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| 15:47 Uhr

Aus dem Gericht
Alkoholfahrt vom Dezember schon im Januar verurteilt

Aus dem Gericht 2c
Aus dem Gericht 2c FOTO: Janetzko, Katrin / LR
Bad Liebenwerda. Ein Hohenleipischer wird mit 2,09 Promille in Plessa von der Polizei erwischt und darf neun Monate laufen.

So oder ähnlich zügig darf die Strafe der Tat gern öfter folgen. Nicht Jahre, sondern nur wenige Wochen nach seiner vormittäglichen Alkoholfahrt durch Plessa wird ein Mann aus Hohenleipisch am Amtsgericht Bad Liebenwerda verurteilt. Zu den ohnehin entstehenden Kosten für den Wiedererhalt der Fahrerlaubnis kommen nun noch Geldstrafe und eine lange Sperre hinzu. Ein teurer „Spaß“ für eine Unüberlegtheit.

Die Staatsanwaltschaft wirft Benny B. (Name geändert) Trunkenheit im Verkehr und Fahren ohne Haftpflichtversicherung vor. Dies bestreitet der Angeklagte nicht.

Am 9. Dezember 2017 (ein Sonnabend) war er um 9.43 Uhr mit dem Saison-Auto seiner Mutter in Plessa von der Polizei gestoppt worden. Laut dem Gericht hatte er den Wagen sogar beschleunigt, als er die Beamten gesehen hatte. Doch diese stellten ihn. Der Atemalkoholtest soll 1,76 und die spätere Blutprobe gar 2,09 Promille ergeben haben. „Sie müssen erheblich gefeiert haben“, stellt die Richterin fest.

Die ärztliche Begutachtung nach der festgestellten Tat soll einen „deutlichen Einfluss von Alkohol und Drogen“ auf den körperlichen und geistigen Zustand des 43-Jährigen ergeben haben. Allerdings sei ein Drogentest nicht gemacht worden, so die Richterin.

Sein Anwalt, er kommt aus dem erweiterten Familienkreis, möchte seinen Mandanten nicht in eine Opferrolle drängen, wie er sagt, gibt zum Verständnis aber einen kurzen Einblick in die Biografie des Mannes. Er habe Schicksalsschläge erfahren müssen und sei beruflich sehr viel unterwegs gewesen - bis zu 70 000 Kilometer im Jahr. Weitere rund 10 000 Kilometer seien innerhalb seines Ehrenamtes im Sport zusammengekommen. Auch bis zu der Verkehrsstraftat war Benny B. innerhalb seiner Nebentätigkeit, weil das Geld im Hauptberuf nicht ausreicht, jeden Tag bis zu 250 Kilometer auf Achse.

An jenem 9. Dezember, blickt der Rechtsbeistand zurück, hatte sein Mandant bis gegen 2 Uhr gefeiert. Früh sei er angerufen worden, dass er zur Arbeit erscheinen soll. Pflichtbewusst sei er aufgestanden und losgefahren.

Die Promillefahrt von Plessa ist nicht das einzige Delikt im Leben des 43-Jährigen. Das erste Mal sei er 1997 unter Alkoholeinfluss am Steuer erwischt worden. Erst 2001 hatte er die Fahrerlaubnis zurück. In den Jahren darauf folgten weitere Straftaten. Nach Angaben der Richterin, die aus dem Bundeszentralregister zitiert, waren dies unter anderem Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und zuletzt 2012 ein gemeinschaftlicher Hausfriedensbruch. Die letzte vom Gericht ausgesprochene Strafe waren acht Monate Haft auf Bewährung.

Wie soll Benny B. bestraft werden? Er ist zwar geständig, hatte aber fahrlässig gehandelt und ist straf- und verkehrsrechtlich bereits auffällig gewesen – also kein Ersttäter. Die Staatsanwältin plädiert angesichts des geringen Gesamtverdienstes des ledigen, kinderlosen Angeklagten von etwa 1000 Euro monatlich für eine Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu je 30 Euro. Der Führerschein soll ihm elf Monate weggenommen werden.

Der Anwalt meint, dass sein Mandant eine Strafe erhalten sollte, die durchaus wehtun müsse. Aber diese sei angesichts der positiven Prognose nach „den wilden Jahren“ „im unteren Rahmen“ angebracht. Den Führerschein brauche er für seine Arbeit. Seine Familie und seine Freunde würden ihn unterstützen.

Der Angeklagte zeigt Reue im Angesicht des erwarteten Urteils: „Was passiert ist, tut mir außerordentlich leid. Das darf nicht passieren und wird es auch nicht mehr.“

Verurteilt wird er zu 50 Tagessätzen zu je 30 Euro und neun Monaten Fahrerlaubnisentzug. Als Positiv bewertet das Gericht, dass Benny B. – abgesehen von dem Rückfall im Dezember – Abstand von seinem Leben vor 2012 genommen habe. Die medizinisch-psychologische Untersuchung und die finanzielle Last würden ihn noch lange beschäftigen. Der Hohenleipischer nimmt das Urteil an.