Von Frank Claus

Es ist Sonnabend, 9.19 Uhr. Pünktlich rollt der Zug aus Berlin auf dem Elsterwerdaer Bahnhof ein. Die Türen öffnen sich und Massen strömen aus dem Zug. Sie werden auf dem Bahnhofsvorplatz von einem liebevoll gestalteten Regionalmarkt empfangen, drehen kurz eine Runde, um zu sehen, was das Angebot hergibt – haben im Grunde genommen aber erst mal nur ein Ziel: einen Platz im Bus. Man sieht, dass da „alte 48-Stunden-Aktion-Hasen“ darunter sind. Immerhin, jährlich meist vier Wochenenden gibt es so in allen Ecken des Landes. Besser und preiswerter kann man Brandenburg nicht kennenlernen.

Heiko Göhl von der VerkehrsManagement GmbH hat alles im Griff. Fünf Busse fahren vor und sind flugs besetzt. Los geht die erste Rundfahrt mit insgesamt zehn Stationen. Überall können die Gäste aussteigen, eine Stunde bummeln und dann ähnlich der Hop-on/Hop off-Busse in den Großstädten wieder zusteigen, um zur nächsten Touristenattraktion zu fahren.

Erste Station ist das Elsterschloss-Ensemble mit Gärtnerhaus. Fontane-Picknick ist angesagt in herrlichem Ambiente, liebevoll begleitet von Katrin Brunk, Bernhard Klar an der Gitarre und sphärischen Klängen. Der Heimatverein ­kredenzt leckeren Kuchen, Matthias John Weinspezialitäten. Und jeder will natürlich wissen, was Elsterwerda mit der Ananas – sie wurde einst im Gärtnerhaus gezüchtet – zu tun hat. Die Stadtführungen werden an beiden Tagen rege genutzt.

In Dobra schauen die Gäste dem Kettensägenkünstler über die Schulter, in Maasdorf geht es ins Natoureum. Moor, Orgelakademie, Naturparkhaus, Lubwartturm, Kurkonzert – die grüne Kurstadt Bad Liebenwerda begeistert. Was aber am meisten zieht? „Wo ist das, wo der Pfeffer wächst?“ Beatrice Peschel, die beim Landkreis die Aktion organisiert hat, muss Sonntag schmunzeln. „Das war die meistgestellte Frage. Und auf dem Heimweg haben wir ganz viel Lob gehört. Eine wunderschöne, grüne Gegend ist immer wieder betont worden. Die Mühle in Plessa hat die Gäste fasziniert und die angenehme Begleitung durch die Gästeführer/innen. Das alles geht runter wie Sahne“, berichtet sie.

In Plessa, so weiß sie von Claudia Meißner, sind Gäste sehr lange geblieben, haben oft gleich dort zu Mittag gegessen. Am Sonnabend, so stellt sich dann raus, ist der zweite Zug aus Berlin noch voller. „Ich schätze, allein am Sonnabend haben wir schon mehr als 2000 Gäste in unseren Bussen befördert. Für die zweite Runde musste ich sogar einen Bus nachordern“, berichtet Heiko Göhl..

Gästezahl verdoppelt! Auch in Elsterwerda haben am Sonnabendabend „Honigkuchenpferde“ gestrahlt. Das Classic-Open-Air mit dem Eberswalder Konzertorchester haben sich etwa 800 Zuhörer nicht entgehen lassen. Was für traumhaft schöne Atmosphäre: Wunderbare Musik, herrliche Stimmen, ein amüsant aufgelegter Dirigent, Lampions in den Platanen, warmes Licht auf der Bühne und rund um den Marktplatz. Dazu ein herrlich warmer Sommerabend, der sich genau an die Regieanweisungen hält. Es gewittert und regnet erst dann, als alles vorbei ist. Dann aber heftig. Auf dem Bahnhofsvorplatz pustet der Sturm einige Buden um, der Bauhof legt einige um, um Schäden zu verhindern.

Der Sonntagmorgen erwacht, als wäre nichts gewesen. Alles ist blitzblank, als die Gäste aus den Zügen klettern. Wieder sind es so viele und wieder ist die „zweite Ladung“ die größte.

Elbe-Elster vermarktet sich auf beste Weise. Wer Lust hat, genießt das Kurkonzert in Bad Liebenwerda oder die musikalisch-literarische Lesung in Saathain. Wer gut zu Fuß ist, lässt sich vom Kräuterweiblein in Prösen berichten oder klettert in Gröden auf den Heidebergturm. Und so manch einer, das weiß Heiko Göhl aus Erfahrung der zurückliegenden Touren, wird auch diesmal dabei sein, der am Sonnabend erst einmal die komplette Rundfahrt macht, um am Sonntag gleich nochmal wiederzukommen. Beatrice Peschel hat einige getroffen, die mit dem Rad die Stationen abgefahren sind. So wie die Familien Wenzel und Schultze aus Bad Liebenwerda, die ihr Frühstück diesmal auf die Fontane-Decken im Schlosspark verlegt haben. Dicht besetzt waren die Sitzgelegenheiten am Bahnhof und vor der Heimfahrt wird auch noch kräftig Regionales aus Elbe-Elster eingekauft.