wie soll so eine naturgemäß wilde Horde unter Kontrolle gehalten werden? Wer, wenn nicht der Organisator übernimmt die Verantwortung und die Strafzahlungen für das angedrohte Ordnungsgeld? Die Westernhelden nehmen die Einschränkung eigentlich gelassen hin, liegt das Hauptaugenmerk der hier praktizierten Lebensweise doch ohnehin auf einem friedlichen Umgang miteinander. Aber was wenn doch?

In diesem Jahr sollte mit den Treffen nun Schluss sein. Nicht etwa, weil Carsten Uhlemann beim Sheriff hinter Gittern gelandet oder im Saloon versumpft ist! Der 58-Jährige gibt persönliche und gesundheitliche Gründe an.

Ein kleines Westerntreffen auf seinem Privatgrundstück fand trotzdem statt. Indianer und Cowboys sind längst nicht mehr auf Rauchzeichen angewiesen. Mit Facebook, WhatsApp und Co. lässt sich ein komplettes Volk auf den Weg des geringsten Widerstandes umleiten. Der Rothsteiner Felsen verwaist? Die mitunter über hundert Teilnehmer in den ewigen Jagdgründen? „Wäre schade, wenn dieses herrliche Treffen an diesem optimalen Ort sterben würde“, sagt Werner Kurt Kunze (65) aus Berlin.

Als Wyatt Earp und Vertreter einer Freimaurerloge nimmt Werner Kurt Kunze seit Anfang an bei den Treffen teil. Von Berlin aus will er nun versuchen, in seinem Ruhestand die Treffen so gut es eben irgendwie geht zu organisieren. Einige der alten Westernfans aus den guten alten Zeiten aus Berlin, Halberstadt, Magdeburg, Dresden und Mannheim sind wieder mit dabei. Der wie Carsten Uhlemann ebenfalls leidenschaftliche Westernfan aus Berlin versucht alles richtig zu machen. So musste das „Jackson City“ der Jackson-Bande von Carsten Uhlemann nun in „Tombstone“ umbenannt werden.

Damit beginnt die Zählweise von vorn. Aus dem 22. Treffen wird die Nummer 1. Viele der Beteiligten befassen sich mit authentischen geschichtlichen Hintergründen. Werner Kurt Kunze erklärt: U.S. Marshal Wyatt Earp wollte zusammen mit seinen Brüdern Virgil und Morgen sowie mit Kumpel Doc Holliday in Tombstone den Ruhestand genießen, doch dann kam eine Bande, die für Unruhe im Ort sorgte ...

Am Samstag, 24. August, lädt der Wilde Westen bei Rothstein zum Tag der offenen Tür ein. Zwischen 11 und 13 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr dürfen ganz offiziell Überfälle, Gefechte und Schießereien veranstaltet werden!

(vrs)