ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:28 Uhr

Zweispänner-Weltmeisterschaft
Die Macher von Drebkau

 Gewohntes Bild beim Fahrsport: Sandro Koalick (l.) und sein Vater Torsten bei einer Siegerehrung.
Gewohntes Bild beim Fahrsport: Sandro Koalick (l.) und sein Vater Torsten bei einer Siegerehrung. FOTO: privat
Drebkau. Die Unternehmerfamilie Koalick setzt wirtschaftlich und sportlich Akzente in der Region. Sie generiert Millionenumsätze und ist Ausrichter einer WM. Von Andrea Hilscher

Das Firmengelände der Koalick GmbH liegt im Norden von Drebkau (Spree-Neiße), abseits der Straße in einem kleinen Waldstück. Von dem Bürogebäude auf mächtige Recycling- und Aufbereitungsmaschinen. „Bitte Schuhe abtreten“ steht vor dem Eingang des Bürogebäudes. Der Besucher spürt: Ordnung wird hier groß geschrieben. „Stimmt“, bestätigt der Unternehmensgründer Torsten Koalick lächelnd. „Ordnung kostet nichts, liegt uns aber allen sehr am Herzen.“ Perfektion gehört zu den Zielen, die er sich immer wieder neu setzt. Diesen Ehrgeiz hat er auch seinem Sohn Sandro (35) mitgegeben. Der soll in einigen Jahren die Firmengruppe übernehmen, deren Ursprung in den ersten Nachwendejahren liegt.

Startschuss mit drei Mitarbeitern

Torsten Koalick, gelernter Maschinenbauer, hatte schon zu DDR-Zeiten den Drang, sich selbstständig zu machen. Nach der Wende bot ihm der damalige Drebkauer Bürgermeister Siegfried Bauer an: „Jetzt kannst Du loslegen.“ Koalick stellte einen formlosen Antrag und war fortan für die Entsorgung des Drebkauer Mülls zuständig. Damals mit nur drei Leuten, heute ist daraus eine Gruppe von fünf Firmen mit insgesamt 150 Mitarbeitern geworden. Der Umsatz? „Einige Millionen sind es schon.“

 Queen Elizabeth lässt sich von dem Drebkauer Sandro Koalik die Hand schütteln.
Queen Elizabeth lässt sich von dem Drebkauer Sandro Koalik die Hand schütteln. FOTO: hippoevent.at/Swingletree Photography GBR

In der Geschäftsführung sitzt auch Kerstin Koalick, Mutter von Sandro. Torsten Koalick sagt. „Wir harmonieren sehr“, sagt er. „Warum sollten wir da nach einer Trennung auseinanderlaufen? Er selbst hat mit einer Lebensgefährtin Tanja Anson einen inzwischen elfjährigen Sohn. „Der ist ein bisschen so wie ich früher“, erzählt Sandro Koalick. „Er Interessiert sich nicht wirklich für die Pferde.“

Vater setzt auf Pferde- statt Motorsport

Auch er selbst habe zunächst keinen Spaß an den Vierbeinern gehabt. Pferdestärken fand er nur spannend, wenn sie unter Motorhauben verpackt waren. Sein Vater dagegen war schon zu DDR-Zeiten mit Kutschpferden in Berührung gekommen – in der Landwirtschaft. Nach der Wende sei er dann Kremser und Kutsche gefahren, Römerwagen und irgendwie alles, was sich anspannen ließ.

 Zwei in guter Form: Turnierleiter Torsten Koalick, mit seinem Zweiergespann selbst Fahrer beim Turnier, führt sein Pferd bei der Verfassungsprüfung Richtern und Tierärzten vor.
Zwei in guter Form: Turnierleiter Torsten Koalick, mit seinem Zweiergespann selbst Fahrer beim Turnier, führt sein Pferd bei der Verfassungsprüfung Richtern und Tierärzten vor. FOTO: Frank Hammerschmidt

„Da war es fast zwangsläufig, dass ich beim Sport gelandet bin“, sagt Torsten Koalik Denn auch hier strebt er nach Perfektion, nach Leistung, nach Erfolg. „So bin ich, so ist Sandros Mutter, so ist Sandro. Wir wollen vorne mitspielen, im Geschäftlichen wie im Sportlichen.“ Der Unternehmer und frühere Landesmeister ist bis zur Klasse S erfolgreich.

