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| 07:06 Uhr

Domsdorf
Alwine – ein Fall für Erfinder

Visionen für die Alwine, die zum Erfinderdorf werden könnte. Die alten Gebäude schimmern noch durch. Neues soll daraus erwachsen.
Visionen für die Alwine, die zum Erfinderdorf werden könnte. Die alten Gebäude schimmern noch durch. Neues soll daraus erwachsen. FOTO: LR / jmw innovation GmbH
Domsdorf. Berliner Büro hat kühne Vorstellungen für die ehemalige Domsdorfer Bergarbeitersiedlung. Von Frank Claus

So viele Schlagzeilen, wie die Alwine jetzt binnen eines Jahres macht, hat sie in den etwa 100 Jahren ihres Bestehens nicht erzeugt. Erst hatte im Dezember 2017 die Versteigerung der ehemaligen Bergarbeitersiedlung mit gerade mal 15 Einwohnern für 140 000 Euro deutschland- und sogar weltweit für Interesse gesorgt. Dann ließ der Rückzug des ersten Käufers aufhorchen und nun soll die Alwine ein Fall für Erfinder werden.

Die Siedlung besteht aus zwei Mehrfamilien- und fünf Doppelhäusern, außerdem aus einem Zwei- und einem Einfamilienhaus sowie zahlreichen Nebengebäuden, Garagen und Schuppen. Die Gesamtfläche beträgt 16 871 Quadratmeter. Nachdem die Kumpel der Braunkohlezeche „Alwine“ und Mitarbeiter der Brikettfabrik „Louise“ nach dem Kohle-Aus keine Arbeit mehr fanden, verfiel die Siedlung zusehends.

Neue Hoffnung keimt auf, nachdem zu Jahresbeginn ein Berliner Immobilienmakler, der namentlich nicht genannt werden möchte, die Siedlung vom Auktionshaus erworben hat. Die Häuser einfach zu sanieren, „das ist mir zu langweilig“, sagt er gegenüber der RUNDSCHAU. Er wolle mehr daraus machen und hat sich deshalb die Berliner Unternehmer Gerhard Muthenthaler und Marijan Jordan (beide 45) an die Seite geholt. Die beiden Österreicher leiten die Firma jmw innovation GmbH und sorgen mit ihrem Berliner Erfinderladen bis heute für Furore. Mehr noch: Auf ihre Initiative ist der Tag der Erfinder ausgerufen worden, der immer am 9. November begangen wird.

Sie beraten Erfinder, kümmern sich seit 20 Jahren um Patent-Lizenzierungen, beschäftigen nach eigenen Aussagen 15 Mitarbeiter und unterhalten neben dem Büro in der deutschen Hauptstadt ein weiteres in Salzburg. Sie wollen das Dorf aus dem Dornröschenschlaf in die Zukunft führen. „Das Konzept läuft unter dem Namen Erfinderdorf!“, erklärt Marijan Jordan, studierter Informatiker, auf der Internetseite. Und wie sollen sich Erfinder für die Alwine interessieren? Der Jurist Gerhard Muthenthaler setzt auf den Bekanntheitsgrad, den die Alwine inzwischen erreicht hat und natürlich die eigenen Netzwerke.

Noch sei man ganz am Anfang und offen für alles.  Alles, was unter den Begriff Erfinderdorf passt und mit den Dorfbewohnern und den lokalen Behörden umgesetzt werden könne, solle in die Planungen einfließen.

Das Ziel: die Alwine zu einem Modell für die Zukunft auszubauen. Für das Konzept würden jetzt erst einmal Unternehmen und andere Partner aus der Region und auch darüber hinaus gesucht, die sich mit Produkten und Ideen präsentieren möchten. Die Berliner Berater glauben, dass Zukunftsmodelle oft auf urbane Lebensweisen ausgelegt sind. „Wohnen, Mobilität, Wasseraufbereitung, ökologische Lebensmittelproduktion und viele weitere Themen müssen für den ländlichen Bereich anders gedacht und umgesetzt werden“, sagen sie.

Doch verirrt sich denn überhaupt jemand in die Pampa? „Dafür gibt es Interesse. Das ist genau das, was wir wollen. Wir arbeiten an Problemlösungen. Man kann alles als Problem sehen oder einfach anpacken“, sagt Gerhard Muthenthaler. Dass er von einigen belächelt oder als Spinner tituliert würde, stört ihn nicht. „Das geht den meisten Erfindern am Anfang so.“ Seine Projektion (oben) will er deshalb nicht für bare Münze nehmen, nur als Anregung verstanden wissen. „Die alten Gebäude und Flächen scheinen noch durch, das neue erwächst daraus“, sagt er und zeigt sich zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, in einem Jahr werden wir schon erste Überlegungen, vielleicht sogar was Konkretes vorstellen können.“

Das ganze Vorhaben sei langfristig angelegt und werde mit jedem Partner konkreter werden. Zuerst sollen die Sturmschäden, die „Friederike“ im Januar hinterließ, repariert werden. Wobei der Alwine-Käufer sagt, nicht nur flicken zu wollen. „Wenn, dann machen wir die Dächer im Zuge unseres Konzeptes gleich richtig“, sagt er und denkt an die stromproduzierenden Solar-Dachziegel des Tesla-Chefs Elon Musk und ähnliche zukunftsweisende Technologien, die man in Zukunft zuerst im Erfinderdorf Alwine sehen solle.

Alwine solle jedenfalls keine Musterhaussiedlung werden, sondern ein lebendiges Dorf mit Menschen, „vielleicht sogar mit einigen Arbeitsplätzen“, sagt der Käufer. Und was, wenn die Erfinderdorf-Idee scheitert? „Dann wird im normalen Stil modernisiert“, sagt der Alwine-Besitzer.

Doch erst einmal glaubt er mit den Erfindern an das Projekt. Damit noch mehr Ideen kommen, starten die Initiatoren einen Aufruf im Internet auf der Seite www.erfinderdorf.de,  wo jedermann seine Ideen und Visionen für ein Erfinderdorf teilen kann.