Wann es in Elsterwerda die ersten nicht privaten Bibliotheken/Büchereien gegeben hat, ist nicht genau belegt. Uns ist nur bekannt, dass in einzelnen Schulen, so in der Landwirtschaftlichen Winterschule und im Lehrerseminar, Bibliotheken geführt wurden.

In den Jahren um 1939 kam es im Altkreis Bad Liebenwerda, im damaligen Regierungsbezirk Merseburg, zur (Neu-)Gründung von Volksbüchereien. So legte die Kreisbücherei Merseburg im Jahr 1939 mit einer Sendung Bücher, es sollen etwa 500 Bände gewesen sein, und mit Regalen den Grundstock für die „Volksbücherei Elsterwerda“ als erste öffentliche, städtische Bibliothek im Ort. Sie wurde in einem Raum im Obergeschoss des Rathauses eingerichtet. Träger war die Stadt Elsterwerda.

Der erste Leiter ist Rektor Paul Müller gewesen, der in späteren Jahren auch das Stadtarchiv geführt hat und maßgeblich an der Organisation der 750-Jahr-Feier von Elsterwerda im Jahr 1961 beteiligt war.

Ab 1942 verwaltete Studienrat Friedrich Schwieger die Bücherei. Eine Buchausleihe kostete zu dieser Zeit 0,05 Reichsmark.

Im Jahr 1945 wurde fast der gesamte Bestand der Bücherei durch Feuer vernichtet. Auch wurden Bücher der ehemaligen Volksbücherei in Bombentrichtern an der Pulsnitz entsorgt. Ein damaliger Bewohner des Horstweges rettete einen Teil davon. Nach der Wende übergab er die Bücher der Stadtbibliothek Elsterwerda. Doch die Bücher waren schlecht gelagert, feucht und damit in keinem guten Zustand. So konnte nur ein kleiner Teil aufbewahrt werden.

Im Sommer 1948 erhielt Herr Münster, Angestellter der Stadtverwaltung, den Auftrag, sich um die Reste der ehemaligen Volksbücherei zu kümmern. Aus der Landesbücherstelle in Halle und aus anderweitigen Beständen wurden ungefähr 400 bis 500 Bände zusammengestelllt und inventarisiert. Es mussten auch neue Regale angefertigt werden.

Im Herbst 1948 fand dann wieder die Buchausleihe statt. Um neue Bücher anschaffen zu können, kostete jede Ausleihe fünf Pfennige pro Woche. Bis Ende August 1950 erhöhte sich der Bestand auf 1100 Bände. Ausleihe war an zwei Tagen in der Woche.

Im Jahr 1949, mit der Gründung der DDR, wurden die Volksbüchereien in „Allgemeine Öffentliche Bibliotheken“ umgewandelt. Herr Münster leitete die Bibliothek bis 1950. Anschließend übernahm diese Funktion ein Herr Peschel. Erst ab August 1954 wurden statistische Unterlagen geführt. So hatte die Bibliothek 1954 genau 289 Leser und 8006 Buchausleihen zu verzeichnen.

Am 22. Juni1955 übernahm Gertrud Iwanka die Leitung. Zu dieser Zeit gab es außerdem noch eine Ausleihstelle in einer Schulbaracke in Biehla. Gertrud Iwanka bemühte sich sehr um neue Leser. So verteilte sie bei der Lebensmittelkartenausgabe Werbezettel.

Im Ortsteil Kotschka gab es eine nebenberuflich geleitete Gemeindebibliothek mit einer wöchentlichen Ausleihstunde. Auch im Ortsteil Krauschütz bei der LPG „Einheit“, wurde wöchentlich eine Ausleihstunde angeboten.

Erst 1957 ist die Volksbücherei dann offiziell in Stadtbibliothek Elsterwerda umbenannt worden.

Im Jahr 1962 wurde eine eigenständige Kinderbibliothek im damaligen  Haus der Pioniere unter Leitung von Eva-Maria Manig eingerichtet.

Im Oktober 1963 erhielt die Stadtbibliothek in der Hauptstraße 20 drei neue Räume mit insgesamt 64 Quadratmetern Fläche. Dort fand ab dem 13. November 1963 die Ausleihe statt, aber immer noch als Theken­ausleihe. Erst 1967 wurde mit der Freihandausleihe begonnen. Das heißt, die Leser konnten sich nun ihre gewünschte Literatur selbst am Regal aussuchen. Die Ausleihzeit betrug drei Wochen mit der Option, noch einmal so lange zu verlängern.

