ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:34 Uhr

Zukunftsprojekt
Start in die digitale Zukunft

 Im Rahmen der Digitalisierung können intelligente Verkehrsleitsysteme künftig Staus verhindern und Autofahrern die jeweils günstigsten Strecken anzeigen. So ließe sich Zeit sparen und der Schadstoffausstoß an besonders belasteten Straßen regulieren.
Im Rahmen der Digitalisierung können intelligente Verkehrsleitsysteme künftig Staus verhindern und Autofahrern die jeweils günstigsten Strecken anzeigen. So ließe sich Zeit sparen und der Schadstoffausstoß an besonders belasteten Straßen regulieren. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Verkehr, Gesundheit, Wirtschaft, Verwaltung – künftig will die Stadt vieles elektronisch regeln. Von Andrea Hilscher

Gustav Lebhart hat eine Vision. Der IT-Stratege der Stadt hat sehr konkrete Vorstellungen davon, wie das Leben in Cottbus in einigen Jahren aussehen könnte: Da werden Arzttermine online vergeben. Beim Autofahren weisen digitale Anzeigen auf die jeweils schnellste Fahrstrecke hin. Beim Bummel durch die Innenstadt bekommen Kunden tagesaktuell Sonderangebote der Geschäfte aufs Handy gespielt. Und wer beim Shoppen die Zeit vergisst und ein Strafmandat kassiert, kann das Geld gleich von seinem Bürgerkonto bei der Stadtverwaltung abbuchen lassen. Virtuelle Arbeitsplätze lassen sich von überall aus bedienen, Straßenbahnen scannen den Fahrbahnzustand und liefern die Daten in Echtzeit an die Stadt.

Bei einem Bürgerdialog zum Thema „digitale Stadt“ konnten Lebhart und sein Mitstreiter  Peter Schirrgott, zuständig für den Breitbandausbau, ihre Visionen und Pläne für die kommenden Jahre vor einem großen – und vor allem jungen – Publikum erläutern.

 Wie Cottbus sich zur digitalen Stadt entwickelt, war Thema eines gut besuchten Bürgerdialogs im Stadthaus.
Wie Cottbus sich zur digitalen Stadt entwickelt, war Thema eines gut besuchten Bürgerdialogs im Stadthaus. FOTO: LR / Hilscher Andrea

Und zunächst einmal durften viele Besucher feststellen: Im bundesdeutschen und brandenburgischen Vergleich steht Cottbus gar nicht so schlecht da.  97 Prozent aller Haushalte verfügen über Breitbandanschlüsse mit mehr als 30 Mbit/s, auch bei der Versorgung mit über 50 Mbit/s sehe es gut aus in Cottbus, sagt Peter Schirrgott. „Wir haben sogar einige wenige Gewerbegebiete, die Breitband mit einem Gigabit/s anbieten.“

Um die letzten Versorgungslücken zu schließen, startet Cottbus eine Ausschreibung, um tausend Haushalte mit Breitband über 30 Mbit/s zu versorgen, zusätzlich sollen alle Schulen vernünftige Anschlüsse bekommen. Auch die Gewerbegebiete sollen mit Glasfaserkabel erschlossen werden.

Gustav Lebhart: „Wir wollen die Digitalisierung strukturiert vorantreiben, weg von aktionistischen Trieben.“ Fördermittel sollen helfen, die Stadt in allen wesentlichen Bereichen zu modernisieren.

Neben der städtischen Verwaltung sind auch die GWC, das Klinikum, die Entwicklungsgesellschaft EGC und die Stadtwerke in die Entwicklung eingebunden: Wesentliche Handlungsfelder der digitalen Agenda sind nach Auskunft von Lebhart die Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Stadtentwicklung, Mobilität, Wirtschaft und Energie.

Zukunftsmusik, die bei einigen Cottbusern Fragen aufwirft. Michael Tietz aus Schmellwitz  sagt: „Kinder an der Schule scheitern immer wieder schon an den kleinsten Dingen, weil es überall an moderner Hard- und Software fehlt.“ Laut Lebhart ein „neuralgischer Punkt“. „Wir müssen uns so stark aufstellen, dass unsere Schulen auch für Menschen aus anderen Kommunen interessant sind.“

Autofahrer beklagen die fehlende „Grüne Welle“ auf der Bahnhofstraße. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU): „In den letzten Jahren führten eher die Bauarbeiten zu Verkehrsbeeinträchtigungen, außerdem müssen wir abwägen, ob der ÖPNV oder der Individualverkehr Vorrang haben.“ Er denkt an Leitsysteme, die den Autofahrern automatisch die schnellsten Strecken anzeigen. Sogar über das Meldesystem Maerker, das die Stadt bisher abgelehnt hat, wolle man künftig neu diskutieren.