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| 18:49 Uhr

Ein Clou für Elbe-Elster
Der 0-Euro-Schein geht durch die Decke

So sieht er aus, der 0-Euro-Schein für den Erhalt des Schlosses Martinskirchen. Er wird im Schloss für zwei Euro angeboten und ist auf 5000 Stück limitiert.
So sieht er aus, der 0-Euro-Schein für den Erhalt des Schlosses Martinskirchen. Er wird im Schloss für zwei Euro angeboten und ist auf 5000 Stück limitiert. FOTO: Simone Mägel / LR
Martinskirchen. Der Souvenir-Schein, der sich wie ein echter Euro-Schein anfühlt und auch so aussieht, hält Sammler auf Trab – und erreicht nun zum ersten Mal Brandenburg: Das Barockschloss Martinskirchen (Elbe-Elster) wird ihn ab Ende April ausreichen. Von Frank Claus

Der Kölner Dom hat ihn, das im Wiederaufbau befindliche Berliner Stadtschloss ebenso wie die Schlosskirche in Wittenberg. In der Burg Kriebstein und im „Aschenbrödel-Schloss“ Moritzburg in Sachsen ist er längst vergriffen. Und nun kommt er zum ersten Mal nach Brandenburg – in den kleinen Mühlberger Ortsteil Martinskirchen mit seinem großen Schloss: der 0-Euro-Souvenir-Schein.

Vorder- und Rückseite des 0-Euro-Scheins

In Martinskirchen hat Graf Friedrich Wilhelm von Brühl zwischen 1754 bis 1756 vom Dresdener Architekten Friedrich August Krubsacius (Schüler von Architekt und Baumeister Knöffel) ein Jagd- und Lustschloss erbauen lassen. Heute ist es im Besitz der Gemeinde, die mit dem Erhalt jedoch überfordert ist. Deshalb will ein rühriger Förderverein mit 0-Euro-Scheinen, von denen es in Deutschland bereits 142 Exemplare mit den Ansichten bedeutender Bauwerke und touristischer Attraktionen gibt, Geld einspielen. Die Chancen sind ausgesprochen gut.

Das große Deckengemälde aus dem über beide Obergeschosse reichenden ovalen Marmorsaal, dem „Herzstück“ des Schlosses.
Das große Deckengemälde aus dem über beide Obergeschosse reichenden ovalen Marmorsaal, dem „Herzstück“ des Schlosses. FOTO: Frank Hilbert

Der 0-Euro-Souvenir-Schein hat etwa die Größe des bekannten 20-Euro-Scheins, wird auf echtem Eurowertpapier gedruckt und bedurfte einer Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB). Erfinder ist der Franzose Richard Faille, der zunächst Gedenkmedaillen herstellte und ab 1995 die 0-Euro-Schiene entwickelte. Zuerst wurden sie in Frankreich und Monaco verkauft, inzwischen sind sie als touristisches Mitbringsel und von Sammlern in Deutschland, Belgien, Spanien und sogar in Übersee gefragt.

Gedruckt in der französischen Wertpapierdruckerei Oberthur ist der Souvenir-Schein kein offizielles Zahlungsmittel, doch hat er die gleichen Sicherheitsmerkmale wie die „richtigen“ Euroscheine. Wasserzeichen, Kupferstreifen, Hologramm, Durchsichtregister, Mikroschrift, UV-Sicherung und eine einzigartige individuelle Seriennummer machen den Schein zum echten Erlebnis. „Sie müssen den Schein fühlen und ihn gegen das Licht halten. Sie werden fasziniert sein“, sagt Matthias Müller, der in Ettlingen bei Karlsruhe einen Münzhandel betreibt und auch von enormer Nachfrage nach den Scheinen spricht.

Bestätigen kann das Ulrike Peter, Marketingchefin in der Schlösserland Sachsen gGmbH. Im Nachbarbundesland haben gleich mehrere Schlösser den Schein angeboten, vielfach ist er vergriffen. „Damit konnte nicht nur Geld für den Betrieb und Erhalt der Schlösser eingespielt werden, vielfach hat der 0-Euro-Schein auch zu einer Erhöhung der Besucherzahlen geführt“, sagt Ulrike Peter. Hendrik Klein, Pressesprecher im Märkischen Kreis (NRW), der Partnerkreis von Elbe-Elster ist, berichtet, dass in gleich drei touristischen Sehenswürdigkeiten der Schein angeboten wurde: „Überall ging er durch die Decke und ist dort ausverkauft.“

Diese Erwartungen hegt auch die Vorsitzende des Martinskirchener Schloss-Fördervereins, Kathrin Degen. „Wir sind nicht so bekannt wie die großen Schlösser, liegen auch etwas abseits. Deshalb haben wir die Idee eines unserer Mitglieder, der die Effekte, die der 0-Euro-Schein erzielen kann, bereits kannte, sofort für gut befunden.“ Zum Blütenfest am Schloss am 28. April, so das Ziel, soll der Martinskirchener 0-Euro-Schein zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Auf der Vorderseite ist das dreiflügelige Barockschloss Martinskirchen mit Fassaden im französischen Klassizismus, der Ehrenhof und darüber im lichten Wolkenhimmel die thronende Göttin Diana mit ihrem Jagdgefolge zu sehen. Dieses ist ein Teil des großen Deckengemäldes aus dem über beide Obergeschosse reichenden ovalen Marmorsaal, dem „Herzstück“ des Schlosses.

Die Rückseite des Scheines ist mit europäischen Sehenswürdigkeiten gestaltet. Links unten das Brandenburger Tor in Berlin, darüber der Turm von Belem in Lissabon, ganz groß in der Mitte der Pariser Eiffelturm, darunter das Kolosseum in Rom, rechts die Basilika Sagrada Família in Barcelona und davor die Brüsseler Brunnenfigur „Manneken Pis“. Im Jahr 2017 hat es übrigens eine Korrektur der Rückseite gegeben. Wegen des Brexits ist der Londoner Big Ben herausgefallen.

Die Auflage des 0-Euro-Souvenir-Scheins „Barockschloss Martinskirchen“ ist auf 5000 Stück limitiert, so bleiben die Scheine nicht nur für Sammler interessant. Um die Scheine überhaupt zu bekommen, musste der Verein in Vorkasse gehen, um die Produktionskosten zu decken. „Eines unserer Mitglieder hat uns dabei unterstützt“, so Kathrin Degen.

Zum Blütenfest soll das hochwertige Souvenir im Schloss zu zwei Euro je Stück angeboten werden. Abgegeben werden pro Person an diesem Tag nur maximal fünf Scheine.