„Mit soviel Ansturm haben wir in diesem Jahr nicht gerechnet“, freute sich Organisator und Dorfklubchef René Bodack. Es sei schon zu überlegen, das Traktorentreffen nicht mehr im Vorprogramm des Seifenkistenrennens, sondern als eigenständige Veranstaltung durchzuführen.

Unterstützung bekamen die Großthiemiger vom „1. Oelsnitzer Traktoren Tuning Club“ aus dem benachbarten Oelsnitz in Sachsen. „Meinen Famulus habe ich innerhalb von sechs Wochen restauriert“, so Nico Hartmann vom Oelsnitzer Club. Das Besondere an seinem Gefährt sei nicht etwa der 38 PS-Motor von einem DDR-Mobilbagger, sondern die quietschgelbe Gartenbank am Heck des Fahrzeuges.

So wie Nico Hartmann gaben sich in Großthiemig viele Traktorenliebhaber ein Stelldichein. Etwa fünf Prozent der ausgestellten Maschinen waren Marke Eigenbau. Mit seinem „Kramer“ schaute Manfred Grafe aus Großthiemig vorbei. Das 18 PS starke Gefährt haben seine Eltern 1957 in Guben erworben. „Da wir nach dem Krieg unser Pachtfeld wiederbekamen und mein Vater nur ein Bein hatte, waren sie gezwungen, sich ein Traktor für die Feldarbeit anzuschaffen. Wir waren mit einer der Ersten im Ort, die so etwas hatten“, weiß der rüstige Rentner zu berichten. Über die Veranstaltung äußerte er sich nur positiv. „Ich bin das zweite Mal dabei und finde es gut, dass es hier so etwas gibt“. Seine vierjährige Enkeltochter Freda nutzte die Gelegenheit, um Opas Traktor zu lenken.

Aus der Nachbargemeinde Großkmehlen war Desire Oschätzky angereist. „Den Trekker habe ich von Opa geerbt“, erklärt der junge Mann. Mit seinen Freunden will der Traktorenfreund demnächst eine Interessengemeinschaft unter dem Namen „Kmehlener Traktorfreunde“ gründen. Kurz nach dem Mauerfall schaffte sich Hermann Naumann sein Lieblingsstück, ein Güldner mit 45 PS an. „Wir brauchten ihn damals für die Landwirtschaft“, erzählte der 82-jährige Großthiemiger.

Ein besonderer Hingucker beim Großthiemiger Treffen war ein Traktor mit nur drei Rädern. Besitzer Ralf Reiche aus Strauch war immer dicht umlagert. „Als ich vor zehn Jahren eine Wirtschaft übernahm, stand der Traktor verlassen in der Scheune. Ich habe ihn zwei Winter lang restauriert“, so der Sachse. Sein Ritscher N 14, wie er heißt, hat einen Motor mit 14 Pferdestärken. Er stammt aus dem Jahr 1939. Durch das fehlende Vorderrad fahre er sich wesentlich leichter als Traktoren mit vier Rädern.