(vrs) Am 17. April 1949 haben sich Grete (97) und Hans Schneider (91) auf dem Standesamt in Mühlberg das Ja- Wort gegeben. Am Karfreitag 2019 wurde  noch einmal gefeiert, nach 70 Jahren. Es ist die Gnadenhochzeit.

Wenn die Jubilarin von ihrem Mann heute noch zärtlich einen Kuss auf die Wange bekommt und sie dabei wie ein junges Mädchen die Augen schließt, kommen dem Beobachter der Szenerie unweigerlich Tränen der Rührung.

Das Ehepaar kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. In den 70 Jahren freute es sich über drei Kinder, vier Enkel, acht Urenkel und 2017 über den ersten Ur-Ur-Enkel mit Namen Pepe.

Die Gnadenhochzeit ist Anlass, in der Familie noch einmal das gemeinsame Leben Revue passieren zu lassen. Vier Jahre vor der Hochzeit haben sich Grete und Hans im Zug während der Vertreibung aus ihrer alten Heimat Sudetenland kennengelernt. Der aus Asch im gleichnamigen Reichsgau stammende Hans und die damals im Nachbarort Grün beheimatete Grete kannten sich vorher noch nicht. „Asch hatte vor dem Krieg etwa 25 000 Einwohner. Derzeit leben noch rund 13 000 Menschen dort“, beginnt Hans Schneider seine Erzählung. Man merkt ihm an, was ihm die alte Heimat bedeutet.

Dort habe er in einer Dachdeckerei den Beruf eines Kaufmanns erlernt. Im Jahr 1944 musste der junge Mann zum Arbeitsdienst, der sich als vormilitärische Ausbildung entpuppte. Im Frühjahr 1945 wurde er noch zum Militär eingezogen, um in Berlin-Reinickendorf die Reichshauptstadt zu verteidigen.

In amerikanische Gefangenschaft geraten, ging es über Bad Hersfeld in ein Gefangenenlager nach Waterloo in Belgien. Das Lager musste aufgelöst werden, weil es nicht winterfest war. Die Gefangenen wurden frei gelassen. Während der abenteuerlichen Reise schlug sich Hans Schneider über Westdeutschland zurück in die Heimat nach Asch durch. Dort herrschte ein rigides Regime. Ab 20 Uhr galt die Ausgangssperre. Für einen jungen Mann nach gerade überstandenem Kriegsgeschehen natürlich eine Herausforderung, sich daran zu halten.

Hans Schneider landete in der Polizeistation und in der Folge in einem Transport nach Deutschland. Dabei lernte er seine Grete kennen. Nach dem Quarantänelager in Annaburg in der sowjetischen Besatzungszone wurden beide nach Mühlberg gebracht.

Hans Schneider fand zunächst eine Anstellung bei der Stadtverwaltung. Von 1952 bis 1959 arbeitete er bei der Maschinen-Ausleih-Station (MAS), von 1959 bis 1967 beim Konsum und danach bei der LPG Mühlberg/Elbe, immer in der Finanzbuchhaltung.

Grete konnte sich beim Konsum bis zur Verkaufsstellenleiterin hinaufarbeiten. In den Jahren 1949, 1952 und 1954 wurden die Töchter Ingrid, Christel und Gudrun geboren.

Wie beide so lange gemeinsam durchgehalten haben? An jedem Tag haben sie sich vom Leben überraschen lassen. Weil Hans einst ein leidenschaftlicher Fußballer war und Grete jahrelang Sportgymnastik betrieben hatte, wurde die Gnadenhochzeit am Karfreitag im Sportlerheim in Mühlberg gefeiert.