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| 21:00 Uhr

Seevagabunden ankern derzeit in Trinidad
Zwei Lausitzer segeln seit gut drei Jahren um die Welt

Seevagabunden aus der Lausitz auf Weltreise FOTO: Jaschke
Trinidad/Cottbus. „Mit gebrochenem Mast in den rettenden Hafen“, hieß der letzte Teil über die beiden Seevagabunden aus der Lausitz. Seit September 2015 sind sie mit ihrem Schiff „Hembadoo“ auf Weltreise, die laut Plan erst 2022 enden soll. Klaus-Peter Jaschke und seine Frau Ingrid – beide Jahrgang 1954 –waren in Südamerika und sind jetzt in der Karibik unterwegs. Die RUNDSCHAU hat die zurückliegenden Monate anhand der Reiseaufzeichnungen der beiden sowie von Tochter Ivonne zusammengefasst. Von Frank Hilbert

Direkt aus dem Dschungel von Peru ging es im Sommer nach Deutschland und die Schweiz, wo Tochter Ivonne mit dem Enkel Eric lebt. Beim Umsteigen von einem Flieger in den anderen hatte sich Ingrid Jaschke das Knie verdreht, sodass der Meniskus gerissen war. Direkt vom Flughafen musste sie im Rollstuhl in die Klinik , wo sie operiert wurde. Zum Glück ging alles glatt, sodass die beiden nach dem Urlaub in Deutschland am 17. Juli in Porto Alegre in Brasilien wieder an Bord ihres Schiffes gehen konnten.

„Endlich, nach drei Monaten hieß es: Alles lüften, einkaufen, Verabschiedung von guten Freunden, die wir in der Zeit dort gefunden hatten, um am 25. Juli weiter Richtung Rio Grande aufzubrechen“, schreibt Klaus-Peter Jaschke. Vier Tage später kamen sie dort an, füllten den Dieseltank und dann ging es ab in Richtung Angra dos Reis. „Mit zwei Masten konnten wir wieder beruhigt auf dem Atlantik segeln.“

Ruderschaden mitten in der Nacht

Am 1. August mussten die beiden Seevagabunden, wie sie sich selbst bezeichnen, dann nachts Not-Ankern in Florinapolis. „Wir hatten einen Ruderschaden, Klaus musste bei 25 Knoten Wind und hohen Wellen schweißen. Das war grenzwertig, denn die Ruderanlage befindet sich unter den Betten und die Funken bereiteten uns große Sorgen“, erinnert sich seine Frau. „Der Klaus hat goldene Hände – Gottseidank!“ In Angro dos Reis wurde die Ruderanlage dann richtig geschweißt.

Am 20. August trafen die beiden Seevagabunden dann in Rio de Janeiro auf Tochter Ivonne und Enkel Eric, um mit den beiden einige gemeinsame Tage mit vielen Aktivitäten zu verbringen. „Wahnsinn, wir sind in Rio und nachdem die Sonne aufging, sahen wir wo wir mit dem Schiff lagen: Genau zwischen dem Christo und dem Zuckerhut, was für ein toller Anblick. Da das Wetter auch passte, sind wir gleich noch am selben Tag mit der Seilbahn zum Zuckerhut raufgefahren, hatten einen super Ausblick und entdeckten die kleinen Weißbüscheläffchen“, berichtet Ivonne Jaschke begeistert.

Per Schlauchboot zum Supermarkt

Nach einige interessanten Tagen in Rio de Janeiro schipperten die vier Jaschkes nach Angra dos Reis, um sich mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. „Wir fuhren mit dem Schlauchboot direkt an den Supermarkt. Na das war ja mal cool! Tanken mit dem Boot war auch eine interessante Aktion, 283 Liter waren das eben mal, verteilt in vier Tanks“, erinnert sich Ivonne Jaschke, die am 6. September mit Sohn Eric den Rückflug antrat.

