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| 09:04 Uhr

Mit VIDEO: Zweispänner-Weltmeisterschaft in Drebkau
Der Kampf um die Medaillen beginnt

 Zweispaenner
Zweispaenner FOTO: LR / Schubert
Drebkau . Bei der Weltmeisterschaft der Zweispänner in Drebkau geht die Weltelite des Fahrsports an den Start. Vier Jahre lang wurde dies geplant. 84 Gespanne aus 24 Nationen gehen ab 12. September an den Start. Von Andrea Hilscher

Vier Jahre hat die Planung gedauert, jetzt ist aus den Ideen von damals Wirklichkeit geworden. Vier riesige Stallzelte sind mit  insgesamt 286 Pferden belegt. Im Fahrerlager parken die Lkw von 84 Gespannen aus 24 Nationen – so viele Teilnehmer gab es noch bei keiner Zweispännerweltmeisterschaft vorher.

Die Teilnehmerliste reicht von Argentinien über Australien, Kroatien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweiz, Südafrika bis USA. Das Sprachengewirr ist babylonisch. Wo gibt es Stromanschlüsse? Hat jemand den Futtermeister gesehen? Wo ist das Trainingsgelände? Man verständigt sich auf Englisch, Französisch, Ungarisch oder eben einfach mit Händen, Füßen und einem Lächeln.

Die Gäste, die sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben, finden sich schnell zurecht auf dem Turniergelände in Drebkau. Gegen den Regnen wappnen sie sich mit Gummistiefeln und Regenmänteln, die zahlreich mitgebrachten Hunde suchen sich lieber ein trockenes Plätzchen im Wohnanhänger.

„Es ist einfach wunderschön hier“, schwärmt Francesco Aletti Montano (63). Der Künstler aus Italien freut sich auf die kommenden Tage. „Für mich ist es ein großes Vergnügen, hier teilnehmen zu können.“ Für ihn geht es nicht um Medaillen, er will seinen Spaß haben. „In der Dressur liegt meine Stärke. Für den Marathon bin ich nicht mehr jung genug, außerdem ist mir mein Bauch im Weg“, sagt er lächelnd. Zusammen mit ihm ist Joszef Dibak angereist, er startet ebenfalls unter italienischer Flagge und gehört zu den besten Fahrern Europas.

In diese Kategorie fällt auch Sandro Koalick vom gastgebenden Verein. Als zweifacher deutscher Meister kann er sich Hoffnungen auf eine Medaille machen. Ob er nur als Einzelfahrer startet oder mit seinen Spitzenpferden Don Qui Chot, Fasco und Hertog Jan auch ins chancenreiche deutsche Team darf, entscheiden die Bundestrainer am Mittwoch nach dem Vet-Check (Tierarztkontrolle). Ambitionen auf den Teamstart haben sicher auch Lars Schwitte aus Stadtlohn (Münsterland), Anna Sandmann (Emsland) oder Sebastian Warneck, Staatsanwalt in Berlin.

Zu den schärfsten Konkurrenten der deutschen Starter gehört Ungarn mit seinem Titelverteidiger Martin Hölle. Ungarn konnte 2017 im slowenischen Lipica die Goldmedaille vor Deutschland und Frankreich gewinnen. In der Einzelwertung wurde damals Sebastian Warneck Vize-Weltmeister.

Seit Montag können sich die Fahrer mit dem Gelände in Drebkau vertraut machen, ihre Pferde bewegen und die Gespanne für die unterschiedlichen Disziplinen noch einmal auf Hochglanz polieren. Die Fahrer hüten ihre Gespanne: Selbst in der Sparvariante haben die Kutschen den Wert eines Mittelklassewagens. „Der Transport ist da noch nicht mal eingerechnet“, sagt Tanja Anson vom Organisationsteam.

Entscheidend ist aber vor allem die Qualität und das Wohlergehen der Pferde. Turnierchef und WM-Fahrer Torsten Koalick sagt: „Unsere Pferde sind uns unglaublich wichtig. Wir sorgen täglich für ihr Wohlbefinden.“ Optimale Futterauswahl, Stallhygiene, tägliche Bewegung und angemessenes Training sind das A und O eines erfolgreichen Teams. „Der beste Fahrer ist ohne gute Pferde nichts“, sagt Sandro Koalick.

Und was zeichnet einen guten Fahrer aus? Er lächelt. „Talent.“ Es brauche eben dieses Talent und viel hartes Training, damit die Pferde ihrem Fahrer in jeder Situation vertrauen. Sie müssen auf kleinste Signale in Sekundenbruchteilen reagieren – und dabei perfekt aufeinander abgestimmt sein, um möglichst synchron zu laufen. Die Zuschauer, die ab Donnerstag die ersten Wettkämpfe zu sehen bekommen, erwartet erstklassiger Sport: die elegante Dressur, der waghalsige Marathon und das temporeiche Hindernisfahren.

Neben und nach den sportlichen Höhepunkten hat das Organisationsteam ein üppiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Rund 15 000 Besucher werden in den kommenden Tagen in Drebkau erwartet. Turnierchef Torsten Koalick: „Wir machen das alles hier nicht nur für unser Vergnügen und unseren Sport, wir wollen auch der Region etwas zurückgeben. Es ist doch toll, wenn die Lausitz durch die WM populärer wird, außerdem machen viele Firmen gute Umsätze mit der WM.“ Die Eröffnungsveranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Landrat Harald Altekrüger (CDU).