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| 14:46 Uhr

Gespräche über Altenpflege
Bosnier auf Anbahnungsreise

 Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium. Hier im Bild Aida Loncar, die Leiterin der Schule in Travnik.
Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium. Hier im Bild Aida Loncar, die Leiterin der Schule in Travnik. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Cottbuser Altenpflegeschule sucht Kontakt nach Bosnien. Die Gäste aus Travnik besuchen auch das Niedersorbische Gymnasium. Von Nils Ohl

Bei uns heißt es „Dober dan“, freuten sich die Gäste aus dem bosnischen Travnik bei der Begrüßung mit „Dobry zen“ am Niedersorbischen Gymnasium über die fast heimatlichen Klänge. Die Gäste – das sind vier Schüler der Medizinschule in Travnik und die Schulleiterin plus Dolmetscher, die im Rahmen einer „Anbahnungsreise“ für eine Woche in Cottbus waren. Aber was soll da angebahnt werden?

„Das gehört zu einem entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm des Bundes namens ENSA, bei dem Altenpflegeschüler der Lausitzer Wirtschafts- und Gesundheits Akademie LWGA aus Cottbus mit Bosnien im Austausch sind. Deutschlandweit wurden 2019 nur 16 solcher Reisen bewilligt. Wir sind stolz, dass eine davon nach Cottbus führt“, erklärt Projektleiter Peter Frenzel. „Ziel ist, langfristig eine Partnerschaft zwischen der Schule in Travnik und der LWGA zu aufzubauen.“ Der erste Schritt sei, sich menschlich näherzukommen und die jeweils andere Kultur besser zu verstehen. Dazu gab jetzt ein ein straffes Programm – von der Hospitanz bei der LWGA-Ausbildung über einen Trip ans Medizinhistorischen Museum der Charité bis zur Visite am Niedersorbischen Gymnasium. Im Herbst folgt der Gegenbesuch der Cottbuser.

Nun steht hinter dem Ganzen allerdings kein touristisches Interesse, sondern das große Problem der fehlenden Fachkräfte in den Pflegeberufen.

„Allein in Cottbus gibt es ungefähr 500 offene Stellen für Altenpflegekräfte“, schätzt Jeannette Frenzel, stellvertretende Schulleiterin der LWGA. Ihre Schule bildet rund hundert Schüler aus, das heißt pro Jahr kommen 30 bis 35 neue Absolventen auf den Arbeitsmarkt. Auch im Verbund mit den Absolventen der Medizinischen Schule am Carl-Thiem-Klinikum (CTK), die etwa 600 Ausbildungsplätze bietet, reicht das nicht, um den Bedarf zu decken. Auch weil am CTK nicht nur in Altenpflege, sondern viel umfangreicher von der Hebamme über den Krankenpfleger bis zur Radiologieassistenz ausgebildet wird.

Bisher ist es in Deutschland so, dass Altenpfleger, Krankenpfleger und Kinderkrankenpfleger drei verschiedene Berufe sind. „Das soll künftig zu dem einheitlichen Beruf Pflegefachkraft werden“, sagt Jeannette Frenzel. Als Starttermin dafür sei das Jahr 2020 im Gespräch. Damit könnten die Pflegekräfte flexibler eingesetzt werden als bisher. Aber Jeannette Frenzel erklärt: „Auch wenn die Krankenhäuser dann weniger Probleme haben, in der Altenpflege wird es wohl noch schwerer werden, Personal zu finden.“

  Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium.
Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium. FOTO: LR / Nils Ohl
  Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium.
Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium. FOTO: LR / Nils Ohl

Hier kommt Bosnien wieder ins Spiel, denn dort ist die Ausbildung von Alten-, Kinder- und Krankenpflege bereits zusammengefasst.

„Wir wollen nun herausfinden, wo es Gemeinsamkeiten gibt, wo wir voneinander lernen können und auf längere Sicht auch gemeinsam an Fachthemen arbeiten“, sagt Peter Frenzel.

Aida Loncar, die Leiterin der Medizinschule in Travnik, sieht einen wichtigen Unterschied darin, dass in Bosnien hoher Wert auf die medizintheoretische Ausbildung gelegt wird. So ist es in Travnik üblich, dass die Schüler von Ärzten als Lehrkräften ausgebildet werden. Dagegen sammeln die deutschen Berufsschüler mehr praktische Erfahrungen. Peter Frenzel bestätigt: „Bei uns kommen aufgrund des dualen Systems auf 2100 Theoriestunden 2500 Praxisstunden. Die bosnischen Schüler kommen auf rund 500 Praxisstunden. Trotzdem haben sie ein sehr hohes fachliches Niveau.“

Der gravierendste Unterschied ist jedoch der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte. Die Schule in Travnik hat rund 450 Pflegeschüler. Davon hat etwa ein Viertel reelle Chancen auf Arbeit, während in Deutschland händeringend nach Pflegekräften gesucht wird.

Kerim Salihovic ist einer der Schüler aus Travnik. Er resümiert in fließendem Deutsch: „Cottbus ist eine großartige Stadt mit viel Kultur und ich habe viele hilfsbereite Menschen getroffen. Ich kann mir gut vorstellen, in Deutschland zu arbeiten.“

 Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium. Hier im Bild Aida Loncar, die Leiterin der Schule in Travnik.
Auf Einladung der Lausitzer Wirtschafts und Gesundheits Akademie waren Berufsschüler für Pflegeberufe aus Travnik Bosnien zu Besuch in Cottbus. Eine ihrer Stationen war das Niedersorbische Gymnasium. Hier im Bild Aida Loncar, die Leiterin der Schule in Travnik. FOTO: LR / Nils Ohl