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| 17:07 Uhr

Braunkohlebergbau
Die Zeit nach der Braunkohle

Annalena Baerbock im Juni 2018 bei der Besichtigung des künftigen Cottbuser Ostsees. Rechts Ingolf Arnold, Chefgeotechniker der Leag.
Annalena Baerbock im Juni 2018 bei der Besichtigung des künftigen Cottbuser Ostsees. Rechts Ingolf Arnold, Chefgeotechniker der Leag. FOTO: LR / Wendler
Annalena Baerbock, Parteichefin der Grünen, besichtigte kurz vor dem Start der Kohlekommission den künftigen Ost-See. Vorher sprach sie mit dem Leag-Vorstand. Von Simone Wendler

Das Wetter schlug gerade um, als Annalena Baerbock sich vor wenigen Tagen am Südrand des künftigen Ost-Sees eine Jacke überzog und ihre Pumps gegen Turnschuhe tauschte. Dann ging es, trotz einsetzenden Regens auf den Aussichtsturm Merzdorf. Von hier oben und später bei einer Fahrt rund um den ehemaligen Tagebau Cottbus-Ost erklärt Ingolf Arnold den mehrjährigen Umbau der ehemaligen Grube zum Freizeitgewässer. Arnold ist Leiter Geotechniker des Bergbauunternehmens Leag und mit allen Details dieses Weges vertraut.

Der Besuch der Parteichefin der Grünen am Rande des Ende 2015 stillgelegten Tagebaus ist an diesem Tag nur Beiwerk ihrer Reise nach Cottbus. Bevor sie den Merzdorfer Aussichtsturm bestieg, führte Baerbock Gespräche beim Cottbuser Oberbürgermeister und mit dem Vorstand des Lausitzer Energiekonzerns Leag.

Bei der Barbarafeier der Leag-Kumpel im Dezember 2017 war Baerbock wegen ihrer Braunkohle-Ausstiegsforderungen in den zum Schluss dann doch noch gescheiterten Jamaika-Verhandlungen ausgeladen worden. Viele Mitarbeiter sehen Gespräche der Unternehmensspitze mit der Grünenpolitikerin bis heute mit Skepsis.

Über den Inhalt des jetzt stattgefunden Treffens mit dem Leag-Vorstand will Baerbock nichts sagen: „Das ist vertraulich.“ Doch das Thema liegt auf der Hand. Am heutigen Dienstag trifft sich in Berlin zum ersten Mal die „Kohlekommission“, die offiziell „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ heißt. Das Gremium soll sich nach dem Willen der Bundesregierung sowohl um Klimaschutz aber auch um die Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Kohleregionen kümmern und einen Ausstiegspfad aus dem Kohlestrom aufzeigen.

Für die Lausitz bedeutet das Förderung von Infrastruktur und Jobs, vielleicht sogar die Schaffung gänzlich neuer Beschäftigungsfelder, aber auch den Verlust von Tausenden gut bezahlter Industriejobs in Tagebauen und Kraftwerken. Und ganz entscheidend ist die Frage, wie schnell das alles geht. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) sieht keinen Ausstieg vor 2030 und erklärte am Wochenende, dass zuerst über Jobs und Strukturwandel gesprochen werde müsse.

Für Annalena Baerbock und ihre Partei steht dagegen ein fester Ausstiegsplan aus dem Braunkohlestrom im Vordergrund. Schon im Mai forderte sie, Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von sieben bis zehn Gigawatt zügig abzuschalten. Das entspricht etwa der Hälfte der derzeit in Betrieb befindlichen Braunkohlekraftwerke in Deutschland.

„Die Lausitz muss klarer und lauter sagen, was sie will“, so Baer­bock auf die Frage, was denn für den Strukturwandel aus ihrer Sicht vor allem  nötig wäre. Dann zählt sie Dinge auf, die in den vergangenen Wochen nicht nur von ihr schon öfter zu hören waren: Ausbau der Bahnverbindung von Cottbus nach Berlin und Dresden, Ansiedlung einer Bundesbehörde in der Lausitz und eines Frauenhoferinstitutes (siehe Info-Box). Für Baerboch steht auch schon das Forschungsthema dafür fest: Sektorenkopplung, ein Kernbereich der Energiewende.