Die Gothics, auch Grufties, New Romantics oder Dark Waver genannt, traten in Erscheinung und „fast alle kamen sie von Gymnasien“ , stellt Klaus Farin fest, der diese Szene mit seinem Verein „Archiv der Jugendkulturen“ hautnah recherchierte, um sich ein realistisches Bild, fern der durch die Medien produzierten Vorurteile, machen zu können. Die Ergebnisse seiner Forschung präsentierte er vor Schülern im Nordtreff Finsterwalde.

Kleidung: fein und exotisch
„Gothics kommen meist aus der Mittelschicht oder gutbürgerlichen Familien“ , erklärt Farin. „Während die Punks äußerlich eher aggressiv auftreten, womit ich aggressiv nicht im Sinne von Gewalt sehe, kleiden sich die Gothics fein, ästhetisch und exotisch.“ Es kristallisierte sich also die „melancholische Seite des Punks“ heraus. „Die Bands der Dark Waver wie The Cure hatten plötzlich Texte. Es geht um den Sinn des Lebens, den Tod und das Böse, aber auf ästhetische Weise.“ Viele Frauen gehören zu den Gothics, da das Lesen eine große Rolle spielt und Gewalt prinzipiell abgelehnt wird. „Wer sich prügelt, ist ein Proll“ , heißt es in diesen Kreisen. Gelesen werden spätromantische Autoren religiöse und esoterische Literatur.
Klaus Farin glaubt, „Gothics würden zu Recht als arrogant angesehen, aber das gilt für fast jede Jugendkultur“ , obwohl eigentlich alle das gleiche Ziel haben: Leute treffen, mit denen man auf einer Wellenlänge ist. Gothics sind auch nicht gerade Sportskanonen, denn Konkurrenz wird verabscheut. „Daher werden Grufties auch selten Leistungssportler oder Manager. Man befindet sich eher in Helferberufen.“
Die New Romantics werden als sehr tolerant angesehen, denn sie beschäftigen sich mit allen möglichen Glaubensrichtungen und diskutieren sämtliche Theorien, um sich dann „eine eigene Religion zusammen zu basteln“ , so Klaus Farin. Satanismus praktizieren Gothics eher selten. Sie interessieren sich nur dafür, wie für die Religionen.

Gothics sind friedlich
Gräberschänder hassen sie. Gothics sind sehr friedliche Menschen, doch sitzen sie gern einmal auf einem Friedhof, um zu reden. Da sie sehr mittelalterfixiert sind, stehen sie auf historische Gemäuer.
Grufties machen oft einen sehr depressiven Eindruck. Doch da täuscht man sich, denn eigentlich sieht man sie eher als sehr introvertiert an und das hat nichts mit Selbstmordgefahr zu tun, ganz im Gegenteil. Gothics reden sehr viel über Probleme. Sie setzen sich mit ihnen auseinander, statt sie zu verdrängen. Und Klaus Farin meint sogar: In der Gothic-Szene findet man Leute, die einem zuhören, und das macht sie so attraktiv.