Sandro Koalick hat nach der Schule seine Ausbildung im Familienbetrieb absolviert, übernimmt nach und nach immer größere Aufgabenbereiche. Dass er letztlich Geschmack am Fahrsport gefunden hat, daran hatten die Bitten des Vaters, hervorragende Pferde und eine gehörige Portion Talent ihren Anteil. Heute gehört Sandro Koalick als amtierender Deutscher Meister zu den Top-Zweispännerfahrern in Europa.

Koalick Senior auch bei WM dabei

„Ich bin unheimlich stolz, wenn er einen Titel holt“, sagt sein Vater. „Natürlich gewinne ich selbst auch gern, aber ich weiß, gegen die junge Generation habe ich nicht mehr die ganz großen Chancen.“ Dennoch hat auch Koalick Senior sich für die WM in Drebkau qualifiziert, als ältester Fahrer in der Wertung. Unterstützt wird er dabei von seiner Freundin, die ebenfalls aktive Fahrerin ist.

Torsten Koalick selbst genießt es, immer von Menschen umgeben zu sein, die ihm nahe stehen. „Es ist für einen Unternehmer wunderbar, wenn er seine Firma an einen Sohn weitergeben kann.“ Er selbst, das ist ihm bewusst, hat seinem Sohn viel abverlangt. „Ich hatte wenig Zeit für ihn. Materiell fehlte es ihm an nichts, aber das Familienleben kam oft zu kurz.

200 Helfer und vier Jahre Planung

Umso schöner sei es, dass Vater und Sohn, Freunde, Kollegen und Lebenspartner durch den Sport so eng miteinander verbunden sind. Sonst könnte man ein Projekt wie diese Weltmeisterschaft wohl auch kaum stemmen. Finanziert zum Großteil über Sponsoren und privates Engagement. Umgesetzt mit der Unterstützung von rund 200 Helfern, geplant seit insgesamt vier Jahren.

Auf dem Wettkampfgelände herrscht schon seit Wochen Hochbetrieb. Die Rasenflächen müssen bewässert, alle Hindernisse überprüft werden. Zelte müssen aufgebaut und Wettkampfbüros eingerichtet werden, die Stallzelte für 286 Pferde brauchen Einstreu – ein Mammutprojekt, bei dem Vater und Sohn auch die Details nicht aus dem Auge verlieren. Die riesigen Pflasterflächen zwischen den Wettkampfflächen sehen aus wie frisch geputzt, jeder Grashalm wird penibel entfernt.

 Unternehmensgründer und WM-Ausrichter Torsten Koalick am Firmensitz in Drebkau.
Unternehmensgründer und WM-Ausrichter Torsten Koalick am Firmensitz in Drebkau. FOTO: Zeppelin Baumaschinen

Koalick Junior begrüßt ein paar Helfer auf dem Gelände per Handschlag. „Das machen wir so bei uns, egal, ob wir mit der Putzfrau oder dem Projektleister reden“, betont sagt Koalick Senior. Er selbst sagt von sich, er sein mit beiden Beinen auf dem Teppich geblieben. „Ich könnte jeden Tag im Anzug in die Firma kommen, mir sind Jeans und Polo lieber.“ Respekt, der ist ihm wohl wichtig. „Man kann mit mir über alles reden. Aber ich will schon, das alles nach meiner Pfeife tanzt.“ Betrifft das auch den Sohn? Sandro Koalick lächelt. „Wir sind uns schon sehr ähnlich.“