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| 01:25 Uhr

Als der Altdöberner See zur Filmkulisse wurde

Pritzen. Zum zehnten Mal hat sich am 7. Februar die Premiere des Kriegsfilmes „Duell – Enemy at the Gates“ gejährt. Einige Szenen des 130-minütigen Streifens und Eröffnungsfilmes der Berlinale 2001 wurden in den stillgelegten Braunkohletagebauen Greifenhain und Gräbendorf gedreht. Über filmische Handlungen oder Details zu den Dreharbeiten gelangten damals jedoch nur dürftige Informationen an die Öffentlichkeit. Von Uwe Hegewald

"Allen Beteiligten wurde durchgestellt, dass es nicht erlaubt ist, Hintergrundwissen preiszugeben. Filmen oder Fotografieren war strengstens verboten", sagt Burkhard Hannusch zurückblickend. Vom ersten Spatenstich für den Bau der Kulisse bis zum Abrücken der Crew war Hannusch die Verbindungsperson zwischen dem internationalen Drehteam und der LMBV.

Der 48-jährige Bergbausanierer hatte die gewünschten Flächen für den Dreh zur Verfügung gestellt. "Irgendwann hatte ich die Anfrage zu dem Vorhaben auf dem Schreibtisch. Keiner im Team hatte eine Ahnung davon, was dann alles auf uns zukommen sollte", erinnert sich Burkhard Hannusch, ehemaliger LMBV-Sicherheitsbeauftragte/Technologe. Vertragsverhandlungen, Dienstfahrten ins Filmstudio nach Babelsberg, regelmäßige Treffen mit Motiv-Aufnahmeleiter Klaus Große Darrelmann, Gespräche in brandenburgischen Ministerien, beim Bergamt und mit den Filmemachern um Regisseur Jean-Jacques Annaud standen fortan auf der Tagesordnung. "Annaud hatte sich schon für den Tagebau Gräbendorf als Drehort entschieden, ließ uns jedoch wenig später wissen, dass es dann doch der Tagebau Greifenhain sein soll", erzählt Burkhard Hannusch. Mit dem im Jahr 2000 bereits zu einem Teil gefluteten Tagebau (Altdöberner See) besaßen die Drehleute schließlich ihre Wolga, die sie unbedingt haben wollten. Sieben osteuropäische Länder und Großbritannien standen zur engeren Wahl, bevor sich Jean-Jacques Annaud und Produzent John D. Schofield für das Land Brandenburg als Drehort entschieden. Das Schlachtfeld an der Wolga entstand unweit des Dorfes Pritzen, wo nach mehrmonatigen Vorbereitungen der mit Abstand schwierigste Teil der Dreharbeiten erfolgte.

An den Südbrandenburger Drehorten stellten etwa 600 Komparsen die Evakuierung aus dem vom Krieg zerstörten Stalingrad nach. Immer und immer wieder sind Statisten dabei in einen historischen Zug gedrängt worden, der nahe dem ehemaligen Gräbendorfer Stellwerksbereich abgestellt war.

"Das war imposant und ein immenser Aufwand, der dort betrieben wurde", erinnert sich Wolfgang Schönekerl. Der Lübbenauer Rechtsanwalt übernahm eine Komparsenrolle und tauschte dafür die Anwaltsrobe gegen die Uniform eines russischen Soldaten. Als "peinlich genau, mit Hang zur Perfektion" beschreibt er die Dreharbeiten. Abweichungen vom Drehbuch wurden nicht geduldet und Verfehlungen konsequent geahndet. Wolfgang Schönekerl hat bis heute nicht vergessen, wie sich ein junger Punker von seiner bunten Haartracht trennen musste und wie Annaud das komplette Team zusammenstauchte. "Irgendeiner hatte eine Zigarettenschachtel liegen gelassen, die nicht in das damalige Zeitgeschehen passte", so der Lübbenauer. Sechs Jahre später wirkte er beim Spreewaldkrimi "Stille Wasser" ein zweites Mal als Laienschauspieler mit. Am Set galt Jean-Jacques Annaud als kompromissloser Regisseur, der mit viel Vorschusslorbeer in die Lausitz reiste. An der Seite des kürzlich verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger hatte Annaud mit dem Filmdrama "Der Name der Rose" internationale Anerkennung erworben. Mit seinem Stalingradepos "Duell - Enemy at the Gates" sollte der Franzose weniger Glück haben. Im Gegensatz zum Kinopublikum fand der mit 74 Millionen Dollar Produktionskosten seinerzeit teuerste europäische Streifen bei Filmkritikern nur wenig Gefallen. Überschattet wurde der Kinostart zudem vom plötzlichen Tod des damaligen Geschäftsführers der Filmstudio Babelsberg GmbH, Rainer Schaper (1950-2001). "Das war der Mann, der den Film nach Brandenburg gebracht hat, der immer dabei war und exakt einen Monat nach der Premiere einem Hirninfarkt erlag", erinnert der Altdöberner Burkhard Hannusch.

Am Altdöberner See flattert die Sowjetflagge für eine Szene in „Duell – Enemy at the Gates“. Foto: Uwe Hegewald
Am Altdöberner See flattert die Sowjetflagge für eine Szene in „Duell – Enemy at the Gates“. Foto: Uwe Hegewald FOTO: Uwe Hegewald