ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:33 Uhr

Großfamilie in Not
Zwangsräumung: Großfamilie muss raus

Viele Unterstützer hatten sich vor dem Haus versammelt, um Peter und Daniela Jahnke (l.) beizustehen.
Viele Unterstützer hatten sich vor dem Haus versammelt, um Peter und Daniela Jahnke (l.) beizustehen. FOTO: Daniel Schauff / LR
Cottbus. Dutzende Unterstützer protestieren vor dem Hauseingang. Eine neue Bleibe haben die Gallinchener noch nicht gefunden.

Es ist das Ende eines monatelangen Streits zwischen Besitzern und Bewohnern eines schmucken Siedlungshauses in der Gallinchener Hauptstraße. Seit dem frühen Vormittag harren Demonstranten in der Kälte, halten Plakate in die Luft. Thomas Hoffmann vom noch jungen Solidaritätsnetzwerk Cottbus ruft durchs Megafon. Zahlreiche Autofahrer werden langsamer, zücken ihre Telefone, filmen oder fotografieren die für Gallinchen so ungewöhnliche Szenerie. Hoffmanns Mitstreiter wollen zeigen: Sie stehen hinter der neunköpfigen Großfamilie, die gerade ihr Zuhause verliert. Für den Donnerstag war die Zwangsräumung des Hauses angesetzt, eineinhalb Monate nach dem offiziellen Räumungstermin.

Daniela und Peter Jahnke stehen vor dem Haus, tragen Mikrofone an ihren Kragen. Das Fernsehen begleitet die Eltern von sieben Kindern bei dem Kampf um ihr Zuhause. Weitere Reporter stehen vor dem Haus, fotografieren, stellen Fragen. Die Geschichte der von Obdachlosigkeit bedrohten neunköpfigen Familie hat große Kreise gezogen. Die sieben Kinder sind nicht zu sehen.

Die Nacht haben die Jahnkes entgegen der Auskunft vom Vortag doch noch in Gallinchen verbracht. Die angebotenen Wohnungen in einem Wohnverbund im Süden der Stadt stünden mittlerweile nicht mehr zur Verfügung, bestätigt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Zumutbar wären die ohnehin nicht gewesen, erklärt das Solidaritätsnetzwerk Cottbus in einer Mitteilung in der Nacht zum Donnerstag. Grund: Die beiden Wohnungen seien auf unterschiedlichen Etagen.

Weiterhin gebe es allerdings das Angebot, zwei Wohnungen in Schmellwitz zu beziehen, sagt Gloßmann. Die aber kommen für die Jahnkes auch nicht infrage – zu weit sei der Weg für die Kinder in die Schulen und Kitas, sagt Thomas Hoffmann vom Solidaritätsnetzwerk. Dazu kämen weitere Gründe, warum das Angebot der Stadt für die Familie nicht annehmbar sei.

Hoffmann und seine Mitstreiter seien seit Längerem in Kontakt mit der Familie. Die bisher angebotenen Wohnungen seien allesamt nicht geeignet gewesen, sagt Hoffmann. Zudem sei die Familie bei vielen Vermietern durchgefallen – die sieben Kinder hätten viele Wohnungsbesitzer abgeschreckt, hatte Daniela Jahnke wiederholt erklärt.

Ein ursprünglich für September anvisierter Räumungstermin war nach einem Vergleich vor Gericht verschoben worden. Der Vergleich allerdings, hatte Daniela Jahnke argumentiert, sei ohne ihr Wissen zustande gekommen. Ein weiterer Anwalt vertritt zur Zeit die Familie, will gegen ein Urteil vorgehen, laut dem Familie Jahnke den Hausbesitzern Geld aus nicht gezahlten Monatsmieten schuldet.

Einen Weg, die Vermieter umzustimmen und die Familie länger im Haus wohnen zu lassen, gab es nicht. Das hatte der Vermieter-Anwalt der RUNDSCHAU gegenüber deutlich gemacht. Vom finalen Räumungstermin bis zur tatsächlichen Räumung waren weitere sechs Wochen ins Land gezogen – ein üblicher Zeitrahmen, wie der Anwalt der Vermieter erklärte.

Eine ganze Reihe von Polizeikräften war am Donnerstagvormittag angerückt, um die Zwangsräumung abzusichern. Notwendig waren sie nicht, die Jahnkes blieben gefasst, die Demonstranten vom Solidaritätsnetzwerk ließen die Zwangsräumung zu – wenn auch unter lauten Protesten.

Einen Großteil ihrer Habseligkeiten hatten die Jahnkes bereits in den vergangenen Tagen untergestellt, es sind nur ein paar Sachen, die Daniela und Peter Jahnke noch aus ihrem Haus tragen und ins Auto packen, auf Schritt und Tritt verfolgt von den TV-Kameras.

Es dauert nicht mehr lange, bis die Polizei wieder abrückt und sich der Trubel am Gallinchener Straßenrand langsam wieder legt. Auf der Straßen schlafen wird die Familie Jahnke in der Nacht nicht, sie ist offenbar bei Verwandten untergekommen.