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| 07:43 Uhr

Landwirtschaft in Elbe-Elster
Holländer kauft Pleite-Agrarbetrieb in Kahla

Für den Kauf des Agrarbetriebes in Kahla haben innerhalb des Insolvenzverfahrens Landwirte aus Lauchhammer den Zuschlag erhalten.
Für den Kauf des Agrarbetriebes in Kahla haben innerhalb des Insolvenzverfahrens Landwirte aus Lauchhammer den Zuschlag erhalten. FOTO: Das Neue Land Agrar GmbH
Kahla/Plessa . Der Insolvenzverwalter aus Dresden und der künftige Eigentümer aus Lauchhammer stellen mehr als 200 Verpächtern ihre Pläne für den in Insolvenz befindlichen Landwirtschaftsbetrieb „Das Neue Land Agrar GmbH“ vor. Von Manfred Feller

Die insolvente „Das Neue Land Agrar GmbH“ in Kahla bleibt in niederländischer Hand. Ein Holländer kauft gewissermaßen einen Holländer auf. Der familiengeführte Landwirtschaftsbetrieb Benning aus Lauchhammer-West hat als Meistbietender den Zuschlag für den Erwerb der leer gezogenen Milchviehanlage mit Land drumherum in Kahla erhalten. 20 Betriebe waren angeschrieben worden, acht hatten ein Angebot abgegeben. Darüber hat der Insolvenzverwalter Dr. Christian Heintze von der Kanzlei BBL Rechtsanwälte aus Dresden in dieser Woche mehr als 200 Verpächter in Plessa informiert.

Der bisherige Betriebsname bleibe erhalten. Ebenso ändere sich nichts für die zahlreichen Pächter, die ihre Flächen in dem Gebiet zwischen dem Schradenland und Hohenleipisch der Bewirtschaftung überlassen hatten. Ein Insolvenzverfahren führe nicht zur Auflösung der vorhandenen Pachtverträge und biete auch kein Sonderkündigungsrecht. „Wir liquidieren den Betrieb nicht, sondern wechseln nur den Gesellschafter aus“, erläutert der Verwalter. „Die Verträge gelten bis zum Ende ihrer jeweiligen Laufzeit“, erfahren die aufmerksam zuhörenden Landbesitzer aus der gesamten Umgebung. Die von Verpächtern vereinzelt eingegangen Kündigungen würden auf ihre Rechtmäßigkeit hin geprüft. Wer meine, dass seine vor allem in den 1990er-Jahren geschlossenen Pachtverträge nicht so gut sind, sollte darüber mit den Investoren verhandeln, wird geraten.

Die für dieses Jahr ausstehende Pacht werde gezahlt, versichert der Insolvenzverwalter. Das Geld liege auf dem Konto bereit. Allerdings sei im Zuge des Verfahrens festgestellt worden, dass einige Dokumente bis hin zu Pachtverträgen fehlen. Es muss Ordnung in den „Laden“ gebracht werden. Deshalb sind alle Verpächter aufgerufen,  Verträge und Daten abzugleichen.

In der Fragerunde meldet sich dann auch ein Landbesitzer, der seit zehn Jahren keine Pacht erhalten hat. Der Verwalter wundert sich, dass der Mann so lange still gehalten hat und bittet um Einsicht in die Pachtunterlagen.

Die Insolvenz des Kahlaer Agrarbetriebes war kaum bekannt, da sind einigen Verpächtern von Landwirtschaftsunternehmen bereits neue Verträge angeboten worden. Diese seien laut einem Verpächters aus Plessa und Oppelhain gekommen – und das sogar mit Quadratmeterangaben. Dr. Christian Heintze vermutet, dass alte Betriebsdaten von wem auch immer weitergegeben worden sind. Wer diese nutzt, der könnte möglicherweise mit einer Strafanzeige rechnen, heißt es.

Ein Plessaer erwähnt, dass seine Frau ein solches Fremdangebot bereits unterschrieben und zurückgeschickt hat. Die Antwort: Wenn der alte Vertrag noch gilt, könne der neue, wohl mit besseren Konditionen, nicht wirksam werden.

Der private Agrarbetrieb in Kahla sei durch die Milchkrise und in der Folge durch das Einstellen der Milchproduktion im Jahr 2016 noch mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Sowohl die Sanierung als auch der Verkauf des Unternehmens scheiterten. Es fehlte schließlich Geld, um die Flächen zu bewirtschaften. Im April 2018 verstarb Geschäftsführer Anthonie Oskam.

Am 8. August wurde der Insolvenzantrag gestellt und das Verfahren am 5. Oktober eröffnet. Die Gläubigerversammlung findet am 19. Dezember statt. Offene Rechnungen von „deutlich über eine Million Euro“, so Dr. Christian Heintze, hätten sich angesammelt. Gläubiger seien unter anderem Banken, Technikbetriebe, das Finanzamt und Krankenkassen. Aufgrund auch des zu erzielenden Verkaufspreises wird mit einer Quotenzahlung wohl über dem Durchschnitt gerechnet, der allgemein aber niedrig ist.

In seinem Betrieb in Lauchhammer hatte Jan Benning nach der Milchkrise die Kühe verkauft. Jetzt dienen die Ställe nur noch als Quarantänestation für Exporttiere. Das ist auch in Kahla vorgesehen.
In seinem Betrieb in Lauchhammer hatte Jan Benning nach der Milchkrise die Kühe verkauft. Jetzt dienen die Ställe nur noch als Quarantänestation für Exporttiere. Das ist auch in Kahla vorgesehen. FOTO: Mirko Sattler

Und was haben die Investoren vor? Landwirt Jan Benning versichert, kein Gastspiel geben, sondern bleiben zu wollen. Der Niederländer ist seit 1993 mit seinem Bruder Jantinus und den Familien in Lauchhammer tätig. Sie hatten damals die Milchviehanlage in West übernommen. Nach der Milchkrise haben auch sie die Kühe abgeschafft und sich auf Dienstleistungen spezialisiert. Seit 2017 kooperieren sie mit einem Viehhändler, der im Export tätig ist. Seitdem werden die Ställe für die Quarantäne genutzt. Dies sei auch in Kahla vorgesehen. Je nach Exportland bleiben die Rinder mindestens vier Wochen drin. Der Lkw-Verkehr durch Kahla werde sich also in Grenzen halten.

Für die 2017 aus einer Insolvenz übernommene Biogasanlage in Lauchhammer-West werde nicht mehr so viel Stallmist, Grassilage und Mais gebraucht. Die Leistung der Anlage sei um fast drei Viertel reduziert worden. Folglich werde sich auch das oft kritisierte Bild auf den Feldern ändern: Weg von den riesigen Maisschlägen und hin zu einer ordentlichen Fruchtfolge, so Jan Benning. Die Felder um Kahla seien bereits mit Roggen und Triticale bestellt. Der Betrieb habe derzeit etwa 20 Beschäftigte, darunter drei aus der Kahlaer Pleite-GmbH. Es würden noch Fachkräfte gesucht.