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| 17:03 Uhr

50 Jahre Oberschule Elsterwerda
Sekretärin: Aus Schüler-Rotzlöffeln wurden liebe Menschen

50 Jahre Schule in Elsterwerda-West: Ein herzliches Willkommen den ehemaligen Lehrern, Schulsekretärinnen und technischen Kräften.
50 Jahre Schule in Elsterwerda-West: Ein herzliches Willkommen den ehemaligen Lehrern, Schulsekretärinnen und technischen Kräften. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Beim 50. Schulgeburtstag in Elsterwerda-West plaudern ehemalige Lehrer und Mitarbeiter aus dem Nähkästchen.

Zum Treffen ehemaliger Lehrerinnen und Lehrer und weiterer Mitarbeiter anlässlich des 50. Geburtstages des Grund- und Oberschulstandortes in Elsterwerda-West kam es raus. „Ich habe die Direktoren immer geärgert“, verrät Inge Katz mit einem Schmunzeln. Was sie genau „angestellt“ hat, möchte die 82-Jährige allerdings nicht verraten. Betriebsgeheimnis. Inge Katz war von 1969 bis 1992 Schulsekretärin. „Das war die schönste Zeit meines Lebens“, schwärmt sie noch heute. Alle Mitarbeiter hätten sich super verstanden. Es wurde gefeiert, aber auch in der Schule Hand angelegt, wie Gardinen nähen oder tapezieren.

Gern erinnert sich die Seniorin an die jährlichen Frauentagsfahrten in den Kulturpalast Dresden. Es galt, die raren Karten zu ergattern, Essen zu organisieren und einen Bus zu bekommen. Dafür sei der Kraftverkehrschef mit einer Flasche Schnaps bestochen worden. Was Inge Katz besonders freut: So manch ein Rotzlöffel (Schüler) von einst sei heute der freundlichste Mensch und grüße nach wie vor.

Von Oberschulrektor Dietmar Koßagk erfahren die geladenen Ehemaligen, dass eine Konstante im Brandenburger Bildungssystem die Veränderung ist. Vor 50 Jahren als Oberschule (POS „Johannes Dieckmann“) angetreten, wurde daraus 1991 die Gesamtschule und dann eine Ganztagsschule mit Primar- und Sekundarstufe I. 2005 waren die Gesamt- und Realschulen Geschichte. Elsterwerda hatte nun eine Grund- und Oberschule. Mit dem Schuljahr 2018/19 ist es das Elsterschulzentrum - Primarstufe & Sekundarstufe I.

Dietmar Koßagk erinnert auch daran, dass es in Spitzenzeiten Mitte der 1970er-Jahre über 900 Schüler und 50 Lehrer sowie  Klassenstärken von mehr als 30 Schülern gab. Heute sind es 400 Lernende, 39 Lehrer und durchschnittlich 23er-Klassenfequenzen in der Sek I. „Wir haben tolle Bedingungen“, lobt der Rektor die Gegebenheiten und erwähnt ein Novum: Die Schule besitze die Klassenbücher aus 50 Jahren. Diese seien bei den Klassentreffen sehr beliebt. Außerdem: Die dreiköpfige Leitung gehe zum Schuljahresende in den Ruhestand, er nach immerhin 27 Jahren als Oberschulrektor.

Dass ein Abschied schwerfallen kann, weiß Sylvia Pomrehn (69) aus Kraupa nur zu genau. „Ich habe sehr geheult, als ich weg bin“, sagt die ehemalige stellvertretende Leiterin der Primarstufe. 33 Jahre war die Lehrerin an dieser Schule, ehe sie nach Mühlberg versetzt worden war. „Es war eine schöne Zeit“, stimmt ihr die einstige Grundschulkollegin Kornelia Rothe (66) aus Hohenleipisch zu.

„Ich werde immer noch zu Klassentreffen eingeladen“, freut sich Hartmut Fuchs (75) aus Elsterwerda, dass ihn seine Mathe-, Astro- und Physikschüler nicht vergessen haben. Zwei ehemalige Deutschlehrerinnen (1968 bis 1992 und 1971 bis 1991) sehen das Bildungssystem kritisch. Seit der Rechtschreibreform gehe es mit den Kenntnissen bergab. Kinder schreiben zunächst wie sie sprechen. Dies sei Unsinn. Die andauernden Reformen im Schulbereich seien nicht gut. Es müsse endlich Ruhe einziehen.

(mf)