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Zwei alte Fotos von Soldatengräbern sind geblieben

Der heute 80-jährige Horst Kittan erinnert sich noch gut an das Frühjahr 1945.
Der heute 80-jährige Horst Kittan erinnert sich noch gut an das Frühjahr 1945. FOTO: trt1
Steinitz. Horst Kittan hütet die beiden Fotos wie einen Schatz. Schließlich sind die Bilder einmalige Zeitdokumente. trt1

Aufgenommen hat der gebürtige Petershainer die Motive höchst selbst. Und zwar im Jahr 1947 mit der "Familienkamera". Das eine Bild zeigt ein provisorisches Soldatengrab zwischen dem Tschugateich und dem Damm der Bahntrasse Cottbus-Senftenberg unweit Kittans damaligen Heimatortes. Auf der zweiten Aufnahme sind ebenfalls Soldatengräber zu sehen. Und zwar mit Kreuzen aus Birkenholz. Sie befanden sich östlich der Straße von Petershain nach Greifenhain nahe dem Sumpfgebiet Lutzinna. Später, so berichtet Horst Kittan während eines Vortrages im mit rund 70 Gästen ausverkauften Saal des Steinitzhofes, seien die Gebeine der Armeeangehörigen auf den Petershainer Friedhof umgebettet worden. Dort ruhen sie bis heute.

Den mittlerweile 80-Jährigen, der jetzt in Maust lebt, lassen die Ereignisse des Schicksalsjahres 1945 nicht los. Der Sohn des Petershainer Tankstellenbesitzers und Fahrradteilehändlers zählte damals gerade einmal zehn Jahre. Doch das Erlebte hat sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt. Insbesondere die Flucht der Familie vor der heranrückenden Roten Armee, die anschließende Rückkehr ins teilzerstörte Anwesen und die sich anschließenden Erkundungen in die Umgebung sind für immer in Horst Kittans Erinnerung geblieben.

Da war zunächst das Sumpfgebiet Lutzinna an der Straße nach Greifenhain. "Mit gleichaltrigen Kumpels habe ich das Gebiet nach der Schlacht erkundet", sagt Kittan. "Anfangs machten wir noch ängstlich große Bögen um die Toten. Im Laufe der Zeit wurden die Bögen kleiner", berichtet der 80-Jährige. Längst sind die Jungs nicht allein. Mehrere Erwachsene durchsuchen die leblosen Körper nach Brauchbarem. An der ein paar Kilometer entfernten "Todesweise" bei Geisendorf das gleiche Bild: "Da haben wir auch angefangen, verschiedene Gegenstände zu sammeln", so Horst Kittan. Ansonsten hätten die Heranwachsenden letztendlich mit leeren Händen dagestanden. "Zurück im Elternhaus gab es erst mal eine Standpauke. Als ich aber den Sack mit den erbeuteten Sachen, unter anderem Lebensmittel und Decken, präsentierte, wurde die Stimmung merkbar besser."

Erst später werden die Kittans und weitere Einheimische erfahren, was sich zwischen Kausche, Geisendorf, Petershain und Geisendorf zugetragen hatte. Als Kauscher Kessel ist eine der letzten großen Schlachten des Zweiten Weltkrieges in die Geschichte eingegangen. Rund 15 000 Soldaten und Zivilisten waren im Raum Spremberg von den Sowjets eingeschlossen worden. Ausbruchsversuche gen Westen endeten in der Katastrophe. Rund 5000 deutsche und 600 russische Soldaten verloren dabei ihr Leben.

Heute existieren viele der Orte nicht mehr. In den vergangenen zehn Jahren wurden unter anderem Kausche und Geisendorf vom Tagebau Welzow-Süd in Anspruch genommen. Immer wieder stießen die Bergleute dabei auf menschliche Gebeine.

Horst Kittan hat seine vielfältigen Erinnerungen im Buch "Die Russen kommen" festgehalten. Natürlich mit den beiden Fotos der Soldatengräber.