Im Arbeitszimmer der Arndts stapeln sich Kisten und Kartons mit Reinigungsmitteln und Hygieneartikeln. Vor einigen Tagen kam eine Lieferung mit 128 Rollen Toilettenpapier. "Der Fahrer hat mich ganz mitleidig angeschaut", amüsiert sich Marlies Arndt. All die Sachen hat sie aus Spendengeldern gekauft, die nächsten Dienstag die Reise nach Nachterstedt antreten sollen. Die Elsterwerdaer Familie initiierte spontan eine Hilfsaktion für 17 Familien, die ihr Hab und Gut durch den Erdrutsch verloren. "Als ich die Bilder im Fernsehen sah, war ich so erschüttert, dass ich einfach nicht anders konnte", beschreibt die 48-Jährige ihre Gedanken. In ihrem Kopf habe sich sofort die Idee festgesetzt, den Menschen zu helfen. Relativ zügig sei sie in Kontakt zur Verwaltung in Nachterstedt getreten. Dort habe man sie mit offenen Armen empfangen. "Ich hatte das Gefühl, dass jede Hilfe willkommen ist", so die Elsterwerdaerin.Danach glühte im Hause Arndt die Telefonleitung. Freunde,Verwandte sogar den Vermieter habe sie angesprochen und meist positive Reaktionen bekommen. Von dem gesammelten Geld, rund 300 Euro, seien vor allem Hygieneartikel gekauft worden. Etwa 50 Menschen hätten geholfen, meist mit kleinen Beträgen. Außerdem sei noch Hausrat wie Bettwäsche und Geschirr abgegeben worden. Mit zwei Autos voller Hilfsgüter wollen die Arndts in der nächsten Woche die Reise nach Nachterstedt antreten. "Uns ist es wichtig, die Spenden direkt zu übergeben", betont Marlies Arndt. Das habe die Familie bereits vor sechs Jahren bei der Flutkatastrophe so gehandhabt. "Damals sind wir in die kleinen Orte gefahren und haben Spenden dort abgegeben, wo die Not am größten war", erinnert sich die Elsterwerdaerin. Ihr Mann habe in Gohlisch gleich beim Füllen von Sandsäcken geholfen.Auf die Frage, warum sie ein so hilfsbereiter Mensch sei, zuckt Marlies Arndt mit den Schultern. "Ich kann doch nicht nur vor dem Fernseher sitzen und die Menschen bedauern. Ich muss doch etwas tun", sagt die Frau, die schon viele Jahre arbeitslos ist, mit Nachdruck. Es gebe doch nichts Erfüllenderes, als Menschen in einer Notlage eine Stütze zu sein.