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| 19:31 Uhr

Gesundheit
Vom Zauber der Geburt

 Am 1. Juli eröffnen die Hebammen Carmen Gennermann, Ines Lehnigk, Dana Werner und Isabel Schmidt (v.l.n.r) ihre gemeinsame Hebammen-Praxis im „Gesundheitszentrum Ostrow“ der Reha Vita.
Am 1. Juli eröffnen die Hebammen Carmen Gennermann, Ines Lehnigk, Dana Werner und Isabel Schmidt (v.l.n.r) ihre gemeinsame Hebammen-Praxis im „Gesundheitszentrum Ostrow“ der Reha Vita. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. In das neue Gesundheitszentrum Ostrow zieht eine Hebammenpraxis als Teil der vernetzten Angebote ein. Von Nils Ohl

Cottbus soll in den nächsten Jahren um die Anker Carl-Thiem-Klinikum und BTU zu einem Zentrum der Gesundheitsbranche ausgebaut werden. Wobei dafür nicht nur öffentliche Investoren, sondern auch viel private Initiativen nötig sind. Wie so etwas gehen kann, lässt sich im neuen „Gesundheitszentrum Ostrow“ der Reha Vita beobachten. Es soll am 1. Juli eröffnen. Wie Geschäftsführer Christian Seifert erklärt, hat die Rehe Vita hier 4,2 Millionen Euro investiert – ohne einen Cent an Fördermitteln. Schwerpunkt des neuen Zentrums wird die ambulante Kinder- und Jugendtherapie sein.

Bundesweit zweite Einrichtung

„Damit sind wir bundesweit die zweite derartige Einrichtung“, erklärt Christian Seifert stolz. Hier sollen Beschwerden wie neuropädiatrische und orthopädische Erkankungen, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADS oder Adipositas  behandelt werden. Bis vor einem Jahr gab es für Kinder nur die Möglichkeit, dafür eine stationäre Reha durchzuführen. Stationäre Reha ist jedoch für Kinder und Jugendliche in Schule oder Ausbildung oft nicht geeignet, weil es dafür zu große Unterbrechungen vom normalen Alltag gibt. „Im Gesundheitszentrum Ostrow können wir das alles schul- und ausbildungsbegleitend machen, und auch die Eltern viel enger einbeziehen, beispielsweide bei der Kochschule. Denn was nützt es, wenn die Kinder hier Ernährungstipps bekommen, aber zu Hause doch nur wieder die Tiefkühlpizza auf den Tisch kommt“, erklärt Christian Seifert das Neuartige an dem Konzept. Dazu kommt die enge Vernetzung mit anderen Partnern. Neben den eigenen Mitarbeitern der Reha Vita ziehen drei Kinderärzte und eine freiberufliche Hebammenpraxis als Mieter in den Komplex ein.

Generationsübergreifendes Konzept

Dabei haben sich vier Hebammen ein ganz besonderes, generationsübergreifendes Gründungskonzept vorgenommen.

Während Carmen Gennermann und Ines Lehnigk schon seit Anfang der 90er Jahre als freie Hebammen aktiv sind, als dies in der Region noch völlig unüblich war, starten Dana Werner und Isabel Schmidt jetzt komplett neu. In der gemeinsamen Praxis. „Die Idee ist, die Erfahrungen von Alt mit dem Elan von Jung zu kombinieren“, erklärt Carmen Gennermann. Sie hat die 60 überschritten und will in den nächsten Jahren allmählich ihr Lebenswerk in gute Hände übergeben, während Ines Lehnigk schon jetzt nur eingeschränkt tätig ist.

Dana Werner hat schon viele Ideen, was in der neuen Praxis innovativ angeboten werden kann: „Ich möchte Lasertherapie aufbauen. Da können Nabelprobleme oder auch Narben von Kaiserschnitten besser behandelt werden.“ Und Isabel Schmidt will sich beispielsweise intensiv mit den Thema Rückbildungsgymnastik beschäftigen.

Kundenstamm vorhanden

Schwerpunkt der Praxis ist die Vor- und Nachbetreuung der Babys und ihrer Mütter.

„Da ist es gut, dass durch Carmen und Ines auch schon ein Kundenstamm vorhanden ist“, meint Dana Werner. Wobei sich die vier Gründerinnen keine Sorgen machen, dass es für ihre Angebote auch einen Markt gibt. „In Cottbus gibt es zu wenig Hebammen, obwohl die Geburtenzahl wächst“, meint Carmen Gennermann. Und bedauert, dass es für junge Kolleginnen immer umständlicher und bürokratischer wird, sich freiberuflich niederzulassen. „Das sind nicht nur die Versicherungen und die Anmeldungen beim Hebammenverband. Da ist inzwischen so viel Papierkram dazugekommen. Da hatten wir es früher leichter.“ Dana Werner sagt dazu nur: „Das ist eine lange Liste, die man stoisch abarbeiten muss.“

Glücksfall Reha Vita

Alle vier betonen, dass sie es für einen Glücksfall halten, in das Gesundheitszentrum der Reha Vita einzuziehen. Bei so viel Sachkenntnis über Kindergesundheit unter einem Dach würden alle voneinander profitieren. So könnten sie beispielsweise bei Bedarf schnell die benachbarten Kinderärzte fragen, und auch umgekehrt hätten die Ärzte bestimmt auch Fragen an die Hebammen.

Carmen Gennermann bringt es so auf den Punkt: „Es fällt mir schwer, mich vom Zauber der Geburt zu trennen.“ Sie freue sich, mit 62 noch einmal so ein Projekt anzugehen. „Hier werden wir in der engen Verknüpfung von Logopädie, Physiotherapie und anderen eine neue Qualität in der Betreuung erreichen. Und es ist schon zu sehen, wie motiviert alle sind.

Ines Lehnigk hat gleich noch einen praktischen Tipp an die jungen Kolleginnen: „Ich plane den Urlaub  nach den Mondphasen. Bei abnehmendem Mond gibt es erfahrungsgemäß mehr Geburten“.