Einst schützte sie die Cottbuser. Heute umfasst die Stadtmauer das Herz von Cottbus - die Altstadt. Das Gemäuer ist ein bedeutender Teil der Historie und ein echter Hingucker. Derzeit tut sich eine ganze Menge entlang des Baus. Die alte City-Wache in der Mauerstraße ist derzeit eine Baustelle. Im Jahr 2007 war die Wache ausgezogen, 2012 folgte schließlich auch die Beratungsstelle der Polizei. Seither stand das Gebäude leer. Jetzt haben sich die beiden Cottbuser Andreas Günther und Jimmy Gurmali des Baus angenommen. "Das wird ein Wohn- und Geschäftshaus", erzählt Andreas Günther. Zehn Wohnungen entstehen darin. "Wir wollen im Juni mit den Bauarbeiten fertig sein." Darüber hinaus gebe es Ideen für weitere Investitionen gleich nebenan. Da die Verträge dafür noch nicht unter Dach und Fach seien, wird der Cottbuser nicht genauer. "Aber wir spüren in jedem Fall eine enorme Unterstützung vonseiten der Stadt", betont Günther.

Unweit dieser Baustelle befindet sich schon die nächste. Im ehemaligen "Stadttor" wird derzeit der "Club with no name" ausgebaut. Dort soll demnächst House-Musik von den britischen Inseln gespielt werden - inklusive neuem Soundsystem. Der Club will etwas Besonderes sein: Es gibt kein Eröffnungsdatum, keine Werbung und die Tür entscheidet, wer rein darf. Man will viel mehr Club als Discothek sein. Damit wollen die Macher neue Akzente setzen. Trotzdem müssen sie auch das Alte achten. Der Schriftzug "Stadttor" soll wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren.

Gleich neben dem Club-Eingang hat die Stadtmauer einen Bauch bekommen. Den stützen derzeit mehrere Streben ab, damit das Gemäuer an der Stelle nicht einstürzt. Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärt: "Ein Gutachter sucht nach der Ursache für die Auswölbung." Noch im April soll das Ergebnis vorliegen, dann könne der Schaden beseitigt werden. "Teile der Stadtmauer stammen aus dem 15. Jahrhundert", fügt er an.

Es gibt noch eine zweite Problemzone. Am Puschkinpark betätigen sich immer wieder Sprayer. Das Teehäuschen hat erst vor dreieinhalb Wochen eine Frischekur erhalten und ist schon wieder kunterbunt beschmiert und mit obszönen Sprüchen verunstaltet. Die Stadtmauer ist in dem Abschnitt ebenfalls mit bunter Farbe überzogen. Das ärgert Gottfried Lindner, Bürgvereinschef Stadtmitte. "Wir wollen die Anwohner sensibilisieren, damit sie auf ihre Stadt achten und auch mal den Hörer in die Hand nehmen, wenn sie solche Schmier-Aktionen beobachten." Aus dem Immobilienamt kommt derweil das Versprechen, dass es noch in diesem Jahr eine Reinigung geben wird. Kostenpunkt: etwa 25 Euro brutto je Quadratmeter. Da sind schnell ein paar Tausender zusammen, die dann an anderer Stelle fehlen. "Der Postkutscher läuft mit seinen Gästen hier lang und es sieht hier so aus", empört sich Lindner.

Ganz anders in dem Abschnitt zwischen Stadtwächter und Stadttor: Dort setzen seit dem Jahr 2014 Scheinwerfer den historischen Bau nachts in Szene. Gabi Grube vom Stadtmarketingverband wünscht sich noch eine Erweiterung: "Schön wäre es, wenn wir den Pückler von Moritz Götze auch noch anleuchten könnten." Die Skulptur ist im Frühjahr in die Stadtpromenade gezogen.