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Alten Brauch wiederbelebt
Viehabtrieb ohne Lasso und rauchende Colts

Almabtrieb in Hohenleipisch: Nach anfänglichen Freiheitsbestrebungen trotten die Tiere gemütlich in den Stall.
Almabtrieb in Hohenleipisch: Nach anfänglichen Freiheitsbestrebungen trotten die Tiere gemütlich in den Stall. FOTO: vrs1 / Veit Rösler
Hohenleipisch. In Hohenleipisch wird am Weihnachtswochenende ein alter Brauch wiederbelebt. Wird daraus künftig ein kleines Volksfest?

Wild-West-Romantik, allerdings ohne Lasso, rauchende Colts und angriffslustige Indianer, die gab es am Weihnachtswochenende in Hohenleipisch zu erleben. Mit drei Reitern und einem Geländewagen wurden beim ersten offiziellen Almabtrieb von der Hügelkette des Reesberges wie vor 150 Jahren nördlich von Hohenleipisch insgesamt zwölf Rinder und ein Esel in das Winterquartier getrieben. Der Landwirtschaftsbetrieb Buffink hatte bei der Reiterei des Heimatvereins „Die Lobenburger“ um Unterstützung gebeten.

Gleich zu Beginn zeigte sich das große Problem eines solchen Herdentriebs. Aus dem Gatter der von einem Elektrozaun umgebenen Weidefläche herausgelassen, strömten die Tiere spontan in allen Richtungen auseinander. Einigen schien die gewonnene Freiheit zu Kopf gestiegen zu sein. Sprichwörtlich wie wilde Tiere rasten sie übermütig und ungezügelt über das nun freie Feld. Schaulustige auf den umliegenden Straßen ergriffen sofort die Flucht.

Den erfahrenen Reitern gelang es aber schnell, die Tiere wieder zu einer Herde zu formieren und in die angestrebte Richtung zu treiben. Die Leittiere fanden dann sogar über die Feldwege allein den Weg in die heimischen Gefilde. Zur Sicherheit wurden im großen Abstand die Weidezäune stehen gelassen. Ohne den Herdentrieb müssen die Tiere entweder aufwendig getrennt von der Herde einzeln getrieben oder in einem Transportwagen zwischen Weide und Stall kutschiert werden.

Wegen der positiven Resonanz soll der Almabtrieb auch in den nächsten Jahren wiederholt werden. „Wir fühlen uns ja satzungsmäßig dazu verpflichtet, solche alten Sitten und Arbeitsweisen wiederzubeleben und aufrecht zu erhalten“ so Cowboy Lars Klee (50) vom Heimatverein.

Im echten Wilden Westen folgt auf so einen anstrengenden Arbeitstag in der Landwirtschaft nach dem „Cattle Drive“ ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer unter freiem Sternenhimmel. Eine interessante Chance, ein Event daraus zu machen und dabei für den Beruf des Landwirtes zu werben.