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| 18:42 Uhr

Brettspiel aus Cottbus
Pappkarton statt Bits und Bytes

Spiele-Erfinder Michael Linke will mit „Kompass“ noch hoch hinaus.
Spiele-Erfinder Michael Linke will mit „Kompass“ noch hoch hinaus. FOTO: Daniel Schauff / LR
Cottbus. Andere entwickeln Apps, die Cottbuser Michael Linke und Jörg Kiefer ein Brettspiel. Von Daniel Schauff

Es will nicht so richtig passen, Michael Linke sitzt am Tisch im Fablab, der Ideenwerkstatt auf dem BTU-Campus in Cottbus. Linke trägt rosa Hemd, Krawatte, Weste. Linke sieht aus wie ein Banker, ein erfolgreicher Geschäftsmann, jemand, der weiß, wie man mit Geld am besten umgeht. Rings um ihn herum stehen Katzen aus dem 3-D-Drucker, allerlei Werkzeug verteilt sich im Raum, ein Kaffeeautomat, Bier- und Wasserkästen stapeln sich dazwischen. Auf Standtafeln sind Formeln und Graphen aufgezeichnet, mit Filzstift auf Papier. Nein, es will nicht so richtig passen.

Muss es aber auch gar nicht. Linke ist Finanzberater, trifft die LR im Fablab eigentlich nur, weil es sich dort gut reden lässt, weil der dort den bunten Karton öffnen und das Brettspiel auspacken kann, das er gemeinsam mit seinem Kompagnon Jörg Kiefer entwickelt hat. „Kompass“ heißt das und ist seit März im Handel.

„Wir glauben schon, dass das Brettspiel zurückkommt“, sagt Linke. Andere entwickeln Apps, Computerspiele, für die Riesenrechner nötig sind, Linke und Kiefer, beruflich als Online-Marketingexperte eher mit Bits und Bytes vertraut, setzen auf Pappkarton, Spielkarten und -figuren. Mit Letzterer schließt sich der Kreis zum Fablab, die einzige Spielfigur in „Kompass“, ein Mini-Modell des New York Stock Exchange, der New Yorker Börse an der Wall Street, ist im 3-D-Drucker in dem Flachbau auf dem Campus entstanden. Der Prototyp zumindest, die Massenproduktion des Spiels ist Anfang des Jahres in China gestartet. Des Preises wegen, sagt Linke.

Die Spielfigur in „Kompass“ hat nicht zufällig die Form der New Yorker Börse. Im Brettspiel geht es um Wirtschaft, um Boom, Rezession, Depression, Expansion – was sich zunächst wie ein staubtrockenes Herumgewürfel anhört, macht tatsächlich Spaß, sagt Linke. Dutzende Testspieler hätten das den beiden Spieleentwicklern bereits bestätigt. Es geht bei Kompass vor allem darum, clever in der freien Marktwirtschaft zu agieren, Wertpapiere, Immobilien, Rohstoffe zu kaufen, zu verkaufen und dabei die natürlichen Entwicklungen der Weltwirtschaft zu durchleben. Linke ist überzeugt: Das Spiel hat einen Lerneffekt, für den angehenden Finanzexperten ebenso wie für den Schüler, der sich mit der Marktwirtschaft noch gar nicht auskennt. Das Spiel bringe aber auch Freude, eigne sich für Unterricht genauso wie für den Spieleabend mit Freunden und Familie.

„Am liebsten wollen wir mit dem Spiel durchstarten“, sagt Linke. Die Markteinführung im März sei gelungen, einige Spiele seien bereits verkauft. Die beiden Entwickler wollen es in die Regale der großen Händler bringen, vertreiben es derzeit im Onlineshop unter kompass-spiel.de. Knapp 70 Euro werden für das Spiel fällig.