| 15:17 Uhr

Anti-Flüchtlings-Demo in Cottbus
„Zukunft Heimat“-Demo gegen Flüchtlingsaufnahme

Cottbus. Das rechtspopulistische Bürgerbündnis „Zukunft Heimat“ aus Golßen im Spreewald hatte weit über die Region hinaus mobilisiert. Am Samstagnachmittag demonstrierten Tausende Menschen unter Führung des Vereins gegen die Flüchtlingsaufnahme. Die Polizei war massiv vor Ort. Von Simone Wendler

Es waren nicht nur Cottbuser, die sich am Samstagnachmittag an der Oberkirche in der Mitte der Stadt versammelten und dann kurz durch angrenzende Straßen zogen. Vereinschef Christoph Berndt begrüßte später über das Mikrofon Freunde aus Sachsen, aus Hannover, aus dem Norden. Unter den Versammelten waren viele Rentner, junge Männer und Frauen und auch erkennbar Anhänger des rechtsradikalen und Hooligan Milieus. Während Beobachter von mindestens 2000 Teilnehmern ausgehen, spricht der Veranstalter gar von mindestens 5000. Die Polizei nennt keine Zahl.

Die Redner entwarfen wie vor zwei Wochen ein Bild von Cottbus, wonach die Anwesenheit von Flüchtlingen in der Stadt eine generelle Bedrohung darstelle. Von bewaffneten Gruppen „sogenannter Schutzsuchender“ war die Rede, von „angeblich Minderjährigen, die bewaffnet durch die Stadt ziehen“ von „ungebremster Masseneinwanderung“. Die Menge skandierte immer wieder „Widerstand“. Der Verein veranstaltet seit Mai 2017 in Cottbus Demos gegen die Flüchtlingsaufnahme in Deutschland, bis vor zwei Wochen jedoch mit deutlich geringerer Resonanz. Das änderte sich, nachdem es im Januar zwei gewalttätige Zwischenfälle in der Cottbuser Innenstadt gab, bei denen junge Syrer Deutsche bedrohten und angriffen. Ein junger Mann wurde dabei mit einem Messer schwer im Gesicht verletzt.

„Zukunft Heimat“-Demo am Oberkirchplatz in Cottbus FOTO: Von Frank Hilbert

Sächsische Teilnehmer der Demo am Samstag an der Oberkirche hielten zwei große Transparente, eines davon mit dem Symbol der Bundesweiten völkisch-nationalistischen Sammlungsbewegung „Ein Prozent“. Auf einem Plakat stand „Aufwachen oder untergehen“.

Die Redner, darunter Siegfried Däbritz von Pegida aus Dresden, bemühten sich bei dieser Veranstaltung um spürbar gemäßigtere Worte, als bei vorangegangenen Kundgebungen des Golßener Vereins in Cottbus. Eine Rede von Däbritz im Sommer in der Stadt war von der Polizei wegen des Verdachtes der Volksverhetzung geprüft worden.

Die Alternative für Deutschland (AfD) stellte anders als bei vorangegangenen „Zukunft Heimat“-Kundgebungen in Cottbus keinen Redner. Sie war jedoch durch Mitglieder aus dem Elbe-Elster-Kreis und ein großes Transparent sichtbar vertreten.

Übergriffe auf Journalisten wie vor zwei Wochen gab es diesmal nicht. Zu Beginn der Kundgebung an der Oberkirche hatte Anne Haberstroh von „Zukunft Heimat“ die Versammelten aufgefordert, Journalisten „nicht anzufassen“. Massive Vorwürfe gegen die Berichterstattung über die Veranstaltungen von „Zukunft Heimat“ und „Lügenpresse“-Rufe bestimmten jedoch immer wieder die Veranstaltung.

Die Polizei nahm am Rande der Veranstaltung einen 38-Jährigen fest, der den Hitlergruß gezeigt hatte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Beitrages ist eine andere Teilnehmerzahl genannt worden. Wir haben sie jetzt korrigiert.

„Zukunft Heimat“-Demo am Oberkirchplatz in Cottbus Teil 2 FOTO: Von Michael Helbig
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