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14 Feuerwehr Einsätze nach Starkregen im Elbe-Elster-Kreis

Starkregen führt in Elsterwerda fast immer zur Überflutung der Unterführung. Gegenwärtig müssen Fußgänger noch weitere Umwege in Kauf nehmen. Die große Bahnbrücke ist im Bau und hat keine Treppen mehr.
Starkregen führt in Elsterwerda fast immer zur Überflutung der Unterführung. Gegenwärtig müssen Fußgänger noch weitere Umwege in Kauf nehmen. Die große Bahnbrücke ist im Bau und hat keine Treppen mehr. FOTO: Ronny Hahn
Elbe-Elster. Eine Doppelhaushälfte in Wainsdorf brennt, im Nachbarhaus erleidet ein 14-Jähriger einen Stromschlag, die Unterführung in Elsterwerda läuft wieder mal voll und der Keller im Kulturhaus Plessa steht unter Wasser – das ist die Bilanz eines nur kurz währenden Gewitters. Frank Claus

Zu insgesamt 14 Einsätzen müssen Feuerwehren und Rettungskräfte am Dienstag ab 15 Uhr nach Gewitter, Sturm und Starkregen im Elbe-Elster-Kreis ausrücken. Am schwersten trifft es eine Mehrfamilienhaushälfte in der Berliner Straße in Wainsdorf. Nach einem Blitzschlag kurz vor 20 Uhr steht dort der Dachstuhl einer Haushälfte in Flammen.

Nach Angaben der Leitstelle Lausitz hat dabei auch ein 14jähriger Junge im angrenzenden Doppelhaus einen Stromschlag erlitten. Wie seine Mutter bestätigt, hat er am Computer gesessen, als der Blitz bei den Nachbarn einschlägt. Die Eltern haben ihn flugs selbst ins Krankenhaus gebracht. Nach einer Untersuchung gibt es zum Glück Entwarnung. Gestern bestätigt der Junge, dass es ihm gut geht.

Fassungslos steht indes das Pärchen, dessen Haus-Dachstuhl komplett ausgebrannt ist, vor ihrem Zuhause. Nach Brand- und Löscheinsatz ist es nicht mehr bewohnbar. "Es gab einen irren Knall und das ganze Haus hat gezittert", berichtet die 35-jährige Mutter eines 7- und fast anderthalbjährigen Jungen.

"Der Blitz ist auf dem Dachboden genau über dem Schlafzimmer eingeschlagen. Genau in eine Kiste, in der wir unsere Weihnachtsbaumkugeln lagern", erzählt der 36-jährige Lebenspartner. Beide hätten noch versucht, mit Wassereimern zu löschen. "Als ich das zweite Mal hoch wollte, habe ich vor lauter Qualm schon nichts mehr gesehen", berichtet der Mann, der im benachbarten Schmiedewerk in Gröditz arbeitet.

Die Feuerwehren der Gemeinde Röderland sind schnell mit zahlreichen Kameraden und Technik vor Ort. Aus Elsterwerda rückt die neue Drehleiter an. Weil Elbe-Elster-Notärzte in anderen Einsätzen gebunden sind, fordert die Leitstelle einen Notarzt aus dem sächsischen Großenhain an. Bis kurz nach 1 Uhr dauert der Einsatz. Die junge Familie kommt für den Rest der Nacht im benachbarten Gröditz unter. Am Morgen kümmert sich Röderland-Bürgermeister Markus Terne um die Familie. Nachbarn kommen und fragen, was zuerst benötigt wird. Als die Mutter erklärt, dass vor allem die Babysachen nicht mehr zu gebrauchen sind, sichert eine Frau sofort Hilfe zu. Ein Grödener bietet den jungen Leuten eine Wohnung in seinem Heimatort an. Kollegen des Mannes wollen im Schmiedewerk sofort eine Geldsammlung organisieren. Denn um schnelle Anschaffungen zu tätigen, hilft jetzt am besten Bargeld. Die Versicherung hat sich bereits für Mittwochmittag angemeldet, um den Schadensumfang zu ermitteln.

Ortswechsel: In Elsterwerda setzt der Starkregen zur gleichen Zeit zum wiederholten Mal die Fußgängerunterführung unter Wasser. Da die große Bahnbrücke gegenwärtig im Bau und ein Zugang über Treppen für Fußgänger nicht möglich ist, bleibt die Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Wohngebiet West zu diesem Zeitpunkt gekappt. Nur über weite Umwege geht es vom einen in den anderen Stadtteil. Der Parkplatz vor dem Norma-Markt in Elsterwerda ist ebenfalls überspült, in Plessa hat Wasser den Kulturhaus-Keller unter dem Jugendclub volllaufen lassen. Amtsdirektor Göran Schrey und Ortsbürgermeister Gottfried Heinicke sind sofort vor Ort.

Hat das megagroße Behelfsdach über dem in der Sanierung befindlichen Kulturhaus den Gewitterböen standgehalten? Es hat. "Wir mussten nur wenige Pfützen wegwischen", sagt der Ortsvorsteher und fügt an: "So ein Gewitter habe ich hier in Plessa noch nie erlebt." Insgesamt sechs Mal müssen Kameraden noch ausrücken, um umgestürzte Bäume über Straßen zu beseitigen. Elbe-Elster ist im Süden Brandenburgs damit das Gebiet mit den meisten Einsätzen, für Oberspreewald-Lausitz verzeichnet die Leitstelle Lausitz 12.