Heute wird das „Aktionsprogramm Perspektiven für Herzberg“ ins Leben gerufen, um die Vermarktung voranzutreiben.
Von den 300 Grohe-Leuten ist noch etwa ein Drittel im Werk tätig. Die Vorfertigung, die Galvanik und Teile des Montagebereiches arbeiten. Alle anderen sind frei gestellt. „Sicher haben sich viele schon nach einer anderen Arbeit umgesehen“ , sagt Betriebsratsvorsitzender Peter Schulze. „Doch diejenigen, die dabei erfolgreich waren, kann man an zwei Händen abzählen.“
Bei der Betriebsversammlung vor einer Woche war die Stimmung dementsprechend. „Einige begreifen wohl erst jetzt, dass es endgültig vorbei ist. Sie haben gehofft, dass sich doch noch etwas tut“ , sagt BR-Mitglied Rita Düben. Doch diese Hoffnungen haben sich zerschlagen. Sie betrafen die Rohrfertigung, die eventuell mit 50 Leuten in Herzberg weiter betrieben werden sollte. „Doch Grohe hat das abgelehnt“ , sagt Peter Schulze.
Bei der Belegschaftsversammlung hatten die Mitarbeiter vor allem organisatorische Fragen an die Vertreter der Arbeitsagentur und der Transfergesellschaft Peag, in die sie ab dem 1. Januar für ein Jahr übernommen werden. „Was die Vermarktung des Standortes betrifft, so gibt es von Seiten des Unternehmens keinerlei Aktivitäten. Lediglich wenn ein Investor Interesse an Grundstück oder Immobilien zeigt, würde sich Grohe einklinken“ , so Peter Schulze. „Wir sind jetzt völlig auf uns allein gestellt, und da muss die ganze Region versuchen, etwas zu bewegen.“
Dazu gibt es heute ab 10 Uhr im Herzberger Rathaus die Auftaktveranstaltung zum „Aktionsprogramm Perspektiven für Herzberg“ . Hier handeln Betriebsrat, die IG Metall, die Stadt Herzberg, der Kreis und das Land, die Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz GmbH (EEpL) und das Institut für Medienforschung und Urbanistik Berlin (IMU) unter einem Dach.
Mittlerweile ist auch die Finanzierung geklärt. Das Land lässt Fördergelder fließen. 80 000 Euro kommen vom Wirtschaftsministerium, rund 20 000 Euro steuert die Stadt bei, wobei die Summe eine Spende von 10 000 Euro eines Herzberger Unternehmens enthalten soll. Die Stadt bemüht sich um einen Vertrag mit dem Regionalmanagement der Region Lausitz-Spreewald für die „Begleitung von Ansiedlungsvorhaben am Standort Grohe in Herzberg“ . „Es geht um den Ersatz von 300 Arbeitsplätzen. Priorität hat Grohe, im Auge haben wir aber auch das Umland. Ausschreibungen werden erfolgen“ , so Bürgermeister Michael Oecknigk.
Weitere 100 000 Euro Fördermittel, sagt Peter Schulze, fließen aus dem Ministerium für Arbeit und Soziales. „Hier ist das IMU-Institut beauftragt, Vermarktungsaktivitäten zu begleiten“ , so Schulze. Ziel ist es, schnell eine Nachnutzung für das Industrieobjekt zu finden. Das Aktionsprogramm läuft ein Jahr.