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| 02:33 Uhr

Zwischen Brunschwig und Stadt

Im Jahr 1905 hieß die Straße noch schlicht Promenade.
Im Jahr 1905 hieß die Straße noch schlicht Promenade. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch ruft die Geschichte der Puschkinpromenade in Erinnerung. Sie kommentiert eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

"Cottbus N.-L., An der Promenade", so steht es auf der Ansichtskarte, die am 24. Februar 1905 geschrieben wurde. Die Promenadenstraße, wie sie um 1880 genannt wurde, ab 1892 nur noch Promenade, verlief seinerzeit von der Wallstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) bis zur Spreestraße (heute Am Spreeufer). Sie war die nördliche Begrenzung zur Cottbuser Altstadt. Erst seit den Jahr 1949 trägt die Straße den Namen Puschkinpromenade - nach dem russischen Dichter Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799 bis 1837).

Ursprünglich war dieser Verbindungweg wohl die kürzeste Strecke für die Bewohner von den drei Teilen Brunschwig, um außerhalb der Cottbuser Stadtbefestigung zur Spree und zur Sandower Brücke zu gelangen. Die Südseite der Promenade gehörte zu Cottbus. Hier befanden sich Reste des äußeren Stadtgrabens, der aufgeworfene Erdwall alleeartig mit Bäumen bepflanzt, der innere Stadtgraben und die Erdaufschüttung zur Stadtmauer. Auf der Nordseite, die zu Brunschwig gehörte, standen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenige Gebäude.

Das vermutlich älteste Bauwerk dürfte das Gartenhaus des Tuchfabrikanten Lutze (Nr. 15 im Hintergrund des Grundstückes) sein. Ferner müssen in der Ecke Zimmerstraße 1 und 2 noch Reste des alten Vorgängerbaus stecken, dem Gasthof "Zum blauen Anker". Außerdem besaß der Hofrat Wilke ein Fachwerkgebäude.

Um 1835 errichtete der Tuchfabrikant Lutze auf seinem Grundstück an der Zimmerstraße seine Tuchfabrik. Erst mit dem Erwerb von Grundstücken von der Stadt im Jahr 1861 zum Bau eines Gymnasiums wurden Grundstücke planmäßig angelegt und bebaut. Die Schule wurde zwischen 1865 und 1867 errichtet.

Die Ansichtskarte zeigt den eingefriedeten Vorgarten des Gymnasiums am Abzweig in die heutige Dreifertstraße, die damals Gymnasialstraße hieß. Sie trug um 1861 noch den Namen des dortigen Grundstückeigentümers, des Tuchfabrikanten und zeitweiligen Stadtrats Johann Tutewohl. Außerdem sind auf der Postkarte die Häuser der Grundstücke Promenade 7, 8 und 9 gut zu erkennen. Mit Ausnahme des modernen Wohnhauses Puschkinpromenade 7 ist die historische Bebauung mit Vorgärten bis heute erhalten geblieben.

Eigentümer und Bauherr der Nr. 7 war einst der Rechtsanwalt Theodor Frommer. Er ließ an seinem um 1870 errichteten Wohnhaus noch 1878 nach Osten einen Seitenflügel anbauen. Somit sah das ganze Gebäude symmetrisch aus. Es war entlang der Promenade neun Achsen breit und zwei Etagen hoch.

Die mittlere Achse war der Hauseingang, überdacht durch einem darüber befindlichen Balkon. Dieser wurde von zwei Stützen getragen. Zwei Säulen betonten den Eingang. Der Balkon war ebenfalls überdacht. Die zwei Dachstützen waren jeweils mit einer Figur geschmückt. Das Ganze sah sehr gefällig aus, zumal vom Grundstückseingang ein breiter Weg durch den eingezäunten Vorgarten zum Hauseingang führte, der über einige Stufen erreicht werden konnte.

Iin den 1890er-Jahren ging das Grundstück an Ernst Trauschke über. Er war Kaufmann und Stadtrat in Cottbus. In seinem fast vollendeten 83. Lebensjahr verstarb er im Jahr 1912. Er hinterließ sechs Kinder und fünf Enkel. Eine Enkeltochter dürfte noch manchem Cottbuser gut in Erinnerung sein. Es war die Lehrerin Käthe Weiland, die selbst noch im hohen Alter privat Unterricht erteilte: Englisch, Französisch und Latein. Selbst einige Messeaussteller ließen sich bei ihr in der geforderten Fremdsprache auf die Sprünge helfen. Sie wohnte in den 1950er und 60er-Jahren in der Puschkinpromenade 7. Im Besitz der Familie Trauschke war das Haus viele Jahrzehnte.

Um 1960 wechselten die Eigentümer. Fehlendes Reparaturmaterial führte letztlich zum Auszug der Mieter. Das Haus stand jahrelang leer und verkam so sehr, dass es abgerissen werden musste.

In den Jahren 2008 und 2009 entstand an der Stelle nach den Entwürfen der Architekten Frank Zimmermann und Uwe Ramisch die heute auf diesem Grundstück stehende moderne Stadtvilla.

An der Stelle des Fabrikanten-Gebäudes steht heute eine moderne Stadtvilla.
An der Stelle des Fabrikanten-Gebäudes steht heute eine moderne Stadtvilla. FOTO: Dora Liersch/dli1