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Zum Abschluss kullern Tränen

Familie Lichtenberger aus Burg hat beim Hahnrupfen in Burg am Sonntag vier Pferde gestellt. Alle drei Erntekönige haben mit diesen Pferden gewonnen.
Familie Lichtenberger aus Burg hat beim Hahnrupfen in Burg am Sonntag vier Pferde gestellt. Alle drei Erntekönige haben mit diesen Pferden gewonnen. FOTO: Marion Hirche/jul1
Burg. Sieben Reiter und acht Mädchen haben am 124. Hahnrupfen in Burg teilgenommen. Marcel Zimmermann wurde Erntekönig. Verena Lehmann verabschiedete sich aus den Reihen der Jugend. Marion Hirche / jul1

Zum 124. Mal hat in Burg das Hahnrupfen stattgefunden. Sieben Reiter griffen am Sonntag nach Kopf und Flügel des von Familie Mellack gesponsorten Krähers: Der hat nun nach erfolgreicher Arbeit im Erntejahr ausgedient und taugt nur noch für eine fette Hühnersuppe.

Der wohl emotionalste Moment fand nach dem Hahnrupfen statt. Der Hahn wurde versteigert: Manuel Kossick sicherte sich den Vogel mit dem letzten Gebot und die Einheimischen kommentierten: "Na, da hast Du ja gleich eine Zutat für die Hochzeitssuppe." In drei Wochen will er Verena Lehmann heiraten. Die Burgerin wurde deshalb nach dem Hahnrupfen aus der Jugend verabschiedet. Jeder Reiter drehte mit ihr auf dem Tanzparkett eine Runde. Und bei Verena, die 13 Jahre lang die Geschicke der Burger Jugend mitgestaltet hatte, kullerten ein paar Tränen. "In der Jugend hat mir das viel Spaß gemacht, aber jetzt freue ich mich natürlich auf meine Hochzeit", gestand die junge Frau.

Bei der Versteigerung hatte auch Heike Konzack kräftig mitgewirkt und am Ende den Hahn doch nicht bekommen. "Das ist aber nicht schlimm. Das Geld bekommt die Jugend. Mein Sohn hat hier auch mitgemacht und deshalb ist alles gut angelegt", so die Mutter.

Unterstützt wurden die jungen Männer beim Ritt durch die Pforte von acht Burger Mädchen in ihren schönen sorbisch/wendischen Festtagstrachten. Mit fliegenden Röcken und Anfeuerungsrufen sowie Liedern liefen die sieben Burger Jungs zur Höchstform auf. Marcel Zimmermann gelang wie unter anderem im Jahr 2009 schon mal der Griff nach dem Kopf des Hahns. Er sicherte sich damit den Eichenlaubkranz für sich und sein Pferd "Maja" aus dem Stall der Familie Lichtenberger.

Auch die Erntekönige Nummer zwei und drei saßen auf dem Rücken Lichtenbergscher Pferde. Hahnrupfen-Neuling Tobias Konzack holte sich mit "Bella" den ersten Flügel und damit die zweite Krone. Vorjahrssieger Stefan Albin auf "Billy" freute sich mit dem Ausruf "Jawoll" über den erfolgreichen Griff nach dem zweiten Flügel und damit über den Titel des dritten Erntekönigs.

Die Galgenwarte Martin und Christoph waren froh, als das artistische Reiten durch die Eichenlaubpforte abgeschlossen war. Sie hatten allerlei begehrte Kleinigkeiten zum Warmreiten der Pferde in der Pforte aufgehangen und dann natürlich auch den toten Hahn. Weil der aber partout nicht seine Flügel hergeben wollte, griff Pferdebesitzer Guido Lichtenberger kurzerhand zum Messer und schnitt die Schwingen des Kammträgers an. Dennoch fielen erstmal massenweise Federn, ehe die Reiter erfolgreich waren. Die Pferde kamen diesmal von den Burger Familien Lichtenberger, Gollasch und vom Buyhleguhrer Pferdehof Jeroll.

Im Anschluss zeigten die Mädchen die Burger Tradition des Junggesellenkarrens. In Anlehnung an die Tatsache, dass früher so mancher mit der Sackkarre von der Kneipe abgeholt werden musste, transportierten die jungen Frauen die Reiter in einem Schnelligkeitswettbewerb über eine bestimmte Distanz. Annika Tolksdorf war die Schnellste, gefolgt von Maria Merting und Zoe Lukas. Die Mädchen bekamen Medaillen und im Anschluss durften sie sich beim Ehrentanz mit den Erntekönigen drehen.

Die Jugend betreute beim Hahnrupfen auch die Versorgungsstände, also Grill, Kuchenverkauf und Getränkestand. "Ich komme jedes Jahr zum Hahnrupfen, weil ich es toll finde, was die Jugend auf die Beine stellt. Es war wieder schön", lobte die Burgerin Swetlana Libert am Ende des Erntefestes.