Hier machte ich die Feststellung, dass sich der Kanusport seit Gründung des Deutschen Kanuverbandes (DKV) im Jahr 1914 zum Volkssport entwickelt hat. Denn bei den Bootsverleihern im Oberspreewald liegen Hunderte von Paddelbooten, vom Einer bis zum Drei-Personen-Boot, die auf einen Fahrgast warten.

Einen Rat gebe ich jedem untrainierten Paddler: Bei der Auswahl der Strecke sollte man sich mit seinen Kräften im Labyrinth der zahlreichen Fließe nicht überschätzen. Sonst wird die Fahrt zur Qual und dient nicht der Erholung.

Außer den zahlreichen Freizeitpaddlern findet man die im DKV organisierten Kanusportler aus allen Gegenden Deutschlands und dem Ausland. Man erkennt sofort, wenn im Boot erfahrene Kanuten sitzen. Die Mitglieder des DKV starten ihre Fahrt in den Spreewald oft vom Cottbuser Bootshaus des ESV Lok RAW aus. Dabei werden sie animiert, das Spreewald-Abzeichen zu erwerben, was im Jahr 1996 von Cottbuser Kanuten geschaffen wurde. Das Abzeichen wurde von 1996 bis zum Jahr 2014 von 4800 Wassersportlern aus dem In- und Ausland erworben.

In der Saison sind neben den Spreewaldkähnen hauptsächlich die Paddler auf den Gewässern anzutreffen. Die Ruderer machen sich hingegen rar. Diese sind vor allem auf den Berliner Gewässern heimisch und finden trotz moderner Schleusen in Kossenblatt und Alt-Schadow den Eingang in den Unter- und Oberspreewald nicht.

Ein modernes Bootshaus konnte das Ende eines Cottbuser Traditionsvereins nicht verhindern. So liegen die Überreste der einst stolzen Bootsflotte vom ESV Cottbus Abteilung Rudern im ehemaligen Bootshaus an der Markgrafenmühle. Dieses war am 6. Oktober 1983 den Mitgliedern des Rudersports feierlich übergeben worden in der Hoffnung, dass viele neue Mitglieder Freude am Rudersport in Cottbus finden und die sportlichen Erfolge der 60er-Jahre fortsetzen.

Leider konnte sich die Sektion in Cottbus nicht weiterentwickeln. So machten sich Mitte der 80er-Jahre die ersten Zerfallserscheinungen bemerkbar und mit der politischen Wende 1990 begann der endgültige Niedergang. Die Abteilung war nicht zu retten und im Jahre 2000 wurden die Ruderer aus dem Vereinsregister gelöscht.

Wo einst die Damen und Herren aus Cottbus in den 20er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts den Weg zum Bootshaus an der Markgrafenmühle fanden, um sich fit zu halten, fahren die Leute heute ins Fitnesscenter, um abzuspecken. Das ursprüngliche Wanderrudern als Freizeitsport gehört damit leider der Vergangenheit an.