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| 20:21 Uhr

Flüchtlingspolitik
Marschieren für den guten Zweck

Zukunft-Heimat-Demo in Cottbus FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Ein Verein macht aus Zukunft-Heimat-Demo einen Spendenlauf für Flüchtlingshilfe.

Blaue Plakate, ein roter Pfeil – die Teilnehmer der Demonstration des Golßener Vereins „Zukunft Heimat“ mussten schon sehr genau hinschauen: Was aussah wie ein klassisches AfD-Werbeposter  entpuppte sich erst auf den zweiten Blick als Parodie: „Zukunft Cottbus“ stand da auf blauem Grund, darunter „Spendenmarsch“. Der rote Pfeil wies nach unten – auf den Satz: „da lohnt sich jeder Meter.“

Hinter der Plakataktion verbirgt sich eine Idee von DGB und Cottbuser Aufbruch. Deren Vertreter Lothar Judith erklärt: „Statt immer neue Gegendemos auf die Beine zu stellen, wollten wir einfach mal den Spieß umdrehen: Die Leute von Zukunft Heimat sollten endlich mal etwas Vernünftiges machen. Heute sind sie erstmals für einen guten Zweck gelaufen.“ Der Verein „Neue Heimat Brandenburg“ hatte sich bereiterklärt, für jeden Demo-Teilnehmer und jeden gelaufenen Meter 0,082 Euro zu spenden. Freiwillige hatten sich am Samstag entlang der Demostrecke aufgestellt und die Teilnehmer gezählt. Lothar Judith: „Unseren Berechnungen nach sind 1420 Menschen durch die Innenstadt gezogen.“ Daraus ergibt sich ein Spendenbetrag von 1979,48 Euro, der an die Cottbuser Sprechcafés geht. Sie bieten Deutschen und Zugewanderten die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre Sprachkenntnisse zu festigen.

Integrationsarbeit gehört nicht zu den Zielen, die sich die Teilnehmer der Samstags-Demo auf die Fahnen geschrieben haben. Dort warb die vom Verfassungsschutz beobachtete „Identitäre Bewegung“ für sich, Vertreter der AfD mischten sich mit Pegida-Anhängern, die Palette der Plakate reichte von „Schnauze voll“ über „Merkel muss weg“ bis hin zu Treueschwüren an Wladimir Putin. Der Slogan der „Identitären“, „Heimat, Freiheit Tradition, Multi-Kulti Endstation“, wurde auf dem Marsch durch die Innenstadt mehrfach skandiert. Neben Rufen wie „Wir sind das Volk“ erklang immer wieder der Ruf „Widerstand“ und die lange bei NPD-Aufmärschen gebräuchliche Parole „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

Die Teilnehmerzahlen lagen deutlich unter denen der Vormonate: Nach RUNDSCHAU-Schätzungen 1000 bis 1500, der Cottbuser Aufbruch zählte 1420, Christoph Berndt, Chef von „Zukunft Heimat“ sprach von 5000 Teilnehmern. Es war offensichtlich, dass das Einzugsgebiet der Demo-Besucher nicht mehr ganz so weit nach Mecklenburg oder Thüringen hineinreichte wie sonst. Bei einer „Zukunft Heimat“-Veranstaltung am Freitag in Jüterbog waren nur 100 bis 150 Teilnehmer gezählt worden.

Die Redner in Cottbus suchten den Schulterschluss zwischen „Zukunft Heimat“ und der AfD, die immer wieder als einzig wählbare Partei bezeichnet wurde. Angelika Barbe, die als frühere DDR-Bürgerrechtlerin den Weg über SPD und CDU bis hin zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung gefunden hat, will nun „gegen die Blockparteien“ und „für die AfD streiten“, schlägt einen Bogen von der friedlichen 89er-Revolution zu den heutigen Protesten und sagt, Cottbus, Dresden und Kandel würden wegen ihrer Demonstrationen als „Heldenstädte“ in die Geschichte eingehen. Der rechtspopulistische homosexuelle ehemalige Theologe David Berger beschwor „rote und braune Sozialisten“ als Kämpfer für die Freiheit, wandte sich gegen eine vermeintliche „Islamisierung“ plädierte für Toleranz gegenüber homosexuellen und transgender Lebensformen. Cottbus-spezifische Themen wurden an diesem Tag nur am Rande gestreift: Die Polizeistatistik, die nachweist, dass der von Zuwanderern begangene Anteil an Straftaten etwa ihrem Anteil an der Bevölkerung enstpricht, wurde   abgetan mit dem Hinweis, laut Statistik müsste auch der Flughafen BER längst fertig sein. Die gewohnte Mischung aus islam- und fremdenfeindlichen Slogans hatte wie schon bei vorangegangenen Veranstaltungen verschiedene Mitglieder rechter Gruppierungen und Bündnisse angezogen. „Zukunft Heimat“ bedankte sich schon vor Wochen ausdrücklich für die Unterstützung durch die völkisch-nationalistische Sammelbewegung „Ein Prozent“.

Neben zahlreichen Vertretern der AfD wie dem Landratskandidaten Steffen Kubitzki (Spree-Neiße) nahm auch der Cottbuser CDU-Stadtverordnete Joachim Käks an der Demonstration teil. „Weil ich gegen die Regierungspolitik bin“, so seine Begründung.

Zukunft-Heimat-Demo in Cottbus FOTO: Michael Helbig
(hil)