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| 01:13 Uhr

Äpfel, Birnen – und seit gestern auch Wein

Bad Liebenwerda.. Alte Obstsorten zu erhalten, diesem Ziel hat sich der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft schon vor Jahren verschrieben. Doch mittlerweile bemüht man sich nicht mehr „nur“ um Streuobstwiesen im Raum Döllingen. Auch alter regionaler Weinsorten hat sich Naturpark angenommen: Am Mittwoch wurden Steckhölzer zweier uralter Weinstöcke aus Bad Liebenwerda und Wahrenbrück an der Südseite eines Nebengebäudes am restaurierten Naturparksitz in der Kurstadt gepflanzt. Von Karsten Bär

„Ich bin ganz stolz darauf“ , meint Andrea Opitz von der Naturparkverwaltung, die sich unter anderem mit dem Schutz der Streuobstwiesen befasst. „Jetzt erhalten wir nicht nur alte Apfel- und Birnensorten, sondern auch Wein.“ Der Anstoß für das Pflanzen der Steckhölzer kam von Roland Graeff von der gleichnamigen Baumschule in Zeischa. Er war auf den vermutlich ältesten Weinstock Bad Liebenwerdas aufmerksam gemacht worden. Der steht auf dem Grundstück von Lothar Gratz in der Berliner Straße, Ecke Schloßäckerstraße. „Schon als ich noch Kind war, hat man uns immer gewarnt: 'Schießt ja nicht mit dem Fußball an den Weinstock, der ist schon uralt.' Das ist inzwischen 70 Jahre her!“ , erzählt der Grundstücksbesitzer. Roland Graeff hat sich das gute Stück angeschaut und Steckhölzer zur Vermehrung genommen. „Dieser Wein ist vermutlich eine Regionalsorte des Meißner Gutechts“ , vermutet der Baumschul-Inhaber, der das Alter des Weinstocks von Lothar Gratz auf 150 bis 200 Jahre schätzt.
Der zweite Weinstock stammt vom Wahrenbrücker Pfarrhaus. Aufgrund der Fassadensanierung musste er zurück geschnitten werden, berichtet Pfarrer Michael Seifert. Auch hier nahm Roland Graeff Steckhölzer zur Vermehrung. Der Wein am 300 Jahre alten Wahrenbrücker Pfarrhaus dürfte zwischen 100 und 150 Jahre alt sein - und treibt trotz des Rückschnitts wieder aus. Beide Sorten, die hoffentlich auch hinter dem Naturparkgebäude gut gedeihen werden, will Roland Graeff von einem Experten in Meißen begutachten lassen, um eine exakte Sortenbeschreibung zu erhalten. Doch auch ohne die genaue Sortenbezeichnung zu kennen, wissen Pfarrer Seifert und Lothar Gratz, dass die Trauben hervorragend schmecken. „Ich kenne keine Frucht“ , so Gratz über seine Weintrauben, „an der man soviel Genuss hat.“