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Zwischen Tradition und Fortschritt

SPD-Kandidat Karsten Schreiber
SPD-Kandidat Karsten Schreiber FOTO: Hofmann
Kolkwitz. Karsten Schreiber geht für die SPD als Nachfolger des bisherigen Bürgermeisters der Großgemeinde Kolkwitz, Fritz Handrow (CDU), ins Rennen. Die Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins wählte den 45-Jährigen im April zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Rüdiger Hofmann

Die Wahl um das Amt findet am Tag der Bundestagswahl am 24. September statt. Die RUNDSCHAU hat Karsten Schreiber im Vorfeld besucht.

Etwa ein Jahr hat Karsten Schreiber überlegt, ob er sich für das Bürgermeister-Amt aufstellen lassen will. Ende 2016 fasste er den Entschluss, stimmte ihn in der Familie ab, wurde anschließend von der SPD-Ortsgruppe aufgestellt und im April 2017 nominiert.

"Das ist keine Überlegung, die man über Nacht fällt", sagt Schreiber, der um die großen Fußstapfen des noch amtierenden Bürgermeisters Fritz Handrow (CDU) weiß. Doch bei aller Wertschätzung für seinen Vorgänger hat Schreiber als Unternehmer gelernt, seinen eigenen Weg zu finden. Kolkwitz ist mit 17 Ortsteilen gut aufgestellt, eine Leistung der Bürger, Unternehmen, Verwaltung und des Bürgermeisters, bewertet Schreiber die Ausgangssituation.

Sollte der 45-Jährige gewählt werden, will er in erster Linie "Dienstleister für den Bürger, also einer von uns", sein. "Man wird gewählt, um zu vertreten", sagt der gelernte Schuhmacher. Wie, das lässt er im Laufe des Gesprächs durchblicken. Da ist zum einen die Einrichtung einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, die laut Schreiber schnellstmöglich realisiert werden müsse. Da sind zum anderen die derzeit nicht eingebundenen Bahnhaltepunkte in den Ortsteilen Kolkwitz und Kunersdorf. Schreiber plädiert für die Haltepunkte, die das Wohnen in Kolkwitz attraktiver machen würden. "Hier unterstütze ich die Aktivitäten der Bürgerinitiative auf allen politischen Ebenen." Dass er SPD-Mitglied ist, sieht er bei diesem Thema von Vorteil. "So kann ich bei Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider auch mal etwas politischen Druck aufbauen", sagt Schreiber.

Zudem will der 45-Jährige darauf achten, dass der Haushalt der Gemeinde Kolkwitz "nur so viele Verwaltungskosten wie nötig, aber so viele Investitionen wie möglich" enthält. Dabei spricht er die Förderung des Wohnungsbaus privater Unternehmen ebenso an wie das Ausweisen kommunaler Bauflächen zur Errichtung von bezahlbaren Wohnungen.

Beim Thema Kreisreform hat Karsten Schreiber eine eindeutige Meinung. "Ich bin gegen diese Reform, da sie nicht ausgegoren ist." Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) "drücke die Reform auf Teufel komm raus durch". Es wurde laut Schreiber versäumt, Fehler einzugestehen. Nun würde am Bürger vorbei entschieden. Schreibers Aussagen sind nicht hochtrabend. Man merkt, dass er sich nicht verbiegen lassen will. Das Bürgermeisteramt sei für ihn kein Parteiamt.

Gewinnt Schreiber die Wahl am 24. September, würde er künftig vor allem auch die Vereine unterstützen. "Traditionsvereine erhalten die Identität des Ortes", sagt der in seiner Freizeit selbst aktiv bei Kolkwitz und Papitz spielende Fußballer. Apropos Tradition: Schreiber beabsichtigt auch die Realisierung eines Heimatmuseums für die Großgemeinde. Den dörflichen Charakter bewahren, ohne aber wirtschaftliche Dinge aus den Augen zu verlieren. "Ich möchte gern einen Unternehmerstammtisch wiederbeleben, damit sich Unternehmen und wichtige Akteure in Kolkwitz und Umland gut vernetzen können", so Schreiber. Zugleich soll die Jugendarbeit weiter gefördert werden, denn die Heranwachsenden im Ort zu halten, sei eine enorme Herausforderung.

Zum Thema:
Karsten Schreiber ist Kolkwitzer, verheiratet und hat einen 23-jährigen Sohn und eine 18-jährige Tochter. Als gelernter Schuhmacher erhält der 45-Jährige die Tradition eines Kolkwitzer Familienunternehmens und ist zugleich in der Postagentur des Ortes unternehmerisch tätig. Seit 2004 ist er Mitglied der Kolkwitzer Gemeindevertretung, seit 2013 Mitglied im Finanzausschuss. Schreiber engagiert sich zudem in den Fußballvereinen Kolkwitz und Papitz. Er wandert gern in seiner Freizeit und ist leidenschaftlicher Radfahrer.