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1000 Jahre später haben sie sich getroffen

Erstes Treffen zwischen König Heinrich II. und Herzog Boleslaw von Polen. Die Majestäten treffen mit ihrem Gefolge ein.
Erstes Treffen zwischen König Heinrich II. und Herzog Boleslaw von Polen. Die Majestäten treffen mit ihrem Gefolge ein. FOTO: vrs1
Uebigau-Wahrenbrück. Das Brückenjubiläum in Wahrenbrück ist mit viel Liebe zum geschichtlichen Detail gefeiert worden und lockte viele Gäste an. Veit Rösler / vrs1

Rechtzeitig wurden Pläne geschmiedet, neue Zelte erworben, es wurde sogar Bier gebraut, eine neue Brücke über die kleine Elster gebaut und eine symbolische Brückenkonstruktion an der alten Brücke angebracht, eine 1000-Jahres- Torte gebacken und wenige Tage vorher das Festgelände an der Schwarzen Elster errichtet. Dann, nur einen Tag vor dem großen Fest, verwandelte der Sturm das Festgelände und den Kleinen Spreewald in nur wenigen Sekunden in ein Trümmerfeld. Stellenweise gab es nicht mal mehr Strom. Dunkelheit legte sich über Wahrenbrück und die Geschichte ihrer 1000-jährigen Brücken. Man habe in der folgenden Krisensitzung an Aufgeben oder Verschieben der Festveranstaltung gedacht, gestehen die Verantwortlichen vom Heimatverein Kornelia Pösch und Ortsvorsteher Kurt Tranze ein. Es gab viele Zweifel. Könne man das noch schaffen?

Doch mit vereinten Kräften, mit Heimatverein, Kirchengemeinde, Feuerwehr, Bauhof und vielen ehrenamtlichen Helfern haben es die Organisatoren geschafft, bis kurz vor der Festsitzung am Freitagabend die "alte Lage" wieder herzustellen. "Das zeichnet Euch aus. Ihr lasst Euch nicht unterkriegen. Wir schaffen das. Einfach machen. Die ganze Stadt hat mit angepackt. Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer", so Bürgermeister Andreas Claus bei der Auftaktveranstaltung im voll besetzten Ratskellersaal.

Allein schon die Festsitzung mit vielen Ehrengästen aus Stadt-, Kreis- und Bundesebene konnte sich sehen lassen: mit kleinen Konzerteinlagen von Graunschülern, mit Tortenanschnitt, Fassbieranstich, Ernennung von Jürgen Wegeleben zum Ehrenbürger sowie einem tiefen Einblick in die Geschichte der 1000-jährigen Brücken von Wahrenbrück durch Historiker Ralf Uschner. Er ließ die Geschichte von Wahrenbrück und ihre Bedeutung als Straßenverbindung und Flussüberquerung noch einmal passieren.

Der geschichtliche Augenblick, dem Wahrenbrück heute die 1000- Jahrfeier seiner Brücken verdanke, lasse sich sowohl durch eine Urkunde als auch durch Scherbenfunde nachweisen. Letztere seien ausschließlich an der Stelle einer frühen Brückenkonstruktion gefunden worden. König Heinrich II. und der polnische Herzog Boleslaw hätten sich laut einer Urkunde aus dem Jahre 1017 auf dieser Brücke treffen sollen, was der polnische Herzog Boleslaw allerdings wohl aus Sicherheitsgründen ablehnte. Auch wenn das Treffen nicht stattfand, so sei doch zumindest die Brücke erwähnt.

Aber ein Rätsel blieb: der Brückenbrand. Man wisse bis heute nicht, ob in die alte Holzkonstruktion im Jahre 1928 der Blitz eingeschlagen habe, ob es Brandstiftung war oder ob die Feuerwehr absichtlich zu langsam war. Auf jeden Fall sei in Wahrenbrück die alte Holzkonstruktion von einer Eisenbrücke abgelöst worden, so Uschner.

Anlass genug, diesen geschichts trächtigen Moment anlässlich der 1000-Jahrfeier der Brücke noch einmal theatralisch nachzustellen. Diesmal definitiv mit einer Brandstiftung durch die Wahrenbrücker Feuerwehr und ohne jeglichen Löschversuch. Und auch wenn sich Herzog Boleslaw vor 1000 Jahren weigerte, seinen Fuß auf die Brückenkonstruktion zu setzen: Am Samstagnachmittag fand die historische Begegnung zwischen den Gesandten des Königs Heinrich II. und dem polnischen Herzog Boleslaw nun tatsächlich statt. Nachgestellt. Die beiden Monarchen waren in Form von Bürgermeister Andreas Claus als Heinrich II. und Bernd Müller vom Heimatverein als Herzog Boleslaw, dessen Antlitz übrigens auf dem 20-Zloty-Schein zu sehen ist, vor Ort. Für das nötige mittelalterliche Flair hatte der Wahrenbrücker Heimatverein mit historischen Kostümen, einem historischen Markt und vielen geschichtlichen Details, wie zum Beispiel dem Klemmkuchenbacken und einer Brückenzoll-Station, gesorgt.

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Historiker Ralf Uschner in der Festsitzung am Freitagabend.
Historiker Ralf Uschner in der Festsitzung am Freitagabend. FOTO: vrs1