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| 18:30 Uhr

70 Jahre Freibad in Großthiemig
Bürgermeister und Amts-Chef flüchten vor der Neptuntaufe

 Durch Seeräubermusik untermalt, ist die Ankunft von Neptun mit seinen zwei Nixen und einem Trupp Häscher ein Höhepunkt des Freibadfestes.
Durch Seeräubermusik untermalt, ist die Ankunft von Neptun mit seinen zwei Nixen und einem Trupp Häscher ein Höhepunkt des Freibadfestes. FOTO: VRS
Großthiemig. Einige Gäste entkommen dem Herrscher der Meere nicht beim Fest „70 Jahre Freibad in Großthiemig“ und werden getauft.

Mit Fotoausstellung, Kaffeetafel, Volleyballturnier, einer zünftigen Neptuntaufe, mit viel Musik und einer karibischen Nacht ist am Sonnabend der 70. Geburtstag des Schwimmbades in Großthiemig gefeiert worden. Neptun, der Herrscher der Ozeane, Meere, Seen, Flüsse, Bäche, Tümpel und Pfützen und damit Regent über alle Fische, Seepferdchen, Walrosse und Nixen war allerdings wegen einer Erkältung entschuldigt. Dafür schickte er Katrin Sanne als Neptuna Ariel nach Großthiemig, allerdings ohne die markante Waffe des Meereskönigs, den Dreizack.

Kaum angekommen, fingen ihre Häscher in spektakulären Rennen sogleich mehrere Landratten ein, um diese der heiligen Wassertaufe zu unterziehen. Dazu gab es ein  ekliges Getränk aus dem Dunstkreis der Waschbecken und Badewannen. „Flotte Flunder“, „Bezaubernde Wasserrose“ und „Schneller Tintenfisch“, so heißen einige Jugendliche aus Großthiemig nun nach der Taufe. Nach der Prozedur wurden sie in die unendlichen Tiefen des Freibades geworfen. Der Witterung und der grundlegenden Sanierung des Freibades im Jahr 2014 sei Dank, brauchen nun weder die Wassergeister noch die Badegäste mit den Zähnen klappern.

„Das Freibad in Großthiemig galt seit dem Bau vor 70 Jahren als kaltes Freibad. Durch die Veränderungen wärmt sich das Wasser jetzt schneller auf“, kommentiert die Mitorganisatorin des Festes Ines Zech vom Vorstand des SG „Grüne Eiche“ Großthiemig den physikalischen Vorgang, der ganz simpel auf der wesentlichen Verkleinerung der Wasserfläche beruht.

Die grundhafte Sanierung des Freibades hatte sich damals mit undichten Stellen im Beckenboden angekündigt, durch die nicht nur Wasser in Größenordnungen verloren ging, sondern auch schmutziges Grundwasser in das Becken gelangte. „Bei dem Versuch, die undichte Stelle am tiefsten Punkt im Sprungbecken zu beseitigen, hat der Baggerfahrer aus Versehen den kompletten Boden des Schwimmbeckens angehoben“, kommentiert Andre Gündel den fatalen Vorgang.

Weil Großthiemig im Gegensatz zu vielen anderen Orten, die ebenfalls ältere Schwimmbäder besitzen, nicht aufgeben wollte, wurden jede Menge Eigenleistung und etwa 120 000 Euro investiert, um das Becken zu erneuern.

Im vergangenen Jahr, das ein sehr heißes war, wurde die Besucherzahl verdoppelt. Die Gäste kommen nicht nur aus Großthiemig, sondern auch aus dem übrigen Schradenland und dem angrenzenden Teil von Sachsen.

Amtsdirektor Thilo Richter kann sich gar vorstellen, zukünftig das Bad auch im Winter für Besucher attraktiv zu machen. Es gebe Überlegungen, um die Wasserfläche herum Wandmatten anzubringen, die verhindern, dass Eis die Beckenränder beschädigt. Dadurch könnte das Wasser über den Winter im Becken belassen werden. Ist die Eisdecke ausreichend tragfähig, wäre sogar Eislauf möglich. Ob daraus etwas wird? Als der neue Bürgermeister Heiko Imhof und Amtsdirektor Thilo Richter dazu mehr hätten sagen können, waren sie plötzlich spurlos verschwunden. Denn Neptuna Ariel wollte sie zur Taufe in das Wasser werfen lassen.

(vrs)