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| 02:44 Uhr

15 Jahre Bahnunglück Elsterwerda: Mutter Natur jetzt kontra Rest-Benzin?

Elsterwerda. Am 20. November ist es 15 Jahre her, dass auf dem Bahnhof Elsterwerda zwei Kesselwagen explodierten. 13 weitere wurden beschädigt. Zwei Feuerwehrleute* kamen bei dieser Katastrophe ums Leben. 600 Tonnen Benzin suchten den Weg ins Erdreich. Gabi Böttcher

Etwa 167 Tonnen Benzin sind damals durch Sofortmaßnahmen - Bodenaustausch und Absaugen des Benzins - aus dem Untergrund entfernt worden. Bodensanierungsanlagen der Spremberger Firma Lobbe, eine davon auf einer versiegelten Fläche in Kahla, sind für die Behandlung des kontaminierten Bodens genutzt worden. Etwa 13 000 Tonnen Bodenaushub seien zu behandeln gewesen.

Im Jahr 1998 wurden zehn Sanierungsbrunnen errichtet und eine klassische Grundwassersanierung begonnen, erklärt Frank George, Leiter des Amtes für Bauaufsicht, Umwelt und Denkmalschutz beim Landkreis Elbe-Elster, das von Beginn an den Fortgang der Sanierungsmaßnahme überwacht. Die Pflicht dazu liegt beim Eigentümer des Grundstückes, der Deutschen Bahn. Wie lange die Sanierungsprozesse noch dauern würden, sei ungewiss. Man könne sich weder auf Monate, noch Jahre festlegen. Ein solcher Sanierungsfall gehöre zu den anspruchsvollen, mit denen man es in der jüngeren Vergangenheit tun bekommen hatte.

Bis zum Jahr 2006 waren rund 258 Tonnen Benzin, das sich in den Absenkungstrichtern am tiefsten Punkt gesammelt hatte, aus dem Erdreich entfernt. Im Zuge der Überwachung der Grundwassersanierungsmaßnahme wurde festgestellt, so Frank George, dass am Standort natürliche Abbauprozesse wirken. Dazu seien umfangreiche Untersuchungen veranlasst worden. "Die Ergebnisse der von der Bahn AG noch vorzulegenden Abschlussberichte sind für die Bodenschutzbehörde dann die Entscheidungsgrundlage, ob künftig natürliche Abbauprozesse in die Sanierungsstrategie integriert werden können", betont der Amtsleiter.

"Das Umweltamt muss das Funktionieren der Prozesse und damit die Gefahrenfreiheit für die Umwelt überwachen. Etwa 80 Grundwassermessstellen dienen der Kontrolle der Beschaffenheit des Grundwassers", so Frank George. Im Auftrag des Sanierungspflichtigen, also der Deutschen Bahn, würden zweimal jährlich ausgewählte Messstellen beprobt und die Ergebnisse der Untersuchungen ausgewertet. "Der 1997 entstandene Schaden wird uns noch viele Jahre beschäftigen", prognostiziert Frank George. Entscheidend sei, inwieweit die Effekte der natürlichen Abbauprozesse zusätzliche technische Maßnahmen tatsächlich überflüssig machen. Natürlich spiele der finanzielle Aspekt dabei eine Rolle.

Zur Frage nach der bisher ausgegebenen Sanierungssumme antwortet Gisbert Gahler vom Regionalbüro Kommunikation Berlin der Deutschen Bahn, dazu lägen "leider keine Informationen" vor.

Aus der Sicht des Umweltamtes des Landkreises ist das Bundesbodenschutzgesetz der letztendlich entscheidende Maßstab. Danach sind vom Boden ausgehende Grundwasserschäden so zu sanieren, dass davon keine weiteren Gefahren ausgehen.

Gisbert Gahler geht offenbar bereits mit einem hohen Grad von Optimismus an die Bewertung der Situation, die so vom kreislichen Umweltamt noch nicht voll mitgetragen werden kann. Gahler: "Mit den Sofortmaßnahmen und den sich seit nunmehr vielen Jahren anschließenden Sanierungsverfahren wurde das Benzin im Schadenszentrum, also auch im Gleisbereich, bis zur Grenze des physikalisch-technisch Möglichen entfernt." In Abstimmung mit dem Umweltamt des Landkreises Elbe-Elster befinde sich die Deutsche Bahn AG derzeit im letzten Abschnitt einer passiven Sanierungsphase mit intensiven Erkundungs- und Überwachungsarbeiten. "Im Ergebnis der nun vorhandenen Informationen und unter Berücksichtigung von fundierten wissenschaftlichen Prognosen wird perspektivisch besonders das natürliche Selbstreinigungspotenzial der Erdschichten am Standort bei der weiteren Planung eine umfassende Rolle spielen", erklärt Gahler. Durch das nunmehr seit Jahren vorhandene umfangreiche Kontrollregime werde eine Gefährdung von Umwelt, Mensch und Zugverkehr "bestimmt ausgeschlossen".

Die Umweltbehörde muss ihrem Auftrag gemäß weiter strengste Aufmerksamkeit walten lassen. Frank George: "Bewertet werden muss, wie sich die Grundwasserfahne weiter entwickelt, wann sich ein Gleichgewicht von Schadstoffzufuhr und Abbau einstellt." Er betont aber gleichzeitig: "Die noch vorhandene Belastung beschränkt sich auf das Grundstück der Deutschen Bahn, es gehen von dort keine Gefahren für umliegende Wasserschutzgebiete aus." Verschiedene Ingenieurbüros seien mit regelmäßigen Probenahmen beauftragt.

*Anmerkung der Redaktion: In der Ursprungsfassung war von zwei gestorbenen Eisenbahnern die Rede. Dieser Fehler wurde in der Online-Fassung korrigiert.