(fc) Als im Jahr 1991 zum letzten Mal Briketts in der „Louise“ gepresst wurden und danach die Treuhand das Aus der ältesten Brikettfabrik Europas besiegelte, herrschte Ratlosigkeit. Unvergessen bleibt eine Aufnahme, die zeigt, wie der damalige Werkleiter zu den Arbeitern spricht. Durchdringend, als zum letzten Mal die Werksirene heult.

Würde die „alte Dame“ nun das gleiche Schicksal ereilen wie viele andere Industriebetriebe im Osten? Würde sie verschwinden? Peter Kroll, der heutige Vorsitzende des Fördervereins, sagt: „Zum Glück haben das eine ganze Reihe engagierter Menschen nicht zugelassen.“ Inzwischen feiert der Förderverein seinen 25. Geburtstag und will das am 6. Juli mit einer zünftigen, ersten Bergparade tun.

Peter Kroll: „Der Freundeskreis hat es tatsächlich geschafft, die ,Louise’ als Technisches Denkmal für die Nachwelt zu erhalten.“ In der Denkmalsliste wird die Fabrik als bedeutendes Industriedenkmal mit funktionierender Maschinentechnik aufgeführt. Erst kürzlich bekam der Freundeskreis dafür den namhaften Agricola-Preis, ausgelobt von einem bedeutenden Gremium der Industriekultur.

„Dass diese Besuchsstätte sich so, wie heute erhalten, präsentieren kann, ist diesem Förderverein zu verdanken“, sagt Peter Kroll. Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus, in dieser Eigenschaft auch Bergwerksdirektor der „Louise“, habe mit zahlreichen Partnern, unter anderem Jürgen Bartholomäus und Mechthild Passek, aufopferungsvoll für den Erhalt und die Sanierung gekämpft. Letzter, weiterer Meilenstein war die Sanierung des Schornsteins.

Das Jubiläum am 6. Juli soll gebührend gefeiert werden. Peter Kroll: „Wir haben viele Ehemalige angesprochen.“ So werden etwa 40 einstige Lehrlinge der 1950er-Jahre und 40 ehemalige Beschäftigte aus dem Jahr 1991 zur Bergparade erwartet. Etwa 140 Lehrlinge haben in der Braunkohle Domsdorfs und Umgebung ihren Beruf in den 1950er-Jahren erlernt. Der Vorsitzende des Fördervereins: „Vom Schlosser über den Elektriker bis zur Technische Zeichnerin waren es viele, die danach einen Beruf fürs Leben hatten.“ Jedenfalls bis zur Wende. Viele von den noch Lebenden – die Mehrheit ist heute weit über 80 Jahre alt – treffen sich am 6. Juli an der „Louise“. Sie alle, so Peter Kroll, freuen sich auf ein Wiedersehen nach so langer Zeit.

Ablauf der Bergparade am 6. Juli: Treff ist um 14 Uhr an der Ecke Dorfstraße/Wildgruber Straße. 15 Vereine aus Berlin, Brandenburg und Sachsen (etwa 170 Teilnehmer) marschieren dann zur Louise, wo der Landrat, der Bürgermeister und der Vereinsvorsitzende vor der Fahnenweihe reden werden. Um 15.30 Uhr beginnen die Konzerte mit dem Orchester der Bergarbeiter Plessa und dem Traditionschor der Bergarbeiter Freiberg/Sachsen.