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| 03:17 Uhr

Fast 300 Heuballen brennen
„Goldstaub“ verbrennt in Zobersdorf

Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch.
Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch. FOTO: LR / Frank Claus
Zobersdorf. Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch. Um 1.02 Uhr werden etwa 50 Kameraden aus fast allen Ortsfeuerwehren der Stadt Bad Liebenwerda mit 16 Fahrzeugen zum Einsatz gerufen. Von Frank Claus

Das ist ein Albtraum für Viola und René Jeronimus (beide 45 Jahre). 300 Ballen Heu stehen in Flammen. „Das ist das Futter für zwei Monate“, sagt der Schäfer und fügt fassungslos an: „Mir ist echt zum Heulen zumute.“ Auch Ehefrau Viola starrt entsetzt auf das Feuer und sagt leise: „Mehrere Wochen Arbeit sind für die Katz. Und das nach diesem Sommer.“

Das auf zwei Stapeln aufgetürmte Heu, abgelagert im Unternehmensgelände einer gepachteten Fläche der Agrargenossenschaft Oschätzchen, ist nicht mehr zu retten. Die Feuerwehren, die fast aus dem gesamten Bad Liebenwerdaer Stadtgebiet zum Brandherd eilen, haben nur noch ein Ziel: Die direkt daneben befindliche Halle, in der die Agrargenossenschaft mehrere Hundert Ballen Stroh eingelagert hat, zu schützen.

Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch
Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch FOTO: LR / Frank Claus

Eine sogenannte Riegelstellung  – eine Wasserwand – wird aufgebaut. Die Kameraden haben Glück. Es ist windstill in dieser Nacht. Einsatzleiter ist Matthias Bauer. „Wir können das hier nur noch kontrolliert abbrennen lassen. Mehr ist nicht zu machen“, sagt der Mann, der zugleich stellvertretender Wehrführer der Ortswehr Bad Liebenwerda ist. Die Polizei ist vor Ort, Brandstiftung kann nicht ausgeschlossen werden.

Den Brand bemerkt hat die Schwester von Landwirt Kurt Brundisch. „Sie hat den Qualm gerochen, mich angerufen und gesagt, dass es an meinen Stallungen brennt“, sagt der Mann, der vielen in Bad Liebenwerda als Kutscher auf dem Kremser bekannt ist. Dann hat er sofort die Feuerwehr alarmiert, ist zum Brandherd gefahren und hat festgestellt, dass es die Heuballen des Schäfers sind, die da in Flammen stehen.

Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch. Etwa 50 Kameraden sind mit 16 Fahrzeugen im Einsatz.
Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch. Etwa 50 Kameraden sind mit 16 Fahrzeugen im Einsatz. FOTO: LR / Frank Claus
Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch - nur kontrolliertes Abbrennen ist noch möglich.
Etwa 300 Ballen Heu einer Schäferei in Zobersdorf brennen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch - nur kontrolliertes Abbrennen ist noch möglich. FOTO: LR / Frank Claus

Viola und René Jeronimus, die in Schilda und damit gut 15 Kilometer entfernt wohnen, klingelt er dann aus dem Bett. Das Schäferehepaar unterhält eine Herde mit etwa 1200 Schafen und Ziegen. „Die weiden noch auf dem Elstervorland“, berichtet der Mann und erzählt, dass der Brand doppelt dramatisch ist. Angesichts der langanhaltenden Trockenheit und der miesen Ernte ist das Heu „Goldstaub“. Weil nichts wächst, müssen die Schäfer jetzt täglich die Koppel um 350 bis 500 Meter verlegen, um den Schafen und Ziegen wenigstens ein paar Halme zu bieten. „Wir haben schon eine Lammzeit ausfallen lassen, da wir die Tiere ohnehin nicht ernähren könnten“, sagt er.

Wie er den Futterausfall kompensieren soll, weiß er nicht. „Schon jetzt wird ein Heuballen um die 100 Euro gehandelt. Das Futter bekommt, wer am meisten bietet“, erzählt Ehefrau Viola. Dass nun wochenlange Arbeit zunichte gemacht wird, geht ihr augenscheinlich an die Substanz. „Wir haben Flächen zwischen Schraden und Elsterwerda dazu bekommen. Von dort haben wir das Heu im Juli bis hierher gekarrt. Das dürften auch durchschnittlich um die 20 Kilometer eine Strecke sein. Mehr als acht bis zehn Ballen haben wir mit einer Fuhre nicht wegbekommen. Drei Fahrten waren das am Tag, immer mit 25 Kilometer die Stunde die Straße lang“, erzählt sie frustriert.

Und nun schwant den Schäfern ganz Böses. „Wir haben schon einen Dürre-Hilfsantrag gestellt und wenig Hoffnung, was zu bekommen. Und jetzt das noch.“ Am Mittwoch ist bis in die späten Nachmittagsstunden ein Teil der Feuerwehren immer noch vor Ort. Die Heuballen werden verladen und auf einem benachbarten Acker auseinander gezogen. Immer wieder flammen Glutnester auf. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. René Jeronimus ist niedergeschlagen, meint am Morgen: „Bis gestern sind wir davon ausgegangen, die Herde über den Winter zu bringen. Jetzt müssen wir wohl reduzieren.“

Kurt Brundisch fühlt mit ihnen. Dass er an seinem 66. Geburtstag die ersten Glückwünsche im Feuerschein am frühen Morgen erhält, darauf hätte er liebend gern verzichtet.