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| 21:24 Uhr

10 Jahre Elbebrücke Mühlberg
Im Bauch der Elbebrücke rumpelt es

 Zehn Jahre Elbebrücke Mühlberg. 120 Meter lang ist das längste Feld der Vorlandbrücke, 144 Meter lang ist das Stromfeld direkt über dem Fluss vom „Auge“ bis auf die andere Uferseite.
Zehn Jahre Elbebrücke Mühlberg. 120 Meter lang ist das längste Feld der Vorlandbrücke, 144 Meter lang ist das Stromfeld direkt über dem Fluss vom „Auge“ bis auf die andere Uferseite. FOTO: LR / Frank Claus
Aus Anlass zehn Jahre „Auge von Mühlberg“ schauen sich Besucher im Inneren des Brückenbauwerkes um. Von Frank Claus

Etwas mehr als zehn Jahre gibt es sie nun schon, die schnelle Verbindung über die Elbe bei Mühlberg. Die neue Elbebrücke, wegen der besonderen Konstruktion des Mittelpfeilers auch das „Auge von Mühlberg“ genannt, hat im Dezember 2008 mit Freigabe die Gierseilfähre abgelöst. Bereits in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts gab es Bestrebungen, eine Brücke bei Mühlberg zu bauen, denn 45 Kilometer liegen zwischen Torgau und Riesa. Die Elbe konnte nur mit der Fähre überwunden werden, die bei Niedrig- und Hochwasser oft nicht fuhr. Sogar ein Brückenbau-Verein hatte sich gegründet. Aber erst 100 Jahre später wurde der Traum von einer Brücke Realität.

Am Freitag hatten Besucher Gelegenheit, aus Anlass des Jubiläums zum ersten Mal in den „Bauch der Brücke“ – eine Kombination aus Stahlverbund- und Spannbetonbrücke  – zu klettern. Und wie haben sie gestaunt! Dass der innere „Stahlkasten“, auf dem die Fahrbahn liegt, so groß  ist, haben sie nicht erwartet. Was allerdings zuerst auf auffällt, ist das laute Rumpeln, wenn vor allem Lkw beidseitig über die Brückenanschlüsse rollen. Mehrere hundert Meter Wartungsstege aus Stahl führen durch das Brückeninnere. Alle drei Jahre, so Manfred Ragotzky, Sachgebietsleiter im Landesbetrieb Straßenwesen Cottbus, gibt es eine kleine – alle sechs Jahre eine große Brückenprüfung. Auf einhundert Jahre Haltbarkeit ist der Brückenbau ausgelegt. Der Brückenexperte berichtet im kurzen Abriss von der Planung der Brücke bis zu ihrer Fertigstellung, erinnert an die schwierige Bauphase, als gleich zweimal Elbe-Hochwasser die Gründungsarbeiten an den Strompfeilern zum Erliegen brachte.

Spannend war auch der Bau des Mittelpfeilers – ein sogenannter Stummelpfeiler mit Schrägstielen – der so erstmals ausgeführt wurde. Der hohe Anteil an Bewehrungsstahl ließ herkömmliche Betonverdichtungsverfahren nicht zu. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde ein exakt gleich gestaltetes Probestück des Betongelenks gefertigt und zersägt. Die Besucher sind beeindruckt – von den Spannseilen ebenso wie von der Sauberkeit im „Stahlkasten“.

 Erläuterungen vor dem Gang ins Innere der Brücke. Manfred Ragotzky vom Landesbetrieb Straßenwesen kennt die wichtigsten Eckdaten des Bauwerks.
Erläuterungen vor dem Gang ins Innere der Brücke. Manfred Ragotzky vom Landesbetrieb Straßenwesen kennt die wichtigsten Eckdaten des Bauwerks. FOTO: LR / Frank Claus

Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel hat zu dem besonderen Termin auch inzwischen im Ruhestand befindliche Fachleute von einst eingeladen, so den damaligen Planungschef des Landesbetriebes, Frank-Dieter Manteufel, und den einstigen Dezernatsleiter Wolfhart Patrik. Letzterer weiß, dass Mühlbergs Elbebrücke mit zwei „Augen“ – eines auf jeder Stromseite – eigentlich anstelle der heutigen ­Waldschlösschenbrücke in Dresden gebaut werden sollte. Der sächsische Stadtrat aber habe einem anderen Entwurf den Vorrang gegeben.

Und hat die Mühlberger Elbebrücke die Erwartungen erfüllt? Was die Fahrzeugfrequenz betrifft, ist sie vergleichsweise eher gering genutzt. Für Hannelore Brendel bleibt sie ein Glücksfall. „Wir haben jetzt 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr eine Verbindung nach Sachsen und da besonders in Richtung Torgau und Riesa.“ Ihre sächsische Amtskollegin, Eike Petzold, Bürgermeisterin der 7800 Einwohner zählenden Stadt Belgern-Schildau, bestätigt das. „Die Brücke hat uns viel näher zusammengebracht. Sie ist von Vorteil für die Bürger, für Unternehmen, Einrichtungen und Vereine.“ Monika und Günter Thiele, Einwohner von Mühlberg, bestätigen das. „Wir fahren jetzt viel schneller mal nach Sachsen, in die Dahlener Heide oder nach Torgau. Wir möchten die Brücke nicht mehr missen.“

 10 Jahre Elbebrücke Mühlberg Das "Auge von Mühlberg" - Blick ins Innere der im Dezember 2008 übergebenen Brücke über die Elbe bei Mühlberg.
10 Jahre Elbebrücke Mühlberg Das "Auge von Mühlberg" - Blick ins Innere der im Dezember 2008 übergebenen Brücke über die Elbe bei Mühlberg. FOTO: LR / Frank Claus
 10 Jahre Elbebrücke Mühlberg Das "Auge von Mühlberg" - Blick ins Innere der im Dezember 2008 übergebenen Brücke über die Elbe bei Mühlberg.
10 Jahre Elbebrücke Mühlberg Das "Auge von Mühlberg" - Blick ins Innere der im Dezember 2008 übergebenen Brücke über die Elbe bei Mühlberg. FOTO: LR / Frank Claus
 Was so einfach strukturiert aussieht, ist feinster ingenieurtechnischer Brückenbau. Ein Blick auf den mehrere Hundert Meter langen Kontrollsteg im „Bauch“.
Was so einfach strukturiert aussieht, ist feinster ingenieurtechnischer Brückenbau. Ein Blick auf den mehrere Hundert Meter langen Kontrollsteg im „Bauch“. FOTO: LR / Frank Claus
 Die dicken Spannseile im Brückeninneren faszinieren ebenso wie die Ausmaße der Hohlkörpers, auf dem die Fahrbahn samt Rad- und Gehweg sowie Vogelschutz-Fenstern liegt.
Die dicken Spannseile im Brückeninneren faszinieren ebenso wie die Ausmaße der Hohlkörpers, auf dem die Fahrbahn samt Rad- und Gehweg sowie Vogelschutz-Fenstern liegt. FOTO: LR / Frank Claus