Von Peggy Kompalla
und Andrea Hilscher

In den vergangenen zehn Jahren ist der Baustart für die Erweiterung des Blechen-Carrés in der Cottbuser Stadtpromenade zigmal verschoben worden. Nun kommt ein weiteres Mal hinzu. Frühestens im Herbst – es ist von September oder Oktober die Rede – könne es auf der Baustelle Bewegung geben. Doch bis dahin müssen neue Geldgeber gefunden werden. Denn die französischen Investoren haben offensichtlich das Interesse an dem Immobiliengeschäft in Cottbus verloren. Das verkündete Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) am Mittwoch vor dem Stadtparlament.

Der Ärger lässt sich nicht leugnen. Er wächst mit jeder Verschiebung des Baustarts – nicht nur bei den Bürgern und Anwohnern der Stadtpromenade, die seit Jahr und Tag auf die hässliche Brache blicken müssen. Auch in der Stadtpolitik ist der Frust deutlich spürbar. Deshalb tritt Oberbürgermeister Kelch im Stadtparlament als Diplomat auf. „Mit verständlicher Ungeduld und wachsendem Unmut sind wir in der Stadtpromenade konfrontiert“, stellt er fest, nur um zu fragen: „Wird es das Einkaufszentrum geben oder was wären die Alternativen?“

Geld sollte von französischem Energiekonzern kommen

Deshalb hat das Stadtoberhaupt nach eigenen Angaben gemeinsam mit Stadtparlamentschef Reinhard Drogla (SPD) mit dem Geschäftsführer der EKZ Einkaufszentrum Cottbus GmbH ein offenes Gespräch geführt. Das Unternehmen ist für die Projektentwicklung und Umsetzung verantwortlich. Das Geld für das 25-Millionen-Euro-Bauprojekt sollte vom französischen Energiekonzern EDF kommen. Dem Firmenkonglomerat gehört das Blechen-Carré und das benachbarte Baugrundstück. „Die Investoren lassen derzeit nicht erkennen, dass sie die bekannten Pläne umsetzen wollen“, erklärte Kelch am Mittwoch. Nichtsdestotrotz halte die Stadt genauso wie die EKZ GmbH an dem Bauprojekt fest . Reinhard Drogla betonte: „Das ist ein Spurwechsel, kein Richtungswechsel. Wir wollen, dass auf der Fläche etwas passiert. Die EKZ GmbH will das auch.“ Das Problem sei die Finanzierung. „Wir hoffen, dass es einen Plan B gibt.“

In den nächsten Monaten könne der Kaufvertrag rückabgewickelt werden, so Holger Kelch. „Um nicht missverstanden zu werden: Da sind wir als Stadt nur Zuschauer. Das ist ein privates Geschäft.“ Der Stadtspitze liege ein Gesprächsangebot der Rechtsvertreter der Investoren vor. Demnach handelt es sich dabei um eine Hamburger Anwaltskanzlei. „Wir wollen von den Investoren die Gründe erfahren, warum sie nicht mehr an dem Projekt festhalten“, so der Oberbürgermeister. Über die Ergebnisse wolle er die Stadtverordneten in einer gesonderten Zusammenkunft informieren.

Initiative hat schon mehr als 2000 Unterschriften gesammelt

Wenigstens eine halbwegs gute Nachricht konnte Holger Kelch am Mittwoch verkünden. Demnach soll die Brache in Kürze gesäubert werden. Diese Zusage gebe es. Auch das wird wohl nichts an der Tatsache ändern, dass die wenig schmeichelhafte Postkarte der Bürgerinitiative Schönes Cottbus der Renner ist. Darauf ist der Altmarkt zu sehen und zwei Bilder von der Brache. Darüber steht „Willkommen in Cottbus!“ Die Initiative hat mittlerweile weit über 2000 Unterschriften gesammelt. Sie setzt sich dafür ein, dass der „Schandfleck in der Innenstadt schnell beseitigt wird“.

Die SPD und Linke haben am Mittwoch ihren Antrag, Gespräche mit dem Investor über einen Kauf des Grundstückes aufzunehmen, zurückgezogen. SPD-Fraktionschefin Lena Kostrewa: „Unsere Intention war es, Bewegung in die Sache zu bringen und es zur Chefsache zu machen. Das ist offenbar geglückt. Jetzt bleibt abzuwarten, was die avisierten Gespräche zwischen dem Oberbürgermeister und dem Investor bringen.“ Jörg Schnapke (CDU) erklärt, dass auch die Fraktionen direkt mit dem Investor Gespräche führen werden.

Die Pläne für die Blechen-Carré-Erweiterung gibt es seit 2009

Seit dem Jahr 2009 bestehen die Pläne für eine Erweiterung des Blechen-Carrés. René Becker, Geschäftsführer der EKZ GmbH, hat im vergangenen Jahr gegenüber der RUNDSCHAU betont: „Im Blechen-Carré haben wir 86 Mieter. Das reicht auf Dauer nicht aus. Wir müssen uns also erweitern, um auch in den nächsten Jahren gut bestehen zu können.“

Erneut Streit um Brache neben Cottbuser Blechencarré Politik uneins über Stadtpromenade

Cottbus