„Der Besuch ist weg und wir wollten auch weiter reisen, doch dann das: Der Motor springt nicht an, er ist fest, aber die Starterbatterie war neu. Nach dem Ausbau der Einspritzdüsen und einem erneuten Startversuch der Schock: der Motorraum sah saumäßig aus, denn die Zylinder waren voll mit einem Seewasser-Ölgemisch. Der wassergekühlte Abgaskrümmer war kaputt. Der musste in Rio ,neu‘ angefertigt werden. Am 26. September geht es endlich weiter Richtung Norden – Salvador mit Zwischestopps“, berichtet Klaus-Peter Jaschke.

Schon wieder Pech: Getriebeschaden

In Salvador waren sie nur drei Tage, denn die beiden wollten weiter nach Französisch-Guyana, wo sie sich den Raketenstart der Ariane 5 anschauen wollten. Zuvor machten sie aber noch einen Monat lang Station im brasilianischen Jacare die Marina. Es gab einen Getriebeschaden und auch der Tauchkompressor war regelrecht durch Salzwasser verrottet, wurde aber vom „Mann mit den goldenen Händen“ wieder flott gemacht. Von Jacare die Marina brauchten die beiden Lausitzer bei gutem Wind dann nur neun Tage bis Französisch-Guyana.

„Wir sind in Französisch-Guyana, damit wieder in der EU und ankern vor der Teufelsinsel Iles du Salut, der Gefängnisinsel von Papillon. Doch das Wetter ist schlecht, es regnet ohne Ende. Da der Start der Ariane 5 ansteht, müssen wir den Ankerplatz verlassen. Hier ist alles voller Schiffe der französischen Marine, die die beiden Booster-Raketen der Ariane dann einsammeln. Und es gibt wieder Probleme: Die elektrische Ankerwinsch funktioniert nicht und wir müssen alles von Hand machen. Wir haben ja Gottseidank noch eine mechanische Ankerwinsch. Und hier gibt es nichts zu reparieren, die Winsch ist kaputt. Die wird richtig teuer werden“, weiß der Lausitzer Segler.

1800 Euro für neue Ankerwinsch

Mit einem Leihwagen erkundeten die beiden Seevagabunden die Gegend und fuhren in die Hauptstadt nach Cayenne, um mal wieder Ersatzteile zu besorgen: Eine elektrische Ankerwinsch für 1800 Euro, einen Propeller für den großen Außenbordmotor und vieles mehr. Am 4. Dezember startete dann die Ariane 5. „Leider Wolkenverhangen, mächtig laut und sehr beeindruckend. Das Raumfahrt-Museum war absolut cool. Das muss man einfach gesehen haben. Alles zum Anfassen und sehr gut anzuschauen. Einfach nur toll“, schwärmen die beiden.

Silvester mitten im Urwald

Dann ging es weiter nach Saint-Laurent-du-Maroni, wo sie Weihnachten verbrachten. Das ist eine Stadt mit 43 600 Einwohnern im Nordwesten von Französisch-Guayana nahe der Mündung des Maroni an der Staatsgrenze zu Suriname. Vorher bogen sie noch ab in die Maroni-Nebenflüsse, um in den Amazonas-Urwald zu fahren. „Das wird der absolute Knaller zum Jahresende, Dörfer mit Ureinwohnern zu besuchen. Wie geht es weiter? Im neuen Jahr machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Surinam, dann geht es nach Trinidad und Tobago und weiter zu den ersten kleinen karibischen Inseln“, kündigen die Jaschkes an. Derzeit ankern die beiden in Trinidad.

Was bisher geschah

Mit gebrochenem Mast in den rettenden Hafen

Nach Getriebeschaden auf Silvester-Kurs

Lausitzer haben wohlbehalten Atlantik überquert

Zwei Lausitzer reisen bis 2022 um die Welt

Die Website der Seevagabunden

Seevagabunden aus der Lausitz auf Weltreise FOTO: Jaschke