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| 02:45 Uhr

"Agrarpolitischer Ansatz" wirkt bei Lehrern nach

Elbe-Elster Kreis. Nur in zwei Landkreisen in Brandenburg möchte keine Schule als Pilotschule auf dem Weg der Inklusion voranschreiten. Einer dieser Kreise ist Elbe-Elster. Doch das will die Pressestelle des Bildungsministeriums nicht bestätigen. Das Verfahren laufe noch, am 20. April sollen die aktuellen Fakten einschließlich der Pilotschulen in einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Im Bildungsausschuss des Kreistages war die Inklusion in der vorigen Woche ein weiteres Mal Diskussionsthema. Die RUNDSCHAU sprach mit Marlis Eilitz, Leiterin des Schulverwaltungs- und Sportamtes des Landkreises.

Dafür, dass es im Landkreis Elbe-Elster keine Pilotschule Inklusion geben wird, äußerten Sie Verständnis. Warum?
Weil das Konzept für die Pilotschulen nicht steht und die Schulen unsicher sind. Allerdings sind sie zum Zeil zu Unrecht unsicher. Viele Grundschulen haben mit der Integration behinderter Kinder schon viele Erfahrungen gesammelt. Doch hier gibt es nach einer Diagnostik die entsprechenden Förderstunden für die Kinder. Bei der Inklusion besteht Angst weil man nicht weiß, wie die Stunden auszuloten sind. Hinzu kam die Warnung der Gewerkschaft, unter den gegenwärtigen Voraussetzungen als Pilotschule einzusteigen. Ich achte die Entscheidung der Schulen und weiß, dass hier dennoch an dem Thema gearbeitet wird.

Den Vorwurf der Einflussnahme auf die Schulen weisen Sie jedoch von sich?
Diesen Vorwurf kann man mir gar nicht machen, weil ich auf die Grundschulen kaum Einfluss habe, nur zwei von ihnen befinden sich als Teil von Oberschulen in kreislicher Trägerschaft. Und nur in einem Fall bin ich beteiligt gewesen. Der Landkreis hatte zur Pilotschule seine Zustimmung gegeben und personelle Unterstützung angeboten. Doch letztendlich fiel die Entscheidung an der Schule gegen die Pilotschule. Die Fortbildung für die Lehrer läuft ja auch gerade erst an.

Als Grund für die Skepsis der Lehrer führen Sie auch den agrarpolitischen Denkansatz der Landesregierung an, den die Lehrerinnen und Lehrer in zurückliegenden Jahren in der Bildungspolitik kennengelernt haben. Was meinen Sie damit?
Ganz einfach: rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Da ist beim Flex-Modell eine Stundenzahl eingerichtet und als es lief, sind die Stunden gekürzt worden. Oder es ist die "Initiative Oberschule" auf den Weg gebracht und dann der Geldhahn wieder abgedreht worden. Lehrer opfern Zeit, machen sich auf den Weg und werden dann enttäuscht, wenn es nicht weiter geht.

Was die Inklusion betrifft, sieht es nicht danach aus, dass es ein Zurück geben wird.
In den Schulen beschäftigt man sich mit dem Thema. Ich habe mich in einer Schule in Tirol informiert, schaue mir Konzepte zur Inklusion an und habe gerade eins von der Kinderschule Bremen auf dem Tisch.

Am 4. Juni wird es eine gemeinsame Sitzung des Bildungs- und des Jugendhilfeausschusses des Kreistages geben, zu der die bildungspolitischen Sprecher aller Fraktionen des Brandenburger Landtages eingeladen werden?
Wir bereiten gerade einen Fragenkatalog vor, damit sich alle vorbereiten können.

Haben Sie einen Veranstaltungsort gewählt, der vielen Gästen Platz bietet?
Die Sitzung findet in der Aula der Grund- und Oberschule "Johannes Clajus" in Herzberg statt. Sie beginnt um 16.30 Uhr.

Das Gespräch führte

Gabi Böttcher