Jährlich wurden etwa 500 neue Bücher angeschafft. In der Lausitzer Rundschau vom 8. Februar 1963 wurde berichtet, dass im Jahr zuvor an 800 Leser insgesamt 14 820 Bücher entliehen wurden.

1971 übernahm Elli Brösgen die Leitung. Noch im selben Jahr, am 1. Juli, wurde in neuen Räumen in der Berliner Straße 76 die Zweigstelle Elsterwerda-Biehla wieder eröffnet. Sie bestand dort bis zum Juli 1992.

In den Bibliotheken konnte man nun nicht mehr nur Bücher entleihen. Es gab auch Zeitschriften, wie „Guter Rat“, „Pramo“ und „Frösi“ und ganz viele Schallplatten und Musikkassetten (MC). Später kamen noch CD, Hörbücher und in noch späteren Jahren Video-Kassetten, CD-ROM und DVD dazu.

Im Mai 1972 erhielt die Kinderbibliothek drei Räume in der Friedrich-Engels-Straße 4, war dort bis 1991 untergebracht und zog anschließend wieder an ihren alten Standort in das Stadthaus (ehemaliges Pionierhaus).

Ende der 1970er-Jahre gab es für einige Zeit sogar einen Jugendclub der Stadtbibliothek, der sich einen Raum in der Langen Straße 2  (heute Geschäft EP Brandhorst) entsprechend des Alters der Besucher einrichtete. Dort trafen sich auch literaturinteressierte Jugendliche.

Seit 1985 leitet Regina Schuppe die Stadtbibliothek. Ende 1992 zog der Bestand von der Hauptstraße 20 in das Erdgeschoss des Stadthauses, Hauptstraße 13. Mit dem umfangreichen Umbau des Stadthauses ab 1994 wurden in der oberen Etage neue und viel größere Räume für die Bibliothek geschaffen. Diese  konnte am 3. März 1997 in gemeinsamen Räumen mit der Kinderbibliothek und einer neuen Bibliothekseinrichtung im Ausleihbereich wiedereröffnet werden.

Im Januar 1997 bekam die Bibliothek eine neue „Benutzungsordnung“ und Gebührenordnung. In jenem Jahr waren nur noch 1062 Nutzer angemeldet. Die Anzahl stieg  1999 auf 1226. 1998 erhielt die Bibliothek den ersten PC. Nun musste der Bestand elektronisch erfasst werden. Bis dahin waren die einzelnen Medien in Zettelkatalogen erfasst. Die Ausleihe erfolgte per Hand mit Klappkarte und Buchkarten.

Im September 1999 wurde die Samstagsausleihe eingeführt, die bis heute sehr gut angenommen wird.

Die Bibliothek konnte auch den anfangs leer stehenden Eingangsbereich als Veranstaltungs- und Galerieraum nutzen. Dort fanden unter anderem Schriftstellerlesungen, Dia-Vorträge und Lesewettbewerbe statt. Der Ausstellungsbereich wurde von vielen einheimischen Laienkünstlern, vom Kunstkurs des Gymnasiums und vom Stadtarchiv für vielfältige Ausstellungen genutzt.

Im Mai 2001 hielt das Internet Einzug und den Bibliotheksbenutzern standen nun zwei geförderte Internetarbeitsplätze zur Verfügung, die auch intensiv genutzt wurden.

Ab dem 26. September 2005 gab es freitags eine regelmäßige Vorlesestunde, gehalten von drei engagierten Schülerinnen des Gymnasiums für Kinder. Auch gibt es seit einigen Jahren mehrere ehrenamtliche Vorleser, die regelmäßig in Kitas und Schulen zu Gast sind. Bibliothek und Kreismedienzentrum unterstützen dies.

Bis heute werden in der Stadtbibliothek vielfältige Veranstaltungen angeboten – von Führungen und thematischen Unterrichtsstunden bis hin zum bundesweiten Vorlesetag.

Der 80. Geburtstag der Stadtbibliothek wird mit einer Ausstellung und einer Festwoche vom 23. bis 29. September begangen. Sie beginnt mit einem Tag der offenen Tür.

(er)