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| 01:06 Uhr

Als in Mühlberg die Wohnungen knapp wurden

Region.. Die Stadtverordneten von Mühlberg tagten auch in diesem Monat und diesmal stand die Ausbaggerung des Unterhafens auf der Tagesordnung. Dazu sprach ein Baumeister von der Königlichen Wasserbauinspektion aus Torgau.

Für die geplanten Bauarbeiten wurden natürlich außerplanmäßige Gelder nötig. So wurde ein Antrag auf staatliche Finanzhilfe an den Regierungspräsidenten auch gleich auf den Weg gebracht. Zum Ende der Sitzung genehmigten die Abgeordneten dem Baumeister A. Muschter aus Mühlberg die Zementfabrik, die er beim Rittergut Güldenstern aufbauen wollte.
Ohne Hilfe der Stadtverordneten hatte sich aber in der Stadt eine rege Bautätigkeit entwickelt. Es fehlen im Ort schon seit geraumer Zeit mittlere und kleine Wohnungen. So hatte der große Bedarf in den letzten zwei Jahren eine Mietsteigerung von 40 Prozent verursacht. Mehrere Geldgeber hatten sich nun zusammengefunden, um mit neuen Häusern und Wohnungen in diese Marktlücke zu stoßen.
Der Kreistag hatte die genehmigte Liste der Schöffen für die Amtsgerichte in Elsterwerda, Liebenwerda und Mühlberg veröffentlicht. Demnach wurden der Bürgermeister Wilde aus Elsterwerda, der Bürgermeister Rode aus Liebenwerda, der Buchdruckereibesitzer Ziehlke aus Liebenwerda, der Bürgermeister Andrack aus Wahrenbrück, der Bürgermeister Hauffe aus Mühlberg und der Posthalter Naumann aus Mühlberg in diese Ämter berufen.
Der Schulverein aus Liebenwerda hatte zur Generalversammlung geladen und man traf sich im Hotel Muche. Bedauerlicherweise war der Besuch gering, aber es waren gerade noch genug Mitglieder da, um ordnungsgemäße Wahlen durchzuführen. Bei der Wahl des neuen Vorsitzenden des Schulvereins setzte sich der Fabrikbesitzer R. Reiß durch und die Kasse wurde künftig vom Drogisten Rentsch gehütet. Für die Mädchenschule wurde die Einrichtung einer neuen Klasse, der Untertertia, befürwortet.
Zweimal aktiv im Monat Juni wurde der Turnverein aus Liebenwerda. Ein Schauturnen mit Wettkampfcharakter wurde am Wäldchen durchgeführt und zahlreich hatten sich dazu Zuschauer eingefunden. Im Riegenturnen siegten die Männer aus Elsterwerda und Einzelsieger im Kürturnen wurde P. Zimmermann aus Neuburxdorf.
Zwei Wochen später begaben sich die Turner aus Liebenwerda auf einem Fußmarsch nach Uebigau. Dort kehrten sie im Preußischen Hof ein. Minuten vorher hatten dort schon Mitglieder des befreundeten Brudervereins aus Falkenberg Platz genommen. Sie waren ebenfalls per pedes zu diesem Treffen gekommen. Nach gemeinsamer Mahlzeit und einem kernigen Umtrunk kehrten beide Vereine, diesmal per Eisenbahn, in ihre Heimatstädte zurück.
Infolge eines heftigen Gewitters waren einen Tag lang alle Telefonverbindungen in Liebenwerda stillgelegt. Dieses Gewitter zog auch die Rennen des Deutschen Radfahrerbundes in Mitleidenschaft. Man hatte für die Rennen, Start und Ziel waren am Schützenhaus in Liebenwerda, über 125 und 150 Kilometer jeweils 40 Meldungen erhalten, aber durch den Sturm bedingt traten dann pro Rennen nur jeweils zehn Fahrer an. Man entschloss sich daher, nur das Rennen über 125 Kilometer durchzuführen. Am Schützenhaus siegte nach fünf Stunden und 21 Minuten der Radrennfahrer Grützmacher aus Dresden. Zehn Sekunden betrug der Rückstand des Zweiten, Radrenner Braun aus Dresden.
Der Regierungsdampfer Freya machte wieder einmal in Mühlberg im Hafen fest. Im Namen der Elbstromdirektion war er gechartert worden, und die Herren an Bord gingen auch außerhalb von Mühlberg mehrmals an Land, um den Zustand der Elbdeiche zu kontrollieren.
Auf dem Viehmarkt in Liebenwerda wurden 400 bis 500 Ferkel angeboten und dies zu Preisen von neun bis 15 Mark. 70 Läufer waren für 30 bis 40 Mark pro Stück zu haben. Das große Geschäft aber wurde mit dem Großvieh gemacht. 74 Pferde, ein Fohlen und 519 Rinder warteten auf ihre neuen Besitzer. Dazu 149 Kälber. Die Einnahmen der Eisenbahn betrugen 2606 Mark, denn 503 Stück Großvieh und 625 Personen mussten nach Liebenwerda und zurück befördert werden.
In Mühlberg auf dem Schweinemarkt konnte man Läufer zu Preisen von 26 bis 50 Mark erstehen und 44 Ferkel wurden angeboten, die aber genau so teuer wie in Liebenwerda waren. (phe)