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| 02:33 Uhr

Zwei Seiten eines Elternsprechers

René Prüfer, der Elternsprecher der Mosaik-Grundschule Döbern.
René Prüfer, der Elternsprecher der Mosaik-Grundschule Döbern. FOTO: B. Möschl
Cottbus. Der Gosdaer René Prüfer ist im Amt Döbern-Land bestens bekannt. Als Vorsitzender der Schulkonferenz Döbern streitet er als Linkspolitiker für die Sicherung und auskömmliche Ausstattung der Modellschule Inklusion in der Kommune. Der andere Prüfer ist auf Facebook unterwegs: mit hetzerischen Einträgen. Christian Taubertund Anja Hummel

Als engagierter Streiter für die Döberner Inklusionsschule setzt sich René Prüfer seit Monaten dafür ein, dass die Pilotschule vom Land auskömmlich ausgestattet wird. Der Elternsprecher bemängelt eine ungenügende personelle Ausstattung, fordert sichere Schulwege und Pausenzeiten, die die Teilnahme an der Essenversorgung ermöglichen. Mit Kreis und Landesschulamt begibt er sich in einen fachlichen Clinch. Dieser Einsatz wird in Döbern und von seiner Partei anerkannt.

Doch jüngste Einträge im sozialen Netzwerk Facebook machen den Kreisvorsitzenden der Linkspartei Matthias Loehr betroffen. Da schreibt Prüfer auf die Forderung des Zentralrates der Muslime nach Polizeischutz: "Warum willst du Tempeltänzer Polizeischutz? Unsere Töchter werden von deinen Glaubensfreunden vergewaltigt und haben auch keinen Polizeischutz!"

Und Prüfer teilt Postings, wie: "Merkel und ihr faschistisches Verbrecherregime stellt sich gegen ihr eigenes Volk. Deswegen Sturz des Systems am 12. März 2016 in Berlin!" Oder: "Findet die Ziegenschänder und dann richtig auf die Fellfressen." Egal, ob selbst verfasst oder weitergeleitet, "solche Einträge in sozialen Netzwerken würde ich keinem Mitglied unserer Partei zutrauen", betont Matthias Loehr.

Der Abgeordnete der Linken im Spree-Neiße-Kreistag Andreas-Paul Mekelburg hat für Einträge von René Prüfer kein Verständnis, wenn es sich um rechtes Gedankengut handele. "Ich bin für eine parteiinterne Aufarbeitung", erklärt der Chef des Finanzausschusses, der mit auf dem Tisch hat, wofür sich Prüfer in Döbern einsetzt. "Ich kenne René Prüfer nicht als Menschen in der rechten Ecke. Er hat sich immer für die Kinder in der Region engagiert", sagt Mekelburg, der Prüfer aufgefordert habe, seine Facebook-Einträge zu löschen.

Das hat René Prüfer nach der Ausstrahlung eines rbb-Beitrages am Dienstagabend auch getan. Zu seinen Postings stehe er, erklärte der Döberner Elternsprecher am Mittwoch gegenüber der RUNDSCHAU, um zugleich zu betonen: "Die Bemerkungen waren schon unter der Gürtellinie." Bei ihm seien "Herz und Schnauze dicht beieinander". Prüfer sieht sich nach dem Fernsehbericht "einer Rufmordkampagne ausgesetzt". Wer ihn als Neonazi bezeichne, der solle hinzufügen, "Neonazi mit ausländischer Frau", so Prüfer. Der Linkepolitiker, der in seiner Partei als politisch unbequem angesehen wird, versichert: "Ich bin nicht ausländerfeindlich."

Kreischef Loehr geht einen Tag nach Bekanntwerden der Postings auf Facebook davon aus, dass sich der Kreisverband mit dem Vorgang beschäftigen werde. Aus jetziger Sicht sei dies ein Fall für die Landesschiedskommission der Linken, die über Parteiausschlüsse zu befinden hat.