Höchste Eile war geboten, als im Juni eine Mutter verzweifelt bei Pilzberater Wermter anrief. Die Tochter hatte für eine Suppe vom Wäscheplatz Pilze gepflückt. Der Fachmann konnte die Früchte identifizieren. So endete der Schmaus für das Kind im Krankenhaus mit einem leer gepumpten Magen. Glück, dass nicht mehr passiert ist. Denn die gesammelten Pilze waren wirklich hoch giftig. Ulrich Wermter, der seit 1977 als ehrenamtlicher Pilzberater tätig ist und vor allem auch Urlauber am Senftenberger See betreut, konnte schon so manches Unheil abwenden. Auch dieses. Trotzdem hat die Familie nicht richtig gehandelt. Der Mediziner empfiehlt dringend: „Bei Beschwerden nach dem Genuss von Pilzen sollte man sich sofort an einen Arzt wenden. Erst selbst beim Pilzberater nach der möglichen Ursache zu forschen, kostet Zeit. Zu viel Zeit. Hier muss unverzüglich gehandelt werden.“
Reinhart Kunze erklärt das wie folgt: Einfache Verdauungsbeschwerden, die auf zu alte oder aufgewärmte Pilze zurückgeführt werden, äußern sich in Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Relativ sicher ist die Ursache, wenn alle Familienmitglieder, die von der Mahlzeit gegessen haben, die gleichen Symptome haben. Erst ein bis drei Stunden nach dem Essen zeigen sie sich. Die Anzeichen bei schweren Vergiftungen sind nicht anders. Echte Pilzgifte entfalten ihre Wirkung aber erst zwölf bis 36 Stunden nach dem Essen. Zu den anfänglich beschriebenen Beschwerden kommen dann oft starke Kreislaufstörungen. „Dann muss unverzüglich der Notarzt gerufen werden“ , sagt der Mediziner. Denn der Knollenblätterpilz, der giftigste in unseren Gefilden überhaupt, kann schwere Leberschäden verursachen, die bis zum Tod führen können. „Wichtig ist, wenn noch vorhanden, Putz- oder Essensrest mitzubringen. Dann ist es mit relativ einfachen Mitteln möglich, den Pilz genau zu bestimmen“ , erläutert der Arzt.
Im Klinikum Niederlausitz ist beispielsweise ein spezielles Gegengift zum Knollenblätterpilz sofort verfügbar, sagt Reinhart Kunze. Vorsicht ist dennoch geboten. Zwar sind nur 0,3 Prozent aller Vergiftungen, die medizinisch behandelt werden, auf Pilze zurückzuführen. Wenn die gängigen Hausmittel gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aber keine Wirkung zeigen, sollte nach einer entsprechenden Mahlzeit ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Erst kürzlich war ein Fall aufgetreten, wo Patienten nach Berlin geflogen werden mussten.
Ulrich Wermter ist deshalb eine gute Adresse, um vor dem Schaden klug zu bleiben. Nur dem Fachmann ist es möglich, alle 1200 Pilzarten zu unterscheiden, denn im Wachstum sind sie alle gleich. „Sämtliche heimische Pilzarten brauchen warmes, sehr feuchtes, wolkiges Wetter zum Gedeihen“ , weiß er. Von dem weit verbreiteten Tipp, die Pilze nicht nach einer Vollmondnacht zu sammeln, hält er viel. Denn: Die Pilzfliege kann nur bei Nacht ihre Eier auslegen, ist aber auf Licht angewiesen. Da der Vollmond reichlich UV-armes Licht spendet, sind viele Pilze nach einer Vollmondnacht eierverseucht
„Jeder essbare Pilz hat einen giftigen Doppelgänger“ , erklärt der Berater. Selten ist der Champignon in den heimischen Wäldern. Wesentlich öfter findet man dagegen den Gift-Champignon, der sich bei Berührung gelblich färbt und nach Gülle müffelt. Beide Pilze sehen sich enorm ähnlich.
„Am besten sind alte Eichen- oder Kiefernwälder für eine erfolgreiche Jagd nach den Pilzen geeignet“ , verrät er. In diesem Sommer hat er die Hunderter-Beratungs-Marke schon längst überschritten. Vor allem Touristen strömen in die Wälder. Deshalb müsste die Zahl der Pilzberater wesentlich größer sein, wünscht sich Ulrich Wermter, um Gefahren entgegen zu wirken.

Service Pilzberatung
 Auf dem Herbstmarkt am Sonntag in Elsterwerda ist die Pilzberaterin Olly Lottermoser mit einem Stand vertreten. Sie berät fachkundig von 11 bis 16 Uhr zu den guten und weniger guten Exemplaren.