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Alte Gräben – gut fürs Stadtklima

Markant direkt an der Rheumaklinik im Stadtzentrum: Nach dem Durchlass ist der frühere Graben verrohrt. Einst führte der Graben zu Knofs Mühle.
Markant direkt an der Rheumaklinik im Stadtzentrum: Nach dem Durchlass ist der frühere Graben verrohrt. Einst führte der Graben zu Knofs Mühle. FOTO: fc
Bad Liebenwerda. Der Klimawandel macht auch um die Stadt Bad Liebenwerda keinen Bogen. Historische Gräben, inzwischen zugeschüttet oder verrohrt, könnten nach ihrer Öffnung das Stadtklima verbessern. Frank Claus

Die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur steigt um bis zu 2,3 Grad Celsius. Es gibt einen erheblichen Rückgang der Frosttage. Die Prognosen sprechen von einer Woche bis zu weniger als einem Monat. Die Vegetationsperiode wird sich um etwa einen Monat verlängern, die Zahl enorm heißer Tage steigt und auch bis zu drei Tropennächte mehr werden uns den Schlaf rauben. Das alles passiert bei eher gleichbleibenden Niederschlägen, wobei die sich vermutlich stärker vom Sommer in den Winter verlagern werden. Die klimatische Wasserbilanz pendelt um null Millimeter im Jahresdurchschnitt. Das heißt, die Niederschläge reichen gerade aus, um in der Jahresbilanz die potenzielle Verdunstung auszugleichen. Kurzum: Es wird heißer und trockener in der Stadt.

Diese Aussagen sind keine Erfindung der Bad Liebenwerdaer Stadtverwaltung, sondern Ergebnisse einer umfangreichen Auswertung regionaler Klimamodelle für das Land Brandenburg, die das Landesumweltamt in Zusammenarbeit mit mehreren Forschungseinrichtungen erstellt hat. Bad Liebenwerda gehörte im Jahr 2010 zu den Pilotprojekten des Bundes, um "urbane Konzepte zum Klimawandel" zu erarbeiten.

Jetzt will die Kurstadt aus der Analysephase heraustreten und mit dem Stadtumbau-Programm erste konkrete Projekte verwirklichen. Im sogenannten "Maßnahmenkonzept zur Anpassung an den Klimawandel" wird den Gräben der Stadt dabei besondere Bedeutung beigemessen.

Dabei gilt dem Mühlgraben einschließlich Liebesinsel, dem Walkmühlgraben, der an den Landratsvillen vorbeifließt und dem Schlossgraben, der zu Teilen noch hinter der alten Sparkasse und auf dem Klinikareal zu sehen ist, Priorität. Alle drei könnten im Verbund betrachtet nicht nur Bedeutung für die Aufnahme von Wassermassen bei Starkregenereignissen haben, sondern ordentlich reguliert auch die Luftfeuchtigkeit in der Stadt erhöhen. Zudem würden sie das Innenstadtbild touristisch deutlich aufleben lassen, auch wenn aus Bad Liebenwerda trotzdem kein Venedig mit seinen Gondolieri wird. Aber: Ruderbootbetrieb hat es zu früheren Zeiten schon in der Stadt gegeben.

Die Ingenieurgemeinschaft WTU aus Bad Liebenwerda hat sich sehr intensiv mit dem Zustand und möglichen Ausbaustufen des Grabensystems beschäftigt.

Vieles sei dabei gegenwärtig von den Ergebnissen der Hochwasserschutzplanung für die Stadt abhängig. Denkbar wäre die Schaffung von Sielen am Mühlgraben in Höhe des Elsterzuflusses am Wonnemar, an der Elsterbrücke Bahnhofstraße und am Walkmühlgraben (jetziges Wehr an den einstigen Landratsvillen). Dann könnte das innerstädtische Grabensystem im Einklang mit der Schwarzen Elster gesteuert werden. Den Berechnungen zufolge gebe es ein Gefälle, das den Mühlgraben zu einem kleinen plätschernden Flüsschen machen würde.