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| 17:46 Uhr

Ein außergewöhnlicher Abend rund um Elsterwerda
Stadtspaziergang mit viel Liebe für Details

270 Teilnehmer, mehr geht nicht. Die Kapazität ist ausgeschöpft. In der Kirche in Stolzenhain – „eine der schönsten Dorfkirchen im Kreis“, so Ralf Uschner – erfreuten sich die Gäste an einem musikalisch-literarischen Programm.
270 Teilnehmer, mehr geht nicht. Die Kapazität ist ausgeschöpft. In der Kirche in Stolzenhain – „eine der schönsten Dorfkirchen im Kreis“, so Ralf Uschner – erfreuten sich die Gäste an einem musikalisch-literarischen Programm. FOTO: LR / Frank Claus
Elsterwerda. Etwa 270 Gäste erkunden Samstagabend bis in den Sonntagmorgen hinein reizvolle Ecken – diesmal vor allem rund um die Stadt Elsterwerda. Von Frank Claus

Sie hat nichts dem Zufall überlassen: Der 9. Elsterwerdaer Stadtspaziergung, organisiert von Bürgermeisterin Anja Heinrich in ihrer Funktion als Vorsitzende des Heimatvereins Elsterwerda und Umgebung, ist kein schlichtes „Touristenprogramm“. Es ist ein Abend voller Überraschungen, neuer Entdeckungen und interessanter Erfahrungen  – es ist aber vor allem ein Abend, der mit ganz viel Liebe zum Detail und emotionaler Verbundenheit zur Heimat gestaltet ist. Mit zahlreichen Helfern aus dem Verein, einigen aus der Verwaltung und vielen an den jeweiligen Besuchsstationen beginnt am Sonnabend ein mehr als sechsstündiges Programm. Optischer, romantischer Höhepunkt eine von der Familie der Bürgermeisterin gestaltete Festtafel mitten in der Nacht auf einer Wiese zwischen Kraupa und Dreska.

Faszinierend: eine festlich geschmückte lange Festtafel auf einer Wiese zwischen Kraupa und Dreska. Der Riesenaufwand fand viele Dankesworte.
Faszinierend: eine festlich geschmückte lange Festtafel auf einer Wiese zwischen Kraupa und Dreska. Der Riesenaufwand fand viele Dankesworte. FOTO: LR / Frank Claus

Nach der Begrüßung an der Kleinen Galerie, einem Gläschen Wein, der Übergabe der Audiogeräte und einer kurzen Einführung auf dem Marktplatz – einmal mehr erweist sich „Historieenmeister“, Bad Liebenwerdas Museumsmitarbeiter Ralf Uschner, als exzellenter Kenner und amüsanter Erzähler der Heimatgeschichte – klettern die 270 Teilnehmer zum ersten Mal in die fünf bereitgestellten Busse des Nahverkehrs. Erstes Ziel, die Dorfkirche in Stolzenhain, „einer der schönsten in unserer Region“, wie nicht nur Ralf Uschner befindet.

Puppenspieler Kolja Liebscher lässt Erwachsene einen Moment Kind sein.
Puppenspieler Kolja Liebscher lässt Erwachsene einen Moment Kind sein. FOTO: LR / Frank Claus

Etwas für die Seele folgt, wunderbare Musik von Violinistin Antje Schaffranietz und Ulli Zech an der Gitarre. Dazu Verse zum Nachdenken und Schmunzeln von Anja Heinrich und schließlich ein gemeinsames „Der Mond ist aufgegangen“. Prädikant René Herrmann, schon bei der Begrüßung mit Schalk im Nacken, entlässt die Gäste in die Nacht und meint, dass ihnen nichts passieren könne, denn sie gingen ja mit Gott.

Mitten in Nacht und Wald: Schattentheater mit Bettina Beyer.
Mitten in Nacht und Wald: Schattentheater mit Bettina Beyer. FOTO: LR / Frank Claus

Zweite Station: die kleine Kirche in Dreska. Ein Stück Konfekt am Eingang, ein profund-lockerer Ralf Uschner, ein bestens aufgelegter Frank Werner an der Orgel und schließlich ein Puppenspiel von Kolja Liebscher, bei dem die Augen und das Lächeln auf den Gesichtern der Zuhörer verraten, dass sie sich in ihre Kindheit zurückversetzt fühlen. Mit einer weinbenetzten Kehle geht es weiter nach Kraupa, wo Bettina Beyer auf einem Handwagen ihr Schattenspiel furios darbietet und Annabell Schultze mit der Querflöte untermalt. Dann der Gang über einen romantisch mit Teelichtern gesäumten Weg durch den nächtlichen Wald – natürlich mit zuvor gereichtem Proviant, einem liebevoll verpackten Stückchen Heydebrot – hin zum Dorfgemeinschaftshaus. Unterwegs ein Stopp, Schattenspiel mitten im dunklen Wald. Was für eine schaurig-schöne Atmosphäre! Wie die Profis versorgen Vereinsmitglieder mit Getränken, erklärt der Ralf Uschner die Besonderheiten der Ortsbebauung, die in Kraupa zumindest in einem gleich ist: Schule, Kneipe, Kirche – das gehört zusammen. Da werden die alten Wernersgrüner Bierhandel-Geschichten ebenso wach wie die glorreichen Korbmacher- und Fußballzeiten. Und schließlich die Fahrt zur Festtafel, wo Fleischermeister  Tino Hauptvogel einen Burgunderbraten in Rotwein mit Sauerkraut und Senfkrustenbrot von der Bäckerei Dorn aus Wahrenbrück serviert. Was, es ist schon nach 1 Uhr? Warum eigentlich auseinander gehen, wo es in unserer Heimat doch so schön ist?

Das war Anja Heinrich wichtig: Alle Helfer und Akteure am Ende zu präsentieren. Die von den einzelnen Stationen sind noch nicht mal auf dem Foto.
Das war Anja Heinrich wichtig: Alle Helfer und Akteure am Ende zu präsentieren. Die von den einzelnen Stationen sind noch nicht mal auf dem Foto. FOTO: LR / Frank Claus