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| 18:28 Uhr

Cottbus
Zur Gründung der DDR: Das Vaterland braucht den Sport

Werner Jänchen aus Klein Döbbern (r.) übergibt an Museumskurator Tim Köhler
historische Zeitungsausgaben.
Werner Jänchen aus Klein Döbbern (r.) übergibt an Museumskurator Tim Köhler historische Zeitungsausgaben. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Funde vom Dachboden an Museum übergeben Von Georg Zielonkowski

Vor einiger Zeit wandte sich der Museumspädagoge Robert Büschel vom Cottbuser Stadtmuseum in einem RUNDSCHAU-Beitrag mit der Bitte an die Sportfamilie, bewusst nach Dokumenten und Nachweisstücken zur Sportgeschichte zu suchen. Einen erheblichen Teil dieser Dinge wäre zwar schon in der Sportgeschichtlichen Sammlung des Stadtmuseums vorhanden, doch sei man offen und neugierig zugleich, welche Schätze noch in den Kellern und auf den Dachböden unbeachtet schlummern, so sein Argument.

Diesem Wunsch wurde dieser Tage Werner Jänchen aus Klein Döbbern gerecht. Hatte der doch beim Aufräumen seines Bodens wieder jene Mappe in die Hände bekommen, in der er seine vor über 20 Jahren aufgestöberten, ihn überraschenden Funde, aufbewahrt hat.

„Wir hatten ja 1995 das Döbberner Schulgebäude, in dem wir schon seit den 70er Jahren wohnten, von der Gemeinde gekauft. Und wie es so ist, man will einige Modernisierungen vornehmen. Bei uns war das konkret der Wechsel der Fenster. Als wir die alten Fenster ausbauten, haben wir in den Fensterlaibungen zusammengeknülltes Zeitungspapier gefunden, das als offenbar preiswerte Lösung zur Isolation dort hineingestopft wurde“, erinnert sich Werner Jänchen.

Ein Entsorgen der historischen Presse, wie des „Deutschen Sportecho“ oder des „Cottbuser Anzeiger“ von 1928 kam ihm nicht in den Sinn. Erst einmal stand ja der zügige Umbau des Hauses im Mittelpunkt. Als die Bauarbeiten beendet waren, machte sich Jänchen ans Werk, um die Fundstücke eher laienhaft aufzubereiten: „Um die Zeitungen in einer Mappe unterzubringen, habe ich die Blätter einzeln leicht angefeuchtet und Stück für Stück aufgebügelt.“ Natürlich blätterte der Finder, der seit 1992 als längjähriger Vorsitzender der Döbberner Sportgemeinschaft amtierte, neugierig in den dann wieder lesebaren Exemplaren. Um in der Ausgabe des „Deutschen Sportecho“, die am Gründungstag der DDR, dem 7. Oktober 1949 erschien, als Titelzeile zu lesen „Der Sport braucht ein Vaterland“.

„Mit meiner doch langjährigen Erfahrung gerade im Breitensport und angesichts der sich heute veränderten Lebensbedingungen könnte ich mir heute diese Zeile geändert vorstellen: Das Vaterland braucht den Sport. Weil ich das Sporttreiben der Menschen in der heutigen Gesellschaft für wichtiger denn je halte“, meint der rüstige Senior. Der wollte nicht zuletzt auch angesichts seines Lebensalters seine Fundstücke nicht ihrem Schicksal überlassen und diese in gute Hände geben.

Da kam ihm der Aufruf von Robert Büschel gerade recht. Nach der Kontaktaufnahme mit dem Kurator des Stadtmuseums, Tim Köhler, kam es zur Übergabe der Druckwerke.

Das sorgte beim Kurator für Begeisterung: „Wir haben hier das typische Beispiel, das wir uns viel häufiger wünschten. Die Leute sollten sich wirklich vor dem Gang zum Müllcontainer die Frage stellen, ob die der Entsorgung geweihte Dinge nicht doch noch ihren Sinn in einer weiteren Aufbewahrung haben könnten.

Und an diese Stelle käme dann unser Museum ins Spiel. Nach einer entsprechenden Begutachtung können wir immer noch entscheiden, ob die herbei gebachten Dinge bei uns schon vorhanden und archiviert sind, oder ob wir damit tatsächlich eine weitere Lücke schließen können. Bei Herrn Jänchen handelt es sich um bisher bei uns noch nicht archivierte Zeitungen, darum sind wir erfreut und dankbar zugleich!“